04.05.2026

Ehrenamt zwischen Ideal und Kalkulation

warum ich die BUGA 2031 kritisch sehe

 
Ich lebe in Wuppertal. Einer Stadt, die ohne Ehrenamt schlicht nicht denkbar wäre. Ob in Sportvereinen, Kirchen,  Chören, beim DRK, Malteser Hilfsdienst, in der Kultur, bei Bürgervereinen, in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Politik,  Jugendorganisationen, in der Geflüchtetenhilfe, bei der Tafel, Obdachlosenhilfe, in der Nachbarschaftsarbeit oder schlicht bei den vielen, die ohne Verein einfach da sind, wenn’s nötig ist – Wuppertal funktioniert, weil Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen.

Das ist gelebte Solidarität, keine Imagekampagne. Und deshalb irritiert mich das Auftreten der BUGA Wuppertal 2031 gGmbH zunehmend.

Ehrenamt als Werbeträger?
Die BUGA ruft aktuell dazu auf, sich als BUGA-Botschafter:in zu engagieren – organisiert über den Förderverein, getragen von der Stadt und der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG)
bugatal2031.de
. Die Aufgabe: bei Stadtfesten, Messen oder Mitmachaktionen die BUGA repräsentieren, Besucher informieren, VR-Brillen zeigen, Kritik abfedern, kurz: Öffentlichkeitsarbeit machen.

Ich habe solche Stände auf Stadtfesten gesehen. Es waren vor allem junge Leute dort – freundlich, engagiert, motiviert. Und soweit ich gehört habe, teils gegen ein kleines Taschengeld. Also nicht ganz „ehrenamtlich“, aber eben auch nicht wirklich bezahlt. Eine Grauzone zwischen Engagement, Minijob und Marketing. Mit der Aufnahme der Tätigkeit der BUGA gGmbH natürlich auch deren Angesetllten vermehrt in Erscheinung treten. 

Die verschwundene Muskelhypothek
Ich habe mir die Machbarkeitsstudien der BUGA Wuppertal durchgelesen. In den dort veröffentlichten Kalkulationen für den Durchführungshaushalt (also die 180 Tage Betrieb) finden sich Posten wie Personal, Veranstaltungen, Pflege, Sicherheit, Logistik – aber kein Hinweis auf die erwartete ehrenamtliche Unterstützung. Kein Ansatz für eine sogenannte Muskelhypothek, also den kalkulatorischen Eigenanteil unentgeltlicher Arbeit.

Das ist bemerkenswert, denn bei vergleichbaren Gartenschauen ist ja auch nicht unüblich gewesen. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder geht man davon aus, dass entscheidende Arbeitsleistungen trotzdem unbezahlt erbracht werden – oder man verschweigt einen Teil der realen Kosten. Beides verletzt das Transparenzgebot, das für ein öffentlich-finanziertes Millionenprojekt eigentlich selbstverständlich sein sollte. 

Was mich dabei umtreibt, ist die Ehrlichkeit der Zahlen. Wird hier eine erhebliche Ersparnis einkalkuliert – nur eben nicht benannt? Und wenn ja: Wie hoch ist sie? In einem Projekt mit mehr als 70 Mio. € veranschlagtem Gesamtvolumen ist das keine Nebensache, sondern eine verdeckte Subvention durch freiwillige Arbeitskraft.

Die Kehrseite der Begeisterung
Natürlich könnte man sagen: Ehrenamt belebt den Zusammenhalt, macht die BUGA „zu unserer Sache“. Doch hier wird etwas verschoben. Denn wer unbezahlt für eine professionell geführte Gesellschaft arbeitet, deren Träger die Stadt und die DBG sind, ersetzt faktisch Arbeitsplätze mit einem Etikett: Engagement.

Auch die
njuuz.de
hat das schon einmal treffend beschrieben: Wenn Besucherlenkung, Infostände oder Veranstaltungsorganisation durch Ehrenamtliche übernommen werden, verschiebt sich reguläre Arbeit in den unbezahlten Bereich. Die Grenzen zwischen Freiwillendienst und Arbeitsersatz beginnen zu verschwimmen.

Und das, während dieselbe BUGA-Gesellschaft für Beratung, Planung und Markenrechte der DBG Millionen zahlt – laut Durchführungsvertrag etwa vier Millionen Euro für Lizenzen und Begleitung.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Mir geht es nicht darum, die BUGA schlechtzureden. Stadtentwicklung braucht Impulse, und vielleicht entstehen 2031 wirklich schöne Orte in Wuppertal. Aber Transparenz und Fairness gehören genauso dazu wie neue Brücken oder Blumenrabatten.

Ich finde, es ist höchste Zeit, dass wir offen fragen dürfen:

Welche konkreten Leistungen sollen Ehrenamtliche übernehmen – und wie hoch wäre ihr Geldwert, wenn sie bezahlt würden?
Wieso taucht diese „Muskelhypothek“ nicht in der Finanzplanung auf?
Und: Wieviel verdient eigentlich die Geschäftsführerin Susanne Brambora-Schulz für ihre hauptamtliche Tätigkeit in der BUGA gGmbH – während andere für das Projekt kostenlos arbeiten?
Öffentliche Informationen zu ihrer Vergütung gibt es bisher nicht – weder im Ratsinformationssystem noch in den veröffentlichten Haushaltsunterlagen. Das soll jetzt keine Neid Debatte sein weil sicherlich auch kein 9 to 5 Job ist…. 

Fazit: Ehrenamt ist kein Sparmodell
Ich engagiere mich gern – wie viele in dieser Stadt. Aber Ehrenamt darf kein Lückenbüßer für fehlende Haushaltsmittel oder unterfinanziertes Personalmanagement sein. Wenn ein Millionenprojekt auf Freiwillige baut, sollte es ehrlich sagen, wie viel Geld es dadurch spart – und was das für andere Bereiche bedeutet, die ebenfalls auf Ehrenamt angewiesen sind.

Wuppertals Stärke war nie, dass wir uns „verkaufen“. Unsere Stärke ist, dass wir uns kümmern. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Aktuelle Stellenangebote:

 

Wem also dennoch „langweilig“ ist und Lust auf die BUGA hat „Die BUGA Wuppertal 2031 gGmbH lädt für Samstag, 9. Mai 2026, von 13 bis 16 Uhr zum Thementag Ehrenamt ins Haus Pécs im Living Lab NRW, Juliusstraße 14, ein. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erfahren dort, wie sie sich künftig als BUGA-Botschafterin oder BUGA-Botschafter engagieren können.“ 

Samstags ist auch in Utopia Stadt direkt gegenüber Workout… also ebenfalls ehrenamtliche Mitarbeit gefragt. 

 

Quelle: 

BUGA 2031 sucht ehrenamtliche Botschafterinnen und Botschafter | Wuppertal

 

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