11.03.2026Uli Schmidt
BUGA, Grundstücke und die alte Wuppertaler Frage
Im kommenden Planungsausschuss zur BUGA findet sich ein Tagesordnungspunkt, der auf den ersten Blick eher technisch klingt: N 8 – Grundstücks- und Vertragsangelegenheiten. Das „N“ steht für nichtöffentlich. Und genau dort wird es interessant.
Denn während der öffentliche Teil solcher Sitzungen häufig aus Präsentationen, Konzepten und freundlichen Visionen besteht, geht es im nichtöffentlichen Teil oft um das, was für Projekte dieser Größenordnung wirklich entscheidend ist: Grundstücke, Verträge und Geld.
Die Geschäftsordnung der Stadt Wuppertal sieht das auch ausdrücklich so vor. Grundstücksangelegenheiten – also Erwerb, Verkauf, Vermietung oder Verpachtung – werden in der Regel nichtöffentlich behandelt. Offiziell, um Verhandlungspositionen zu schützen oder Geschäftsgeheimnisse zu wahren.
Das ist nachvollziehbar. Zumindest in einem gewissen Rahmen.
Die BUGA braucht vor allem eines: Fläche
Bei der Bundesgartenschau wird schnell klar, warum dieser Tagesordnungspunkt Gewicht hat. Ein erheblicher Teil der Flächen, die für die BUGA benötigt werden, gehört gar nicht der Stadt Wuppertal. Schätzungen zufolge lag der städtische Anteil ursprünglich unter 50 Prozent.
Die Konsequenz ist logisch:
Flächen müssen gekauft, gepachtet oder über Nutzungsverträge gesichert werden.
Und genau hier beginnt die spannende Frage: Mit wem eigentlich?
Denn hinter vielen Grundstücken stehen private Eigentümer, Investoren oder Projektentwickler. Für sie kann die BUGA nicht nur ein Stadtentwicklungsprojekt sein – sondern auch eine wirtschaftliche Chance.
Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Eigentümer dürfen selbstverständlich verkaufen oder verpachten. Investoren dürfen Projekte entwickeln.
Nur eines wäre für die Öffentlichkeit interessant zu wissen:
Wer verdient eigentlich an der BUGA – und in welcher Größenordnung?
Alte Namen in neuen Projekten
Besonders interessant wird es, wenn man sich einige der Flächen im BUGA-Umfeld genauer anschaut.
So spielt etwa das Lokschuppenareal im Bereich Tesche eine Rolle – ein Areal, das im Zuge der BUGA entwickelt werden soll. Als Investor tritt dort unter anderem die Clees-Unternehmensgruppe auf.
Wer sich ein wenig mit Wuppertaler Stadtpolitik beschäftigt, dem dürfte dieser Name nicht ganz unbekannt vorkommen.
Denn Clees tauchte bereits Ende der 1990er Jahre in einem politischen Skandal auf, der in der Stadt bis heute einen besonderen Begriff geprägt hat: die sogenannte „Rotweinrunde“.
Die Rotweinrunde – ein Stück Wuppertaler Politgeschichte
1998 trafen sich mehrere Wuppertaler Persönlichkeiten im Privathaus eines Bauunternehmers zu einem Abendessen. Rotwein inklusive.
Was zunächst wie ein geselliger Abend klang, entwickelte sich später zu einem handfesten politischen Skandal. Es ging um eine hohe Wahlkampfspende an den damaligen SPD-Oberbürgermeisterkandidaten und um die Frage, ob diese möglicherweise mit Erwartungen an politische Entscheidungen verbunden war.
Vor Gericht konnten sich später einige Teilnehmer angeblich nur noch sehr bruchstückhaft erinnern, worüber an diesem Abend eigentlich gesprochen wurde.
Der Begriff „Rotweinrunde“ war geboren.
Seither taucht er in Wuppertal immer dann wieder auf, wenn sich Wirtschaft, Politik und große Bauprojekte allzu nahe kommen.
Transparenz sieht anders aus
Natürlich wäre es falsch zu behaupten, dass sich Geschichte automatisch wiederholt. Zwischen einem fast 30 Jahre alten Skandal und einem heutigen Infrastrukturprojekt liegen Welten.
Und doch bleibt ein ungutes Gefühl zurück, wenn zentrale Fragen rund um Grundstücke, Kaufpreise und Verträge bei einem Millionenprojekt wie der BUGA komplett hinter verschlossenen Türen verhandelt werden.
Denn genau dort entscheidet sich letztlich:
welche Flächen gekauft werden
zu welchem Preis
welche privaten Eigentümer profitieren
und welche Investoren langfristig neue Quartiere entwickeln dürfen
All das hat direkten Einfluss auf die Stadtentwicklung – und indirekt auch auf öffentliche Gelder.
Die eigentliche Frage
Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Grundstücksverhandlungen teilweise vertraulich geführt werden müssen. Das ist völlig normal.
Die Frage lautet vielmehr: Muss wirklich alles geheim bleiben?
Denn solange solche Entscheidungen ausschließlich im nichtöffentlichen Teil stattfinden, bleibt der Öffentlichkeit nur eines: Vertrauen.
Und Vertrauen ist in Wuppertal – nicht erst seit der Rotweinrunde – eine durchaus empfindliche Ressource.
Gerade deshalb wäre bei einem Projekt wie der BUGA vielleicht ein bisschen mehr Transparenz kein Risiko.
Sondern schlicht gute demokratische Hygiene.
Das spannende an dieser Stadt ist das vieles auch wenn es im Nicht öffentlichen teil behandelt wird, dennoch durch den „Flurfunk“ doch in einer gewissen Art bekannt ist.
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