19.06.2026Uli Schmidt
BUGA beklagt zu hohe Ansprüche?
Auf der Deponie Wassack am Homannsdamm hat der Jagdbogenverein seit vielen Jahrzehnten sein Zuhause. Dort trainieren zahlreiche Mitglieder, darunter auch ambitionierte und leistungsorientierte Sportler*innen. Geschossen wird auf Kunsttiere – eine besondere Disziplin des Bogensports, die Konzentration, Präzision und ein passendes Gelände braucht.
Mit den BUGA-Planungen und den dazugehörigen Machbarkeitsstudien wurde dieses Gelände offenbar ganz selbstverständlich mit überplant – so, als sei alles verfügbar, was für die Bundesgartenschau nützlich erscheinen könnte. Für die Betroffenen ist dabei besonders bitter: Sie haben davon nicht etwa in Vorgesprächen erfahren, sondern erst im Verlauf des Verfahrens mitgeteilt bekommen, dass sie der BUGA im Weg stehen und ihren Standort aufgeben sollen.
Zwar wurde dem Verein zugesagt, dass Ersatzflächen gefunden würden. Doch die Suche danach ist bislang offenkundig gescheitert. Das liegt nach allem, was man hört, nicht an angeblich überzogenen Anforderungen des Vereins. Im Gegenteil: Wer ernsthaft Trainingsflächen für einen Verein sucht, in dem auch Spitzensportler*innen trainieren, muss sich mit den tatsächlichen Bedingungen dieses Sports befassen. Das Problem scheinen weniger die Ansprüche des Vereins zu sein als vielmehr das Selbstverständnis der BUGA, sich Flächen anzueignen, als gäbe es keine gewachsenen Strukturen, keine Nutzungen und keine Menschen, die dort seit Jahrzehnten ihren Platz haben.
Dass die Geschäftsführerin der BUGA gGmbH in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Vohwinkel die Ansprüche des Vereins als überhöht dargestellt haben soll, macht die Sache noch brisanter. Denn wenn ein Verein sogar bereit ist, Wuppertal zu verlassen, um überhaupt eine Perspektive zu bekommen, dann wirkt es mindestens befremdlich, ihm auch noch mangelnde Kompromissbereitschaft zu unterstellen. Man kann das bemerkenswert nennen. Man kann es aber auch als übergriffig bezeichnen.
Wer Großprojekte wie die BUGA plant, sollte nicht so tun, als ließen sich bestehende Vereine, gewachsene Bindungen und reale Bedarfe einfach vom Reißbrett wischen. Nicht der Jagdbogenverein stellt hier überzogene Ansprüche. Überzogen ist eher die Erwartung, dass sich alle anderen schon fügen werden.
Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass für die BUGA über gewachsene Strukturen und berechtigte Interessen hinweggegangen werden soll – nur damit die eigenen Machbarkeitsstudien bloß nicht grundsätzlich hinterfragt werden müssen. Dabei geht es nicht darum, Veränderungen abzulehnen. Aber Stadtentwicklung darf nicht nach dem Prinzip funktionieren, dass alles verdrängt wird, was einem Prestigeprojekt im Weg steht. Wer Kritik abwertet und Betroffene vor vollendete Tatsachen stellt, gefährdet am Ende die Akzeptanz des gesamten Vorhabens.
In diesem fall ist es „nur“ ein Verein in anderen Bereichen betrifft es Ökosysteme die sich eben nicht selber wehren können.
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