25.02.2026

BUGA 2031 und das Orakel der Verwaltung:

Warum Bürger plötzlich Hellseher sein müssen




Es gibt Momente, in denen Verwaltung nicht mehr wie Verwaltung wirkt, sondern wie ein Orakel. Man darf Fragen stellen – aber nur schriftlich. Man bekommt Antworten – aber nicht öffentlich dokumentiert. Und wenn man wissen will, was wirklich geplant ist, muss man Informationsfreiheitsgesetze bemühen, als würde man ein Staatsgeheimnis lüften.

Willkommen in der Realität der BUGA-Planung 2031.

Im Zeitalter der Verschwörungstheorien ist das ein gefährlicher Weg. Nicht, weil Verschwörungen real wären – sondern weil Intransparenz genau das Klima schafft, in dem Misstrauen wächst. Bürger sollen offenbar vorab erraten, welche Fragen irgendwann planungsrelevant sein könnten. Sie müssen heute fragen, was die Verwaltung vielleicht morgen entscheidet – ohne die notwendigen Informationen zu besitzen.

Es ist ein absurdes Spiel: Wer die richtigen Fragen nicht rechtzeitig stellt, bekommt später keine Antworten mehr.

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 Nachhaltigkeit ohne Zahlen, Planung ohne Klarheit

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie weit sich Verwaltung und Öffentlichkeit voneinander entfernt haben.

Auf die einfache Frage, wie viele Bäume für die BUGA-Planung im Bereich Königshöhe gefällt werden müssen, lautet die Antwort sinngemäß: Das wird später geklärt. Die Eingriffe würden „in Form von Flächenangaben erfasst“ und „vollständig ausgeglichen“.

Das ist keine Information. Das ist eine Beruhigungsformel.

Wer Nachhaltigkeit ernst meint, kann konkrete Fragen nicht mit abstrakten Floskeln beantworten. Jeder Baum ist ein ökologisches System. Er ist nicht einfach eine Fläche, die man an anderer Stelle ersetzen kann – schon gar nicht kurzfristig.

Noch bemerkenswerter ist die Aussage zur zusätzlichen Versiegelung. Diese wird ausdrücklich bestätigt:
„Die geplanten Baumaßnahmen führen natürlich zu zusätzlicher Versiegelung.“

Und gleichzeitig soll das Mikroklima angeblich kaum beeinflusst werden. Ohne Zahlen. Ohne Modelle. Ohne nachvollziehbare Grundlage.

Man soll es einfach glauben.

Der Bebauungsplan als Blackbox

Besonders beunruhigend ist dabei die Rolle des Bebauungsplans. Dieser bildet die rechtliche Grundlage der gesamten Planung. Und dennoch bleiben zentrale ökologische Auswirkungen unklar oder werden erst später konkretisiert.

Das wirft eine fundamentale Frage auf: Wie kann ein Bebauungsplan seriös beschlossen werden, wenn seine tatsächlichen Auswirkungen noch nicht konkret benannt werden können?

Planung sollte auf Erkenntnissen basieren. Nicht auf Annahmen, Hoffnungen oder Formulierungen, die mehr verschleiern als erklären.

Wenn bereits der Aufstellungsbeschluss und seine begleitenden Informationen keine klare und verständliche Grundlage liefern, entsteht der Eindruck, dass hier ein Rahmen geschaffen wird, dessen Konsequenzen erst später sichtbar werden – wenn Änderungen kaum noch möglich sind.
Demokratie ohne Öffentlichkeit

Noch gravierender ist jedoch der Umgang mit Bürgerfragen selbst.

Die Einwohnerfragestunde wurde abgeschafft. Fragen müssen schriftlich eingereicht werden. Antworten werden nicht automatisch veröffentlicht. Sie erscheinen nicht im Ratsinformationssystem. Wer sie einsehen möchte, muss sie aktiv und formal anfordern.

Das bedeutet im Klartext: Öffentlichkeit findet nicht mehr selbstverständlich statt.

Stattdessen entsteht ein System, in dem Informationen fragmentiert, verzögert und schwer zugänglich sind. Bürger werden zu Antragstellern, Transparenz zu einer Ausnahme.

Wer stellt eigentlich die notwendigen Fragen?

Das führt zur entscheidenden Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Planung?

Kann die Öffentlichkeit darauf vertrauen, dass politische Vertreter die kritischen Fragen stellen? Dass sie nicht nur die Vision der BUGA sehen, sondern auch deren konkrete Auswirkungen?

Oder ist die Begeisterung für das Projekt so groß, dass kritische Distanz verloren geht?

Denn die Fragen liegen auf der Hand:

Wie viele Bäume werden tatsächlich verschwinden?
Wie viel Fläche wird dauerhaft versiegelt?
Welche ökologischen Folgen entstehen langfristig?
Und wie nachhaltig ist eine Planung wirklich, wenn ihre Auswirkungen erst im Nachhinein konkret benannt werden?

Diese Fragen sind nicht radikal. Sie sind rational.

Der Weg in die Zukunft – oder in die Intransparenz?

Die BUGA 2031 könnte ein Projekt werden, das zeigt, wie nachhaltige Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert funktioniert.

Oder sie könnte ein Beispiel dafür werden, wie große Projekte entstehen: mit Visionen nach außen und Unklarheiten im Detail.

Transparenz ist keine Gefahr für ein Projekt. Sie ist seine stärkste Legitimation.

Doch wenn Bürger gezwungen sind, Informationen mühsam freizulegen, wenn Antworten vage bleiben und wenn Öffentlichkeit durch Verfahren ersetzt wird, entsteht ein gefährlicher Eindruck:

Nicht, dass etwas verborgen wird.
Sondern dass Offenheit nicht mehr selbstverständlich ist.

Und genau dort beginnt das eigentliche Problem.

Nicht bei den Bäumen.
Nicht bei der Versiegelung.
Sondern beim Vertrauen.

Quelle: https://fragdenstaat.de/a/359585 

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