17.11.2018

Buch des Monats Dirk Krüger Gegen das Vergessen matthias dohmen

Buch des Monats: Dirk Krügers „Gegen das Vergessen“

Schriftstellern aus Wuppertal, die politisch auf der radikalen Linken zu verorten sind und relativ unbekannt geblieben sind, ist mit diesem Werk ein Denkmal gesetzt worden. Mein Buch des Monats November.

Von dem Band über fünf Autoren, die sogar in ihrer Heimatstadt  faktisch ignoriert worden sind und so gut wie ausschließlich in der untergegangenen DDR rezipiert wurden, werden die Literaturwissenschaft und die Regionalgeschichtsforschung sicherlich noch lange zehren.

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Bei den fünf schreibenden Arbeitern handelt sich um Werner Eggerath, Emil Ginkel, Walter Gorrish, Peter Kast und Werner Möller. „Sie alle starben“, schreibt der Autor im Klappentext, „fast unbeachtet in Wuppertal, fern ihrer Heimatstadt“. Gemeinsam ist ihnen die Mitgliedschaft in der KPD. Der bekannteste von ihnen ist Werner Eggerath, der von 1947 bis 1952 das Amt des Ministerpräsidenten des Landes Thüringen bekleidete.

Das im Wuppertaler Nordpark-Verlag erschienene Buch ist übersichtlich aufgebaut und enthält zahlreiche Fotos etwa der Häuser, in denen Eggerath und Co. zur Welt kamen, und Faksimiles aus ihren Werken beziehungsweise der Cover. Im Teil I werden die Autoren biographisch vorgestellt und literarisch eingeordnet. Der zweite Teil besteht aus mal längeren, mal kürzeren Auszügen aus ihren Werken. Diese fast 300 Seiten zusammengetragen zu haben, ist zweifellos das große Verdienst Krügers. Insoweit hat er ein Handbuch verfasst, das in die Bibliothek des an Literatur Interessierten gehört und noch lange genutzt werden wird. Den Band schließen Kurzbiographien ab. Gut getan hätte dem Werk ein Personenregister.

Gorrish und Kast wurden 1933 in die Emigration getrieben, Eggerath saß bei den Nazis mehr als zehn Jahre im Zuchthaus, und Ginkel ging den Untergrund, während Werner Möller Anfang Januar 1919 ein Opfer der kaiserlichen Soldateska wurde. Zeithistorisch von großem Interesse, bleiben seine Arbeiten literarisch, so zitiert Krüger Mathilde Dau, „im Sentimentalen oder in einem Mitleid heischenden Gestus stecken“. – Ein Hinweis, wo genau Dau dies geschrieben hat, sucht der Leser vergebens, wie überhaupt die Literaturverweise höchst summarisch sind und sich der Nachprüfung entziehen.

Emil Ginkel, der 65jährig in Wuppertal (!) starb, gehört zu den Begründern des Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller (BPRS). Nach 1945 publizierte er hauptsächlich in Publikationsorganen der KPD und neigte wohl zu sehr groben Vereinfachungen: Beim Vergleich der beiden deutschen Staten griff er „leider zu pathetischen Überhöhungen mit Blick auf die DDR“ (S. 62).

Ein besonderes Schicksal weist Peter Kast (eigentlich Karl Preissner) aus, der am spanischen Bürgerkrieg teilnahm und der im Prager Exil  unter anderem mit dem berühmten Mimen Erwin Geschonneck und dem Schriftsteller John Heartfield zusammen war, der als Erfinder der politischen Fotomontage gilt. Kast nahm an der legendären „geschlossenen Parteiversammlung der deutschen Kommission des Sowjet-Schriftstellerverbandes“ 1936 in Moskau teil, deren Protokoll 1991 erschien; zu ihren Teilnehmern zählten Johannes R. Becher, Georg Lukács und Friedrich Wolf.

 

MATTHIAS DOHMEN

 

Dirk Krüger, Gegen das Vergessen. Fünf Wuppertaler Arbeiterschriftsteller und Widerstandskämpfer gegen die Nazi-Diktatur stellen sich vor, Wuppertal: Nordpark 2018, ISBN 978-3-943940-43-5, 407 S., Euro 18,00, www.nordpark-verlag.de.

 

 

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