22.07.2014

‚Dem Rad in die Speichen fallen‘

"Der Widerstand der Barmer Erklärung war ein geistlicher und ist über Ermahnen nicht hinausgekommen" sagt Pfr Engels.

Wuppertal: Anlässlich des 70. Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Hitler hat die Stadt Wuppertal an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und die Opfer erinnert.

Im Anschluss an die Begrüßung durch Michael Müller, Fraktionsvorsitzenden der CDU, sprach Pfarrer Martin Engels über die Barmer Theologische Erklärung, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt: „Denn an diesem Tag erinnern wir uns vornehmlich an die mutigen Menschen, die mit dem Anschlag auf Hitler vor 70 Jahren das nationalsozialistische Regime beenden wollten, ?dem Rad in die Speichen fallen? wollten, wie es Bonhoeffer formuliert hatte.

Unter Ihnen waren auch zahlreiche Christen, die sich zu der Entscheidung durchgerungen hatten, im Gehorsam gegen Gottes Gebot Widerstand gegen den gegebenen Staat zu leisten und am Umsturz einer Ordnung mitzuwirken. Vor diesem Hintergrund werden dann die Grenzen der Barmer Theologischen Erklärung sichtbar: Der Widerstand der Barmer Theologischen Erklärung war von geistlicher Natur. Aber über das Erinnern und Ermahnen ist dieser kirchliche Widerstand nicht hinausgekommen. Das ist gewiss alles andere als gering zu schätzen, aber wir sollten uns hüten, es in falscher Weise zu glorifizieren. 

Alle unsere Bemühungen, die Geschichte des Widerstands in der Zeit des Nationalsozialismus wach zu halten, sollten zum Ziel haben, nach der Inspiration dieser Ereignisse für unsere Gegenwart zu suchen und uns einen wachen und aufmerksamen Blick zu lehren. Wenn wir Blumenkränze in Gedenken an die mutigen Menschen des 20. Juli hinlegen, dann sollten wir uns zugleich die Frage stellen, was wir dafür in unseren Bereichen tun, dass es wachsame, mutige und engagierte Männer und Frauen auch heute und morgen gibt. Wie wir den Boden für die nachwachsenden Generationen bereiten. Da sind wir als Kirchen und Glaubensgemeinschaften in der Pflicht genauso wie der Staat in dem wir leben“.

Das Redemanuskript von Pfr. Martin Engels finden Sie unten im Download.

text: öffentlichkeitsreferat/wj
fotos: gerhard bartsch

EKD-Ratsvorsitzender: Wollen uns von Frauen und Männern des 20. Juli inspirieren lassen
Berlin: Mit einem Gottesdienst im Berliner Dom und Gedenkveraltungen ist am Sonntag an das gescheiterten Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 erinnert worden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, würdigte zum 70. Jahrestag des Umsturzversuchs das mutige Handeln der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944). Im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck sagte der frühere rheinische Präses im Berliner Dom, die Frauen und Männer des aktiven Widerstandes gegen Hitler hätten in Deutschland lange darauf warten müssen, nicht mehr als Verräter, sondern als Gerechte angesehen zu werden. Heute sei die Ehrung der Widerständler ein wichtiges Anliegen geworden, fügte er hinzu.

Deren Widerstand sei auch ein Zeichen dafür, dass nicht alle Deutschen tatenlos zugesehen hätten, mitliefen oder begeistert mitgemacht hätten. Nicht alle Deutschen seien der Stimme der Nazi-Barbarei gefolgt, sagte Schneider in dem ZDF-Fernsehgottesdienst und ergänzte: „Es gab Menschen in unserem Land, die auf eine andere Stimme gehört haben – im Getöse des Gebrülls am Volksgerichtshof, im Geschrei der großen Aufmärsche und Hallen, inmitten der Lügen und der Propaganda in den Medien.“

Auch heute komme es in vielen Situationen darauf an, Gottes Stimme zu hören, „sich von Gott rufen zu lassen“ und „dann auf diesen Ruf mit eigener und tätiger Verantwortung zu antworten“, sagte Schneider weiter. Dazu brauchten Menschen „eine innere Freiheit von äußeren Zwängen und äußeren Bedrohungen“. Eine solche Freiheit erwachse aus der Bindung an Gott: „Wir wollen uns von ihrem Weg inspirieren lassen. Wir wollen hören, wenn Gottes Stimme uns heute ruft“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende mit Blick auf die Frauen und Männer vom 20. Juli 1944. Das Attentat vor 70 Jahren und der nachfolgende Umsturzversuch gegen das nationalsozialistische Regime gelten als größter organisierter Widerstandsversuch im sogenannten Dritten Reich. Deutschlandweit wurde am Sonntag an das gescheiterte Hitlerattentat erinnert.

Bei einer zentralen Feierstunde im Ehrenhof des Berliner Bendlerblocks unterstrich Bundespräsident Joachim Gauck die langfristigen politischen Wirkungen des Anschlags vom 20. Juli 1944. Er legte an der Stelle, an der der Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg hingerichtet wurde, einen Kranz nieder. An der Feierstunde der Bundesregierung sowie der Stiftung 20. Juli 1944 nahmen auch führende Vertreter anderer Verfassungsorgane teil, darunter Bundesratspräsident Stephan Weil, Bundestags-Vizepräsidentin Edelgard Bulmahn (beide SPD) sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Anwesend waren zudem die früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Christian Wulff.

text: epd-west

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Kommentare

  1. engola sagt:

    *strike*

    Die Barmer Erklärung von 1934 war viel mutiger als der verspätete Widerstand aus der Wehrmacht!

    Viel mehr muß ich nicht sagen. Die Wehrmacht war Täter. Die Attentäter handelten nur, weil der Krieg verloren ging. – Die Barmer Erklärung hat sich in der Frühzeit des Nationalsozialsismus, als alle dafür waren, sich dagegen gewendet! „Übers Ermahnen nicht hinausgekommen“ … dafür sind manche ins KZ gewandert!

    Die Rede zeugt von Geschichtsvergessenheit.

    Grüße von einem Ex-Wuppertaler

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