02.09.2012

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„Wir schaffen das!“: Plädoyers gegen Krisenpanik und Untergangsrhetorik

Am vergangenen Freitag luden die Wuppertaler Wirtschaftsjunioren zum 10. Bergischen Unternehmerkongress in die Glashalle der Sparkasse ein. Prominente Referenten waren in diesem Jahr Dr. Ulrich Stiebel (Stiebel Eltron) und der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx.

Kongressdirektor Jan Vetter blickte in seinem Grußwort auf die bisherigen neun „BUKs“ zurück. Fast dreißig Referenten hatten vor rund zweitausend Gästen gesprochen. Zu den bekanntesten Rednern gehörten der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der Textilfabrikant Wolfgang Grupp (Trigema) und der Linken-Politiker Gregor Gysi, dessen bloßes Erscheinen im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Im vergangenen Jahr hatte Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, provokante Thesen zur Energiepolitik aufgestellt.

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Peter Vaupel, Sprecher des Vorstandes der Sparkasse, ging in seiner Ansprache auf die vielen Krisen ein, die momentan die Schlagzeilen beherrschen. Er rief die Unternehmer dazu auf, dennoch mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. Oberbürgermeister Peter Jung hatte naturgemäß vor allem die Lage der Stadt im Blick und würdigte die Unterstützung der rot-grünen Landesregierung, die dazu geführt habe, dass Wuppertal erstmals seit mehreren Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen konnte.

Der stellvertretende Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren, Lars Dinglinger, bedankte sich bei der Sparkasse und allen Sponsoren, ohne deren Unterstützung der Kongress nicht denkbar wäre. Gleichermaßen sei das ehrenamtliche Engagement vieler Wirtschaftsjunioren unabdingbar für das Gelingen des Veranstaltung.

Matthias Horx, Peter Vaupel, Jan Vetter, Ulrich Stiebel, Lars Dinglinger (v.l.)

Matthias Horx, Peter Vaupel, Jan Vetter, Ulrich Stiebel, Lars Dinglinger (v.l.)

„Energiewende und Klimawandel – Wir schaffen das“

Dr. Ulrich Stiebel, Mitinhaber der Unternehmensgruppe Stiebel Eltron, sprach zum Thema „Energiewende und Klimawandel – Wir schaffen das“. Anhand zahlreicher positiver Beispiele machte Stiebel deutlich, dass Kommunen, Stadtwerke und Unternehmer auf vielfache Weise aktiv werden könnten, um den Umstieg auf regenerative Energien zu unterstützen. Er verwies auf das Vorbild München, wo die dortigen Stadtwerke in fünf Jahren den Wandel hin zu einer vollständig regenerativen Energieversorgung schaffen wollen. Für die Kommunen seien Windstrom und Photovoltaik durchaus nicht nur mit zusätzlichen Kosten verbunden, denn durch lokal erzeugten Strom würden auch Gewerbesteuereinnahmen generiert.

Ob die Energiewende gelingt, ist für Stiebel zu einer entscheidenden Imagefrage Deutschlands geworden. Stiebel ist optimistisch: „Ich glaube an die Energiewende, wie sie von Umweltminister Peter Altmaier proklamiert wird.“

Slideshow mit Fotos vom Bergischen Unternehmerkongress.

„Die Welt 2050 – Ökonomie und Gesellschaft im 21. Jahrhundert“

Der zweite Redner, Zukunftsforscher Matthias Horx, kündigte an, sein Publikum „ein bisschen zu fordern“. Kernthema seines Referats: „Was können wir sagen über die Welt in vierzig Jahren?“ Aufbauend auf einer Umfrage ergeben sich für Horx vier wichtige Fragen.

„Wird die Globalisierung stoppen?“

Im Gegenteil, wir stehen erst am Anfang, sagte Horx. Doch die Globalisierung werde sich anders vollziehen, als viele Menschen befürchten. Der Finanzsektor, der als Ursache vieler aktueller Krisen gilt, werde sich in seiner jetzigen Form „zerlegen“. Institute wie die Sparkassen sind für Horx die Lösung für die Probleme des globalisierten Finanzwesens. Ähnliches prognostiziert er auch für die Realwirtschaft: kleinere Firmen seien stabiler als Großkonzerne. Daher werden sich große Strukturen in immer kleinere Einheiten aufteilen. Außerdem werde der Trend, Produkte in weit entfernten Regionen der Erde produzieren zu lassen, wegen des Wohlstandswachstums in Asien zunehmend unwirtschaftlich.

Bergischer Unternehmerkongress in der Glashalle der Sparkasse.

Bergischer Unternehmerkongress in der Glashalle der Sparkasse.

„Kann unsere Welt zehn Milliarden Menschen ernähren?“

Die Geburtenraten werden sinken, erläuterte Horx. Das hänge damit zusammen, dass ländlich geprägte Regionen sich zunehmend in städtisch dominierte Gemeinwesen wandeln. 2060 werde demnach das Maximum der Weltbevölkerung erwartet. Es soll laut Horx bei höchstens 9,3 Milliarden Menschen liegen.

„Wird China einen Krieg beginnen?“

Horx erläuterte, dass die Gefahr eines Krieges um so größer ist, je mehr junge Männer ohne Perspektive in einem Land leben. Durch die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung und den wachsenden Bildungsgrad sei die Wahrscheinlichkeit, das China einen Krieg beginnen wird, relativ gering.

„Wird die Welt im Jahr 2050 ein besserer Platz sein?“

Horx macht an verschiedenen Beispielen deutlich, dass der Mensch dazu neigt, positive Nachrichten nicht zur Kenntnis zu nehmen. So sei – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – die Verfügbarkeit von sauberem Wasser global gestiegen. Naturschutzgebiete würden sich entgegen aller Medienberichte ausweiten. Es gebe immer weniger Länder, die die Todesstrafe anwenden. Der Bestand an vielen bedrohten Tierarten wie zum Beispiel Walen habe stetig zugenommen. Die Menschen seien also in der Lage, die Welt zu einem besseren Platz zu machen.

Horx rief dazu auf, sich nicht durch Panik und Untergangspropheten leiten zu lassen. Die meisten der bergischen Unternehmer in der Glashalle hatte er nach einer Stunde überzeugt.

>> Zum njuuz-Interview mit Dr. Ulrich Stiebel

>> Lesen Sie am Dienstag das njuuz-Interview mit Matthias Horx

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Fotos: Wilma Schrader
njuuz ist Medienpartner des Bergischen Unternehmerkongresses

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