24.05.2012

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Wie ein PR-Coup vor die Hunde ging

Das ging nach hinten los. Ein Zeitungsartikel über den tierlieben Oberbürgermeister und die vier Hunde seiner Pressesprecherin hat teils hämische, teils verärgerte Reaktionen hervorgerufen.

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Aufkleber an der Rathaustür: Hunde müssen draußen bleiben – eigentlich.

Viele Politiker glauben immer noch, dass es  keine besseren Fotos gibt als solche mit Kindern oder Tieren. Der glücklose Norbert Röttgen hatte deshalb im zurückliegenden Wahlkampf noch Plakate kleben lassen, die ihn mit einem kleinen Jungen zeigten – und dafür viel Spott geerntet (Internetkommentar: „Ist das ein echtes Kind oder eine Bauchrednerpuppe?“).

Natürlich hat Wuppertals leutseliger Oberbürgermeister Peter Jung wenig mit dem spröden Ex-Umweltminister gemein, doch auch er wollte wohl etwas für sein Image tun. Also ließ er sich für den Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung im Rathaus mit den vier Hunden seiner Pressesprecherin Martina Eckermann ablichten. Der herzige Beitrag mit dem Titel „Das Collie-Quartett und der Oberbürgermeister“ legt nahe, dass das Stadtoberhaupt „Clooney, Luke, Liz und Cody“ täglich mindestens einmal aufsucht („Einer der vier Border Collies (…) ist mit dem täglichen Ritual der Leckerchen-Ausgabe durch Oberbürgermeister Peter Jung offenbar noch nicht so vertraut…“). Der Leser darf ferner annehmen, dass eines der Tiere aus Irland stammt, wo es womöglich eingeschläfert worden wäre, hätte es Hundeliebhaberin Eckermann nicht rechtzeitig ins sichere Wuppertal evakuiert.

Auch das ging schief: Norbert Röttgen mit Kind auf einem Wahlplakat

Seltsam nur: Otto Normalbürger wird vor dem Rathaus mit unübersehbaren Schildern darauf hingewiesen, dass er seinen Hund gefälligst draußen zu lassen hat. Viele WZ-Leser wunderten sich darüber, dass sich eine enge Mitarbeiterin des Oberbürgermeisters offenbar über dieses Verbot hinwegsetzen darf – mit dem Segen des hundeliebenden Stadtchefs, der die illegalen Rathausbesucher auch noch täglich mit Leckerchen versorgt.

Riecht es im Presseamt nach nassem Hund?

In den Leserkommentaren zu dem Artikel wird darüber gerätselt, ob jetzt vielleicht jeder Bürger seinen Hund zum Füttern ins Rathaus bringen darf. „Renier“ will in der Stadtverwaltung noch erhebliche Einsparpotentiale ausgemacht haben, da ja offenbar noch Zeit genug für die Hundebetreuung während der Arbeitszeit sei. Unter dem passenden Namen „nasserhund“ fragt sich ein Leser, „wie es im Presseamt bei Regen duftet“. „Peter“ mutmaßt: „Wer so nah am OB ist, darf alles“. Auch die WZ, die dem Beitrag nach eigenen Angaben nur eine niedrige Relevanz bescheinigt, erntet Spott: „Hat die ITALIEN-Redaktion jetzt die WZ übernommen?“ will „misspiggy“ wissen.

Angesichts des für jeden Bürger geltenden Hundeverbots im Rathaus ist unverständlich, wieso ausgerechnet die Pressesprecherin zulässt, dass Fotos des Oberbürgermeisters mit ihren Hunden in der Zeitung erscheinen. Es stellt sich die Frage, ob die ausgebildete Journalistin Eckermann nicht hätte erkennen müssen, welche negativen Reaktionen der Artikel auslösen würde.

Die Opposition feixt derweil hinter vorgehaltener Hand über den missglückten PR-Coup. Ein prominentes Mitglied des Stadtrates sagte, man habe in der Partei kurz überlegt, ob man das Thema mit einer Pressemitteilung ironisch kommentieren solle. Angesichts des offenkundigen Imagedebakels habe man das aber für „nicht mehr erforderlich“ gehalten.

>> Zum WZ-Artikel „Das Collie-Quartett und der Oberbürgermeister“

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Foto: Georg Sander

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