30.05.2011

armut ChangemakerCity Jugendliche medienprojekt

Viel mehr als Kino

Das Medienprojekt Wuppertal präsentierte am 18.5 kostenlos die Premiere von „Kaum mehr als nichts“. Die Doku-Reihe zeigt dem Zuschauer, dass es nicht nur auf das Geld im Leben ankommt, sondern auch auf Familie und Freunde, Mitstreiter die in schwierigen Situationen Halt geben und Ideale vertreten. Aber ohne Geld ist es oft schwer. Geld ist Absicherung, Luxus und Macht und vor allem bedeutet kein Geld oftmals keine Anerkennung.

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Ich empfehle: die neue Rutsche im Cinemaxx. Absolutes Rutschvergnügen. Viele enge Kurven und vor allem schön steil.

Als es sich für mich ausgerutscht hat ging’s in den Kinosaal. Kino 9.

Andreas von Hören, Leiter vom Medienprojekt Wuppertal machte schon Druck. Viertel nach acht, offizieller Filmbeginn, war bereits vorbei. „Alles wie immer“ denke ich mir grinsend, begrüße hier und da jemanden. Man tauscht sich über die neuesten Projekte aus, vereinbart Drehtermine, ist gespannt wegen der Premiere. Im gut gefüllten Saal entdeckt man die üblichen Gesichter, hebt die Hand, grinst kurz, aber auch neue Leute sind jedes mal dabei.

Dann wird’s ruhig im Saal, die Lichter gehen aus, Andreas tritt vor die Leinwand.

Spricht ein paar Worte, bedankt sich, fragt nach Interessierten Jugendlichen für die nächsten Doku-Reihen, Kiffen und Suizid, wünscht viel Spaß, eröffnet den Abend. Das heutige Thema: Armut.

Nicht viel fürs Glück“ die erste Dokumentation porträtiert das Leben von Mutter und Tochter, die mit 1100 EUR im Monat auskommen müssen. Das heißt billig einkaufen, im Aldi, Klamotten Second-Hand vom Flohmarkt, kein Marken, kein neues Handy, „nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch“.

Man kann davon Leben, aber es reicht nicht, um sich was zu gönnen.

Ähnlich sehen das die gefilmten ARGE-Bezieher. „Zum Leben zu wenig, zum sterben zu viel“ ist der Titel des Films und die Meinung der meisten. Nur ein junger Mann sticht heraus, für ihn „reicht es aus“, aber ihn stört es, wie alle anderen auch, wie man behandelt wird, als gehöre man einer Unterklasse an.

Endlich mal was zum Schmunzeln bietet der Film „Das Gute Geld verdienen“. Alina und Marcel arbeiten in Akzenta und tragen Zeitungen aus, um ihren Führerschein zu finanzieren und mithalten zu können, oder um ihren Alkoholkonsum und ihre Ausbildung als Logopäde sicher zu stellen. Allgemeines Gelächter kommt auf, als Marcel im Film nach dem Spaßfaktor in seinem Job sucht. Er ist nicht vorhanden.

Fasziniert hat mich das Leben von Patrick und seinen Freunden. Nachts klauen sie aus den Mülltonnen der Supermarktketten, die noch längst nicht abgelaufenen, aber schon etwas zerdellten, Lebensmittel. Netto-Markt hat sich dieses Mal gelohnt. Schokolade en masse. Genug, um sie an einen Mitstreiter zu verschenken. Aus Protest gegen das System leben sie auf einem gepachteten Stück Land vom Bauern, ohne Strom, kein fließendes Wasser, dafür eigenes Gemüse und Öko-Klo. Frei fühlen sie sich.

Endlich ist mein Film dran. Ich bin etwas aufgeregt. Zusammen mit Ayla, meiner Freundin haben wir ihre Familie gefilmt in der Türkei auf dem Dorf und hier in Deutschland. „Allein die Luft ist umsonst“ fragt nach Glück und Reichtum. Ich bin glücklich, als ich das kleine Dorf in den Bergen wieder entdecke. Noch einmal knirscht der Kies unter meinen Füßen, man hört die Stille, hin und wieder vom scheppernden Gebetsruf und Hundegebell unterbrochen, schmeckt die fruchtigen Trauben vom eigenen Balkon, riecht Frische und Geborgenheit. All das sieht man in den Gesichtern der alten Damen, gebäugt sind sie, von harten Wintern und der Armut, ein buntes Tuch um den Kopf, einen abgenutzten Rock, kaum was zum Leben. Sie erzählen von ihrem Dorf mit einem zufriedenen Leuchten im faltigen Gesicht. Aylas Oma besitzt auch dieses Leuchten in ihren Augen, wenn sie von ihrem Dorf und der Vergangenheit erzählt. Jetzt lebt sie die meiste Zeit in Deutschland. Sie hat ihre Heimat für ihren Aylas Vater und seine Geschwister verlassen, weil die Familie ihr Glück ist. Aylas Mama lebt in gutem Hause in Deutschland und vermisst sie, ihre eigene Familie in der Türkei, denn auch für sie bedeutet die Familie ihr Glück.

Die Videos zeigen vier Auschnitte aus dem Beitrag „Kaum mehr als nichts“.

www.medienprojekt-wuppertal.de/Flv/v_142.flv
www.medienprojekt-wuppertal.de/Flv/v_141.flv

http://www.medienprojekt-wuppertal.de/3_60.php

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Kommentare

  1. Matthias Leimbach sagt:

    Ganz toller Artikel!! Kommt mir direkt vor, als sei ich dabei gewesen…leider habe ich jetzt das Gefühl, as verpasst zu haben 🙁
    Bitte weiter so!!

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