Kultur
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Buch der Woche: Angelika Zöllners „philosophischer Roman“

06.07.2015 12:18

Elija, ein junger Wuppertaler, hat mit Hängen und Würgen das Germanistikstudium abgeschlossen. Seine schwedisch-deutsche Freundin Anna-Lynn („dieses Lichtkind“, S. 26) verlässt ihn wegen eines 12 Jahre älteren, aber verheirateten Kunstprofessors.

Da beschließt er eine Auszeit und folgt, auf der grübelnden Suche nach Sinnwerten im Leben, der Einladung seines Onkels nach Rom.

Gefesselt, nicht nur von Michelangelos Werken, treibt er sich tags wie nachts im römischen Leben herum. Schließlich folgt er seinem Onkel Tonio, Archäologe am orientalischen Museum in Rom, auf eine Reise nach Rhodos. Dort begegnen ihm allerlei Wirrungen, er findet einen Job und verliebt sich neu, wenn auch nicht dauerhaft (oder sagt man heute: nachhaltig?) und kehrt schließlich, nachdem er sich „durch Krisen, eine heftige Lungenentzündung und durch den herben, rhodischen Winter geschlagen“ hat (S. 505), in die „Schwebebahnstadt“ und zu der mittlerweile schwangeren Ex- Freundin zurück. Zu allerlei Verwicklungen führten zuvor drei Liebesgeschichten.

Im Roman begegnen Elija und seine Leser den Zeugnissen der römischen Antike und den altgriechischen Philosophen Plato und Sokrates, man wird aber auch vertraut mit kulinarischen Gebräuchen wie dem Trinken des „café metrio“ (mit einem Löffel Zucker). Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Ethik beginnt unser Held, sich mit den ursprünglichen Kardinaltugenden nach Plato auseinander zu setzen.Zoellner_-_Wenn_das_Gras_schweigt_Umschlag.indd

Ärgerlich sind die in einigen Kapiteln gehäuft auftretenden Flüchtigkeitsfehler oder im Übermaß verteilten beziehungsweise „verschwundenen“ Kommata oder Akzente. Griechenland-Enthusiasten und Freunde der Autorin werden darüber hinwegsehen. In einem kurzen Nachwort dankt Zöllner dem internationalen Literaturcenter auf und in Rhodos für zwei Arbeitsstipendien, die ihr das Schreiben größerer Passagen des Romans, „Gespräche und manche Recherche im Alltagsleben“ ermöglicht haben.

Zöllner wurde 1948 in Wiesbaden geboren und gehört dem Verband der Schriftsteller an. Die ausgebildete Sozialarbeiterin hat fünf Kinder adoptiert, lebt mit ihrem Mann in Wuppertal und hat vielfältige Beziehungen zu Griechenland. Sie betreibt künstlerische Fotographie und hat sich schon an mehreren Ausstellungen beteiligt.

 

MATTHIAS DOHMEN

 

 

Angelika Zöllner, Wenn das Gras schweigt. Von der Geschichte eines Wahrheitssuchers – Philosophischer Roman, Berlin: Beggerow 2015, ISBN 978-3-936103-40-3, 521 S., Euro 15,90, www.angelika-zoellner.de, www.beggerow-verlag.de.

 

 


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