Leben & Leute
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Auf Löwenjagd

08.05.2015 06:30

Großkatzen, überall Großkatzen: Der BHC, die Wuppertaler Uni, sogar der frühere Wuppertaler Motorrad- und Automobilhersteller Tornax haben das Tier aus dem Stadtwappen zu ihrem Symbol gemacht. Aber warum ein Löwe? talwaerts hat sich auf Spurensuche nach dem „Bergischen Löwen“ begeben.

Der Bergische Löwe2

© talwaerts

„Gab es im Bergischen Land irgendwann wildlebende Löwen?“ Die Frage verwundert die nette Dame vom Zoo zunächst, aber nach ein wenig Herumtelefonieren kann sie Auskunft geben. Ungefähr vor 10.000 Jahren seien die Großkatzen hier ausgestorben. Soweit das erste Ergebnis der Spurensuche. Vielleicht hat damals ein Ur-Barmer oder Proto-Elberfelder den ersten Bergischen Löwen in die Höhlenwände unter der Hardt gekratzt. Aber das ist zunächst einmal höchst spekulativ.

Bei der weiteren Recherche stellt sich dann auch noch heraus, dass die rotgefärbte Großkatze nicht nur auf den Wappen der früheren Städte Barmen, Elberfeld, Cronenberg, Ronsdorf und Beyenburg zu finden ist, sondern sich auch auf die Signets von Düsseldorf, Teile Kölns und zahlreicher anderer Siedlungen geschmuggelt hat. Klar, sagt Dr. Alexander Berner von der Uni Münster, alle diese Orte gehörten früher zur Grafschaft Berg. Der gebürtige Wuppertaler hat über die älteren Grafen von Berg promoviert und erklärt, dass der Löwe ein Import ist. Aus dem Herzogtum Limburg.

Um diese Löwenwanderung zu verstehen, muss man sich die politische Landschaft des 12. Jahrhunderts ansehen, sagt Berner: „Die älteren Grafen von Berg hatten ein Erbproblem. Viele amtierende Grafen oder deren Erben starben auf Kreuzzügen.“

Das spitzt sich 1218 zu. Graf Adolf III. von Berg stirbt in Ägypten und hinterlässt eine Tochter namens Irmgard, aber keinen Sohn. Also fällt die Grafschaft an Adolfs Bruder Engelbert. Der ist aber zugleich Bischof von Köln, kann also keine legitimen Erben zeugen und hat Streit mit der Familie von Heinrich von Limburg, dem Ehemann von Irmgard. Der pragmatische Herzogssohn Heinrich und seine Sippe fassen einen Plan: Onkel Engelbert überfallen und so lange einsperren, bis er nachgibt. Doch etwas läuft schief bei dem Unternehmen. Der Bischof wehrt sich.

1978 untersuchen Gerichtsmedizin seine Gebeine und finden die Spuren von fast 50 Verletzungen durch Hiebe und Stiche unterschiedlicher Waffen. Viele Treffer sind tödlich gewesen. Aber der Tod des Bischofs ist nur ein mittelalterlicher Kollateralschaden. Denn Heinrichs Problem hat sich trotzdem erledigt. Er wird der neue Graf von Berg und der limburgische Löwe wird zum Wappentier.

Im Lauf der Zeit wechselt der Bergische Löwe seine Färbung – zumindest teilweise. Direkt nachdem Heinrich Graf wird, hat der Löwe dieselben Farben wie der Limburgische. Also das Fell in Rot und Krallen, Zunge und Krone in Gelb. Irgendwann werden diese Accessoires blau und der rot-blaue Bergische Löwe ist geboren. Wer genau auf diese farbliche Neukombination kam, ist leider im Nebel der Geschichte verschollen.

Text: Fabian Mauruschat / Foto: Johannes Rothenhagen

Der Artikel ist ein gekürzter Auszug aus der neuen Ausgabe der talwaerts, Wuppertals Wochenzeitung. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe, die immer freitags erscheint. Überall, wo es Zeitschriften gibt und unter www.talwaerts-zeitung.de


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