„Wir haben Gregor Gysi nicht eingeladen, um zu zündeln“

Am 10. September findet der achte Bergische Unternehmerkongress der Wirtschaftsjunioren Wuppertal statt. Klaus von Dohnanyi, Gregor Gysi und IBM-Cheftechnologe Prof. Dr. Gunter Dueck sind die Top-Referenten in der Glashalle der Stadtsparkasse. njuuz begleitet den Kongress als Medienpartner. Lesen Sie im ersten Teil unseres Interviews, was die beiden Kongressdirektoren Philip Schmersal und Jan Vetter vom diesjährigen Kongress erwarten.

Philip Schmersal (34), Leiter des Bereichs Aufzugtechnik beim Wuppertaler Unternehmen K.A. Schmersal GmbH, ist Vorstandsmitglied bei den Wuppertaler Wirtschaftsjunioren. Er organisiert als einer von zwei Kongressdirektoren den Bergischen Unternehmerkongress. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Hobbys sind Autos und Sport.

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Jan Vetter (35), leitet als geschäftsführender Gesellschafter das Druckhaus Ley & Wiegandt. Er ist Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren und Kongressdirektor des Unternehmerkongresses. Auch er befasst sich in seiner Freizeit mit Automobilen, nämlich mit Old- und Youngtimern.

Herr Vetter, Herr Schmersal: Was genau ist der Bergische Unternehmerkongress?

Jan Vetter: Vor allem eine Plattform zum gegenseitigen Kennenlernen und zum „Netzwerken“. Der Bergische Unternehmerkongress soll aber auch Impulse für die Unternehmer geben und zum Nachdenken anregen. Es werden deshalb bewusst auch Referenten eingeladen werden, die polarisieren und zum Diskurs anregen.

Welche Funktion hat der Kongress hier in Wuppertal und für den Standort?

Jan Vetter: Zum einen ist er eine Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren für unsere Mitglieder und unsere Gäste. Wir sehen es aber durchaus als einen sehr positiven Begleiteffekt, wenn namhafte Unternehmer nach Wuppertal kommen und sich mit unserer Stadt beschäftigen. Wir schaffen damit auch einen Mehrwert für unsere Stadt.

Jan Vetter und Philip Schmersal (Foto: Georg Sander)Jan Vetter und Philip Schmersal (Foto: Georg Sander)

Philip Schmersal: Die Medien berichten zwar überregional über unseren Kongress, aber wir sehen die Unternehmer tatsächlich im Mittelpunkt. Aber natürlich ist ein erfolgreicher Kongress auch gut für uns Wirtschaftsjunioren, denn je mehr wir öffentlich in Erscheinung treten, desto mehr können wir auch in Wuppertal bewegen.

Wodurch unterscheidet sich die diesjährige Veranstaltung von früheren?

Philip Schmersal: Wir haben ganz bewusst nur noch drei Referenten eingeladen, in früheren Jahren waren es mehr. Und wir haben die Themen in diesem Jahr eher offen gehalten. Wir konnten uns im Sommer 2009, als die Schwerpunkte bestimmt wurden, noch nicht festlegen, weil die Wirtschaftslage derzeit so unvorhersehbar ist wie nie zuvor.

Gibt es noch Eintrittskarten?

Jan Vetter: Ja, wir liegen zwar schon über dem Stand, den wir im Vorjahr um diese Zeit erreicht hatten, aber noch sind Karten erhältlich. Die Bestellung ist über unsere Homepage möglich: www.bergischer-unternehmerkongress.de.

Wie schon in den Vorjahren haben Sie wieder hochkarätige Referenten eingeladen. Welche Impulse erwarten Sie von den Rednern?

Jan Vetter: Klaus von Dohnanyi haben wir eingeladen, weil er genau wie Helmut Schmidt eine Verlässlichkeit in der Politik verkörpert, die wir in der heutigen Politikergeneration nur noch selten sehen. Das Grundvertrauen in die Politik ist erschüttert. Von Herrn von Dohnanyi erhoffen wir einen Vortrag, der auf seiner jahrzehntelangen Erfahrung als integrer Politiker basiert.

Philip Schmersal: Ich muss sagen, dass ich noch nie so wenig Vertrauen in die Politik hatte wie heute. Das betrifft natürlich die aktuelle Regierung, aber Rot-Grün wäre aus meiner Sicht noch schlechter.

Der Bergische Unternehmerkongress findet jährlich in der Glashalle der Stadtsparkasse statt (Foto BUK 2009: Bettina Osswald)Der Bergische Unternehmerkongress findet jährlich in der Glashalle der Stadtsparkasse statt (Foto BUK 2009: Bettina Osswald)

Worüber wird Prof. Dr. Gunter Dueck, Cheftechnologe von IBM Deutschland sprechen?

Jan Vetter: Ich erwarte von ihm, dass er klare Impulse setzt. Er macht sich als Cheftechnologe heute Gedanken darüber, was die Kunden von IBM in 10 Jahren kaufen wollen und hat deshalb den Blick auf die Wirtschaft und Politik insgesamt. Er beschäftigt sich mit der Frage, was wir tun müssen, damit wir nicht erneut in eine Wirtschafts- und Finanzkrise geraten und ob die Maßnahmen der Regierungen zur Bewältigung der Krise richtig sind.

Philip Schmersal: Prof. Dueck ist auch Philosoph und wird die Krise daher aus einer ganz anderen Perspektive sehen als andere Analysten. Wir wissen außerdem, dass er sein sehr packender Redner ist und die Zuschauer fesseln wird.

Jan Vetter: Er wird stark darauf eingehen, welche Chancen Deutschland in der Welt hat. Er setzt auf Wissen und auf Qualifikation. In diesem Bereich müssen wir viel mehr machen und uns viel mehr auf Bildung setzen. Er wird sicher auch politisch werden und einen interessanten Gegenpart zu Gysi setzen.

Umstrittener Redner: Gregor Gysi (Foto: bundestag.de)Umstrittener Redner: Gregor Gysi (Foto: bundestag.de)

Gregor Gysi, Frontmann der Linkspartei ist ihr dritter und umstrittenster Redner. Warum haben Sie ihn eingeladen?

Jan Vetter: Gysi haben wir eingeladen, weil die Linke immer mehr Wähler findet. Sie sitzen in immer mehr Stadträten und Landtagen. Wir wollen von ihm eine Antwort darauf, wie freies Unternehmertum und die Ideen der Linkspartei zusammen passen sollen.

Philip Schmersal: Gysi will Monopolisten vergesellschaften. Uns interessiert aber vor allem, wie er mit dem Mittelstand umgehen würde. Es bleibt auch zu klären, wie das Kapital im Land gehalten werden soll, wenn er in Deutschland tatsächlich die Unternehmenssteuern massiv erhöhen will.

Jan Vetter: Wir sind sehr gespannt, ob Gysi uns als Unternehmern die Angst vor den Linken nehmen kann.

Philip Schmersal: Gysi wird als Gesprächspartner wahrgenommen, mit dem man reden kann. Er unterscheidet sich damit von anderen Vertretern der Linken.

Haben Sie ein bisschen mit der Aufregung gerechnet, die seine Einladung bei einigen ausgelöst hat?

Jan Vetter: Nein.

Philip Schmersal: Ich schon. Aber natürlich nicht in dieser Heftigkeit.

Jan Vetter: Wir haben ihn aber nicht eingeladen, um zu zündeln. Der Bergische Unternehmerkongress ist bereits zu erfolgreich, um solche Maßnahmen nötig zu haben.

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Im zweiten Teil unseres Interviews: Philip Schmersal und Jan Vetter über die Fragen, welche Reaktionen die Einladung Gregor Gysis ausgelöst hat und wie die Wirtschaftsjunioren Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung beurteilen

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Die Fragen stellte Georg Sander.

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