01.09.2010

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„Die Wirtschaftsförderung erleben wir als sehr engagiert und erfolgreich“

Am 10. September findet der achte Bergische Unternehmerkongress der Wirtschaftsjunioren Wuppertal statt. njuuz begleitet den Kongress als Medienpartner. Im zweiten Teil unseres Interviews berichten Philip Schmersal und Jan Vetter, welche Reaktionen die Einladung von Gregor Gysi ausgelöst hat und wie sie die Arbeit von Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung beurteilen.

Herr Schmersal, Herr Vetter, die Einladung von Gregor Gysi hat nicht nur in der Lokalpolitik hohe Wellen geschlagen, sondern auch in der Wuppertaler Medienlandschaft.

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Jan Vetter: Wir finden es bedauerlich, dass die Westdeutsche Zeitung deswegen auf die Medienpartnerschaft für den Bergischen Unternehmerkongress verzichtet hat.

Ist versucht worden, Druck auf Sie auszuüben, um Gysi wieder auszuladen?

Philip Schmersal: Ganz im Gegenteil. Sowohl die Sparkasse als Gastgeber hat sich hinter uns gestellt als auch die IHK. Auch hat kein Sponsor sein Engagement in Frage gestellt.

Jan Vetter: Viele Sponsoren haben es sogar begrüßt, dass Herr Gysi eingeladen wurde.

"Die Sparkasse hat sich hinter uns gestellt" (Foto Sparkassen-Vorsitzender Peter Vaupel: Bettina Osswald 2009)"Die Sparkasse hat sich hinter uns gestellt." Das Bild zeigt den Sparkassen-Vorsitzenden Peter Vaupel beim Kongress 2009 (Foto: Bettina Osswald)

Kommen wir zurück ins Bergische. Sie vertreten die Wirtschaftsjunioren in Wuppertal, haben Ihrem Kongress aber das Adjektiv „bergisch“ vorangestellt. Warum sind die Junioren aus Remscheid und Solingen nicht mit im Boot.

Philip Schmersal: Früher war es tatsächlich eine Gemeinschaftsveranstaltung der Wirtschaftsjunioren aus Wuppertal und Solingen. Die Solinger sind dann aus organisatorischen Gründen ausgestiegen. Wir haben aber weiterhin einen sehr guten Kontakt zu den Junioren dort.

Thema Ihres Kongresses sind regelmäßig widerkehrende Krisen in der Wirtschaft. Bei den Kommunalhaushalten hat man den Eindruck, dass die Krise längst zum Dauerzustand geworden ist und sich von Jahr zu Jahr rasant verschärft. Welche Auswirkungen hat das auf den Wirtschaftsraum im Bergischen Städtedreieck?

Philip Schmersal: Sehen Sie sich nur an, dass in Wuppertal Kindergartengebühren fällig wären, in Düsseldorf aber nicht. Diese und andere Mehrbelastungen für Familien machen die höhere Miete in Düsseldorf inzwischen fast schon wett.

Jan Vetter: Aus dieser Krise kommen die Städte kaum mehr heraus. Wir zahlen zum Beispiel immer noch in den Aufbau Ost. Viele weitere Entscheidungen werden in Düsseldorf und Berlin zu Lasten Wuppertals getroffen. Und man muss sich nur umsehen: die Stadt leidet darunter.

Philip Schmersal: Ich sehe die Gefahr, dass durch das Haushaltssicherungskonzept viel in Wuppertal kaputtgespart wird. Dabei reicht das Sparpaket noch nicht einmal aus, um die Zinslasten zu kompensieren. Ich sehe die Sinnhaftigkeit des Sparpaketes nicht.

Welche politischen Forderungen stellen die Wirtschaftsjunioren, um die Lage zu verbessern?

Jan Vetter: Wir sind ganz klar gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer, dadurch wird der Standort geschwächt. Wir wünschen uns stattdessen, dass die Stadt eine spürbare Entlastung im Bereich der von Bund und Land oktroyierten Ausgaben erfährt und dadurch wieder Luft zum Atmen bekommt. Es muss aufhören, dass Bundes- und Landeshaushalte zu Lasten der Kommunen saniert werden.

Jan Vetter und Philip Schmersal (Foto: Georg Sander)Jan Vetter und Philip Schmersal (Foto: Georg Sander)

Wie ist Ihr Verhältnis zur Stadtverwaltung?

Philip Schmersal: Wenn man aus der Privatwirtschaft kommt, ist es schwer verständlich, wie eine öffentliche Verwaltung arbeitet. Deshalb verbringe ich demnächst im Rahmen unseres Projekts ‚Know-How-Transfer’ einen Tag im Verkehrsressort.

Jan Vetter: An diesem Know-How-Transfer nehmen zehn bis zwölf Wirtschaftsjunioren teil. Wir wollen die Abläufe der Verwaltung kennen lernen und erhoffen natürlich, dass wir auch Impulse in die Verwaltung geben können..

Was tun die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Jung, um die örtlichen Unternehmen zu stärken?

Jan Vetter: Jung hat für die Unternehmer und Bürger immer ein offenes Ohr. Er hilft wo er kann und setzt sich intensiv für die Belange der Bürger und der lokalen Wirtschaft ein. Auch die Wirtschaftsförderung erleben wir als sehr engagiert und erfolgreich. Als Unternehmen haben wir das Gefühl, dass wir immer Hilfe bekommen.

Philip Schmersal: Stimmt, Dr. Volmerig [Leiter der Wirtschaftsförderung] fragt immer, wo er helfen kann.

Jan Vetter: Es wurde in Wuppertal sehr viel unternommen, damit Unternehmen sich hier ansiedeln bzw. hier bleiben. Viele Unternehmen wurden nachweislich nach Wuppertal geholt. Leider wird über diesen positiven Aspekt zu wenig gesprochen und zu selten in den Medien darüber berichtet.

Philip Schmersal: Wir haben jedenfalls nie erlebt, dass die Stadt den Unternehmern das Leben schwer macht oder ihnen Knüppel zwischen die Beine wirft.

"Rolf Volmerig fragt immer, wo er helfen kann" (Foto: Wirtschaftsförderung)"Rolf Volmerig fragt immer, wo er helfen kann" (Foto: Wirtschaftsförderung)

Wie sehen Sie die Rolle der Wuppertaler Unternehmer in und für ihre Stadt?

Philip Schmersal: Die Sponsoringbereitschaft der Wuppertaler Unternehmen für kulturelle und soziale Zwecke ist enorm hoch. Ich glaube, dass die Stadt in dieser Beziehung einzigartig ist.

Jan Vetter: Unternehmer und Bürger machen viel und engagieren sich. Nehmen Sie mal den Langen Tisch oder den NRW-Tag. Viele nehmen das als selbstverständlich hin, aber in anderen Städten finden Sie solche Angebote und diese enorm hohe Sponsoring-Bereitschaft der Wirtschaft nicht.

Was sind die nächsten Pläne der Wirtschaftsjunioren?

Jan Vetter: Mittelfristig möchten wir unser Profil als Sprachrohr der bergischen Wirtschaft und des Mittelstands schärfen sowie den Austausch mit der Stadtverwaltung intensivieren. Im Bereich Bildung arbeiten wir sehr intensiv mit Wuppertaler Schulen und Bildungseinrichtungen zusammen, dies möchten wir noch weiter ausbauen.

Mit Veranstaltungen wie dem Bergischen Unternehmerkongress, spannenden Podiumsdiskussionen und Unternehmerabenden werden wir den Unternehmern unserer Stadt weiterhin eine ideale Plattform zum Austausch bieten und Impulse setzen.

Aktuell bereiten wir den 4. Bergischen Unternehmerabend vor, dort werden wir zum Thema „Krankenversicherung im Vergleich / Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland?“ mit Birgit Fischer, der Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, und Dr. h. c. Josef Beutelmann, Vorsitzender der Barmenia, eine spannende Podiumsdiskussion bieten.

Und im Jahr 2013 möchten wir die Landeskonferenz der Wirtschaftsjunioren nach Wuppertal holen. Derzeit bewerben wir uns um deren Ausrichtung, die Entscheidung der Jury fällt bereits diesen November. Die Chancen für uns stehen nicht schlecht und eine Landeskonferenz mit über 400 Wirtschaftsjunioren aus ganz NRW wäre auch für unsere Stadt eine schöne Sache.

>> Zum ersten Teil des Interviews

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Die Fragen stellte Georg Sander

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Kommentare

  1. Aydin sagt:

    Kann man da Inverstoren kennen lernen ?!

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