02.02.2026Uli Schmidt
P&R Vohwinkel zwischen Baustelle, BUGA und Nachhaltigkeitsversprechen
Im Zuge der Generalsanierung der Bahn sind derzeit auch in Wuppertal mehrere Park-and-Ride-Parkplätze von Baumaßnahmen betroffen. Teilweise werden diese Flächen als Lagerplätze für Baumaschinen und Baumaterial genutzt. Zu den betroffenen Anlagen gehört auch der P&R-Parkplatz in Vohwinkel, der für Pendler*innen aus dem Westen Wuppertals und dem Umland eine wichtige Rolle spielt.
Aktuell gibt es allerdings Überlegungen, zumindest einen Teil der Baustellenlogistik auf das alte Lokschuppenareal auf der gegenüberliegenden Gleisseite zu verlagern. Diese Fläche würde sich dafür nahezu ideal eignen. Wäre die längst überfällige Sanierung der Bahn bereits vor vielen Jahren erfolgt, hätte Baumaterial sogar direkt per Schiene dorthin transportiert werden können. Das hätte den Druck auf den P&R-Parkplatz deutlich reduziert.
Gerade in Phasen, in denen der Bahnverkehr ganz oder teilweise eingeschränkt ist, bleibt häufig zumindest ein Schienenersatz- oder Restverkehr bestehen. Viele Pendlerinnen nutzen dann weiterhin Park-and-Ride-Angebote, um zumindest einen Teil ihrer Strecke mit dem ÖPNV zurückzulegen. Das entlastet nicht nur die Autobahnen, sondern auch das innerstädtische Straßennetz. Der P&R-Platz in Vohwinkel wird darüber hinaus nicht nur von Pendlerinnen, sondern auch von Anwohner*innen aus Vohwinkel und dem Umland stark frequentiert.
Grundsätzlich sind temporäre Sperrungen für Baustellen nachvollziehbar. Der Blick muss jedoch weiter gehen – insbesondere mit Blick auf die geplante Bundesgartenschau 2031 in Wuppertal.
BUGA 2031 und das Lokschuppenareal
Für die BUGA 2031 ist auch das Lokschuppenareal in Vohwinkel als Fläche vorgesehen. Während auf einem Teil des Areals bereits eine neue Wohnbebauung geplant ist, soll ein anderer Teil temporär als BUGA-Gelände genutzt werden. Ursprünglich war hierfür eine Tunnelverbindung vom Bahnhof Vohwinkel vorgesehen – kein dunkler Angstraum, sondern ein barrierefreier, hochwertiger Zugang sowohl zu den zukünftigen Wohnquartieren als auch zum BUGA-Gelände.
Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie wurde diese Tunnelvariante jedoch überraschend verworfen, offenbar aus Sorge, sie könne nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Stattdessen soll nun eine Fuß- und Radfahrerbrücke vom Lokschuppenareal entstehen – ein Konzept, das bereits früher als „Plan A“ diskutiert worden war. Ob diese Lösung tatsächlich funktioniert und rechtzeitig umgesetzt wird, bleibt offen.
Auswirkungen auf den P&R-Parkplatz und die Nordbahntrasse
Aus den Ergebnissen des freiraumplanerischen Wettbewerbs zur BUGA geht bereits hervor, dass der Eingangsbereich räumlich festgelegt ist: Er soll vom Lokschuppenareal bis an das Ende des heutigen P&R-Parkplatzes reichen. Ein Blick in die Wettbewerbspläne zeigt, dass dies erhebliche Auswirkungen auf den Parkplatz selbst, aber auch auf die Verknüpfung mit der Nordbahntrasse haben dürfte, die bekanntermaßen über den Homanndamm und direkt über den P&R-Platz geführt wird.
Geplant sind dort unter anderem Kassen- und Eingangsbereiche, Fahrradabstellanlagen, Wartezonen für Bollerwagen mit Sitzflächen sowie offenbar auch Flächen für Shuttlebusse. Realistisch betrachtet könnten damit im Jahr 2031 mindestens 30 Prozent, möglicherweise sogar bis zu 50 Prozent der heutigen Stellplätze zumindest temporär für mehr als 180Tage wegfallen.
Auffällig ist zudem, dass der Nutzungskonflikt zwischen der stark frequentierten Nordbahntrasse und dem BUGA-Eingangsbereich in den Plänen kaum berücksichtigt scheint. Das ist problematisch – nicht nur aus verkehrlicher Sicht, sondern auch im Hinblick auf Sicherheit und Aufenthaltsqualität.
Widerspruch zum Nachhaltigkeitsanspruch
Aus Sicht der Nachhaltigkeit wirft diese Planung erhebliche Fragen auf. Pendlerinnen, die hoffentlich auch künftig zumindest einen Teil ihrer Strecke mit dem ÖPNV zurücklegen möchten, würden weniger Park-and-Ride-Plätze vorfinden. Gleichzeitig verlieren auch die bisherigen Nutzerinnen aus dem Stadtteil und dem Umland Stellflächen. Die Folge dürfte ein deutlicher Anstieg des Parkplatzsuchverkehrs sein.
Hinzu kommt der zusätzliche Verkehr durch BUGA-Besucherinnen. Ein großer Teil von ihnen wird realistischerweise nicht ausschließlich mit Umweltverbünden anreisen. Auf dem Papier mögen die Planungen attraktiv wirken – in der Praxis drohen jedoch spürbare negative Auswirkungen auf den Alltag vieler Wuppertalerinnen.
Mehr kritische Debatte nötig
Die Ergebnisse des freiraumplanerischen Wettbewerbs sollten daher nicht nur bejubelt werden, weil einzelne Elemente wie Info- oder Wartehäuschen – sogenannte „Circular Labs“ – Begeisterung auslösen. Viel spannender und notwendiger wäre eine offene Diskussion darüber, welche Rahmenbedingungen und Zielvorgaben dem Wettbewerb überhaupt zugrunde lagen.
Gerade mit Blick auf die selbst gesetzten Nachhaltigkeitsziele der BUGA 2031 braucht es eine ehrliche Auseinandersetzung mit den verkehrlichen Konsequenzen – insbesondere in einem sensiblen Knotenpunkt wie Vohwinkel.
Quellen: ©relais_BUGA_B1.jpg (2500×3436)
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