Wir brauchen eine neue Friedensbewegung!

Der Trend geht hin zu Hass und Gewalt – vom zwischenmenschlichen bis zum internationalen Bereich. Polarisierung und rücksichtslose Ausübung von Gewalt ersetzen Ideen wie soziale Gerechtigkeit und Weltbürgertum. Darunter leidet unser Wohlbefinden. Dagegen wappnende Einstellungen sollten wir fördern.

Am Neujahrsabend wies in der Sonnborner Kirche St- Remigius der Pfarrer darauf hin, dass das hebräische Wort „Schalom“ nicht nur Friede im Sinne von „Abwesenheit von Krieg“ bedeutet, sondern so etwas Allgemeines wie „Wohlbefinden“. Ähnlich ist es auch mit dem arabischen Wort „Salam“. Und von dem norwegischen Friedensforscher Johann Galtung stammt der Begriff des „positiven Friedens“. Bei Wikipedia steht darüber: „Gemeint ist damit ein Frieden, der nicht allein in der Abwesenheit von internationaler Gewaltausübung besteht, sondern in der Abwesenheit von personaler Gewalt und struktureller Gewalt in allen Gesellschaftsbereichen“ Ferner steht bei Wikipedia: „Das Konzept war auch bereits in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bekannt. Martin Luther King sagte einmal: ‚Wahrer Friede ist nicht die bloße Abwesenheit von Spannung; es ist die Gegenwart von Gerechtigkeit.‘“
Erreichbar ist ein solcher Friede wohl nur auf der Grundlage einer geeigneten Einstellung, der Friedfertigkeit. In dieser Richtung gingen Immanuel Kants Ideen in seinem Alterswerk „Zum ewigen Frieden“. Bei Wikipedia steht darüber: „Für Kant ist Frieden kein natürlicher Zustand zwischen Menschen, er muss deshalb gestiftet und abgesichert werden. Die Gewährung des Friedens erklärt Kant zur Sache der Politik, die andere Interessen dabei der kosmopolitischen Idee eines allgemeingültigen Rechtssystems unterzuordnen habe; denn so heißt es im Anhang: ‚Das Recht der Menschen muss heilig gehalten werden, der herrschenden Gewalt mag es auch noch so große Aufopferung kosten.‘“
Kosmopolitische Ideen hatten nach dem Ersten Weltkrieg Konjunktur. Da wurde unter europäischer Führung der Völkerbund gegründet. Es gelang ihm aber nicht, den Krieg zu verhindern, auf den Adolf Hitler hinsteuerte. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde – zunächst parallel zum Völkerbund – die UNO unter Führung der USA gegründet. Wie es scheint, steuert jetzt Donald Trump auf einen Krieg zu, der vielleicht nicht zu verhindern ist. Die USA ziehen sich aus ihrem Engagement zum Wohle der Menschheit im Rahmen der UNO zurück, behalten aber die Macht, die sie als Mitglied des Sicherheitsrats der UNO haben.
Der Sicherheitsrat besteht aus 15 Mitgliedern, von denen 10 gewählt werden und fünf einen ständigen Sitz haben: China, Russland und USA sowie Frankreich und das Vereinigte Königreich. Diese fünf haben bei Beschlüssen ein erweitertes Vetorecht. Das hat zur Folge, dass in vielen Problemlagen der Sicherheitsrat handlungsunfähig ist, weil er durch ein Veto oder die Drohung damit blockiert wird.
Die UNO hat zwar keine eigenen Truppen, aber es können aufgrund eine Beschlusses Soldaten aus den Mitgliedsstaaten der UNO als „Blauhelme“ in Krisengebiete entsandt werden, um die Krise zu entschärfen. In den letzten Jahrzehnten wurde aber diese Art der Krisenbehandlung insbesondere durch die Politik der USA unterlaufen. Sie griffen eigenmächtig ein, wo sie ihre Interessen durchsetzen wollten. Und die Bundesrepublik, die eigentlich ein „Verteidigungsministerium“ hat, beteiligte sich an einigen dieser Einsätze. So kam es u.a., dass Bundeswehrsoldaten die Bundesrepublik „am Hindukusch verteidigten“. Es werden keine erklärten Kriege mehr geführt, sondern „Spezial Aktionen“ durchgeführt, z.B. die Bombardierung der iranischen Atomanlagen oder der Angriff auf die Ukraine. Fragwürdige Aktionen des Staats Israel, die an Völkermord und Rassismus erinnern, werden geduldet oder lediglich außerhalb des Sicherheitsrats verurteilt.
Die mit Vetorecht privilegierten Staaten sind alle Atommächte, aber drei davon sind Supermächte: China, Russland und USA. Die ersten zwei bedrohen die wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung der USA. Und die USA haben jetzt ihre Bündnistreue gegenüber den europäische NATO-Staaten in Frage gestellt. Damit erwecken sie den Eindruck, dass das ein Druckmittel zur Durchsetzung ihrer monströsen Zollpolitik sein soll. Und wie es scheint, kungeln die Präsidenten der USA und Russlands zu Lasten der Ukraine und der Europäischen Union. Donald Trump möchte trotzdem eigentlich gerne den Friedensnobelreis bekommen. Ob er den wirklich noch bekommen kann, nachdem er jetzt auch mit militärischen Aggressionen gegen Venezuela und in Nigeria begonnen hat? Und wie es scheint, befürwortet Trump jetzt militärische Aktionen des bis an die Zähne bewaffneten Staats Israel gegen den Iran, wenn er nicht damit aufhört, Raketen zu bauen. Andererseits ist die Bewaffnung Israels ein Teil des US-amerikanischen Drohpotentials im Nahen Osten. Auf dessen Grundlage kann ein diktierter Friede durchgesetzt werden, der einseitig Israel und die USA begünstigt. Aber eine alte Weisheit sagt: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“
Was wirklich gebraucht würde, ist eine Gesinnungsänderung – hin zu Friedfertigkeit, einem „positiven Frieden“. In diese Richtung war im Jahr 2023 die Migrantenorganisation Dunua e.V. aktiv: mit ihrem Friedensfest auf der Nachbarschaftsetage des BOB-Campus in Oberbarmen. Der Friedensaktivist Andreu Ginestet schrieb darüber im Internet: „Jappoo e.V. und Dunia e.V. organisieren gemeinsam mit Künstlern u.a. aus der Ukraine, aus Syrien, dem Senegal, Guinea, Togo, Kongo, Irak und Wuppertal ein Festwochenende für den Frieden vom 10. bis 18. November 2023.“
Ferner:
„Unser Friedensbekenntnis:
Frieden ist nicht nur ein Wort, sondern eine Sehnsucht, die in unseren Herzen brennt. Darum ist Frieden das, wonach die Welt heute mehr denn je strebt. Wir verstehen Frieden nicht nur als das Fehlen von Kriegen, sondern auch als das Vorhandensein von Toleranz, Mitgefühl und Respekt für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer Kultur.
Unser Friedensfest ist ein Bekenntnis zu diesen Werten. Wir glauben, dass Frieden durch Bildung, Dialog und kulturellen Austausch gefördert wird. Unser Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der Menschen aus verschiedenen Ländern und Hintergründen zusammenkommen können, um sich kennenzulernen, voneinander zu lernen und gemeinsam für eine bessere Welt einzutreten.“
Daran könnte eine neue Friedensbewegung anknüpfen.
P.S. Nach dem Korrekturlesen habe ich von der US-amerikanischen Invasion in Venezuela erfahren. Es ist höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

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