29.01.2023Gedenkbuch Wuppertal
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer 1933 und die Chronologie 1933
Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.
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Pressemitteilung zur Veranstaltungsreihe 1933 Niemals vergessen!
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer
Über die Opfer des Terrors 1933 in Deutschland gibt es trotz jahrzehntelanger NS-Forschung bis heute nur ungefähre Schätzungen. Neuere Arbeiten gehen von 500 bis 1.000 Toten aus. In Wuppertal kennen wir zwar jetzt die Anzahl der Ermordeten und auch ihre Namen, aber über viele existieren bisher nur bruchstückhafte Informationen, die wie ein Mosaik zusammengesetzt werden müssen.
Die Verfolgten-Organisation VVN ging 1947 von bis zu 30 Toten aus, konnte aber in ihrer „Ehrenliste der Toten des Wuppertaler Widerstandes“ damals nur 14 Opfer namentlich benennen.
Die ältere Forschung seit 2004 basierte im Wesentlichen auf der Datenbank „Politisch Verfolgte des Nationalsozialismus“, die von 2001 bis 2004 im Rahmen des von Prof. Heinz Sünker und Dr. Dieter Nelles geleiteten Forschungsprojekts – Die „Kinder des Widerstands“. Lebensbedingungen und Sozialisation der Kinder von politisch und religiös Verfolgten des NS-Regimes – an der Bergischen Universität Wuppertal erarbeitet wurde — online: http://www.ns-verfolgung.uni-wuppertal.de/ David Mintert konnte 2007 u.a. auf dieser Datenbasis eine erweiterte Auflistung von 17 Getöteten vorlegen.1
Ausgehend von der genannten Datenbank und Minterts Recherchen haben wir 2022 zur Vorbereitung unseres Ausstellungsprojektes die schon bekannten Opfernamen und Sterbedaten nochmal intensiv kontrolliert. Dabei fiel uns auf, dass viele Informationen aus den Wiedergutmachungsakten den Angaben in den Sterbeurkunden und regionalen Tageszeitungen widersprechen.
Wir haben daher die Sterbeurkunden und die Wiedergutmachungsakten im Wuppertaler Stadtarchiv noch einmal überprüft. Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem konnten wir zudem die Bestände des Ministerium des Innern GStA PK, I. HA Rep. 77 auswerten und stießen bei der Recherche auf weitere Opfernamen. Wir haben sogar einzelne Obduktionsfotos finden können. Schließlich haben wir die Tageszeitungen aus dem Bergischen Land nach Polizeimeldungen und Artikeln untersucht. Zentral war auch die Auswertung der Nachkriegsprozesse gegen lokale SA- und SS-Täter, die im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland in Duisburg liegen.
Aus diesen Recherchen ergibt sich eine neue Opferliste mit 20 Namen, auch mit korrigierten Sterbedaten, die wir gerne mit der historisch interessierten Öffentlichkeit teilen möchten. .
Das erste Opfer der Nationalsozialisten war nach unseren neuen Recherchen Oswald Laufer. Er wurde am 7. März 1933 gegen 18:10 Uhr von SA-Männern beschossen und verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus. Das zweite Opfer war Heinrich Born. Er wurde ausweislich seiner Sterbeurkunde am 8. März 1933 vormittags tot auf einer Wiese am Otto-Hausmann-Ring aufgefunden, er war nach Zeugenaussagen zuletzt am 7. März um 21:00 Uhr noch lebend gesehen worden.
Aus den Recherchen ergab sich auch, dass politische Gegner schon vor dem 7. März 1933 von Nazis schwer verletzt wurden, aber erst später starben. So wurde Friedrich Stracke schon im Februar 1933 angeschossen (ein genaues Datum ist nicht bekannt), verstarb aber erst am 7. Mai 1933. Paul Reuber wurde am 2. März 1933 angeschossen und starb am 18. März 1933 im Krankenhaus.
Mindestens 7 weitere Antifaschisten wurden 1933 von den Nazis angeschossen, aber überlebten. Namentlich bekannt sind: Josef Leßmann (Katholik), Wilhelm Gröb (KPD), Werner Pommerenke (KPD), Heinrich Bender (Reichsbanner), Ewald Fecker (KPD), Friedrich Schmidt (SPD), Gustav Waselowski.
1 Vgl. David Magnus Mintert: Das frühe Konzentrationslager Kemna und das sozialistische Milieu im Bergischen Land, Bochum 2007, S. 111.
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer
(Forschungsstand vom 5.2.2024)
7.3.1933 Oswald Laufer (8.4.1905 in Elberfeld), Jude, SPD/Reichsbanner, Wilhelmstraße 45, Kaufmann, Er wurde am 7.3.1933 um 18:15 Uhr von SA-Männern in der Wilhelmstraße angeschossen und im Krankenhaus St. Josef gestorben (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 523)
8.3.1933 Friedrich Born (1.2.1901 in Elberfeld), RFB/KPD, Bauarbeiter, Simonsstr. 69. Er wurde am 8.3.1933 tot auf einer Wiese am Otto-Hausmann-Ring aufgefunden. Born wurde am 7.3.1933 um 21:00 Uhr zuletzt lebend gesehen. (StAW, AfW Nr. 77787; StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 525)
9.3.1933 Karl Altenloh (14.2.1903), Transportarbeitergewerkschaft, Kutscher, Heckinghausenerstr. 213. Er wurde am 8.3.1933 an der unteren Werléstr von zwei unbekannten SS-Leuten mit einer Pistole in den Kopf geschossen Er starb am 9.3.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Barmen Nr. 550) (StAW, AfW Nr. 77399.)
18.3.1933 Paul Reuber (13.7.1898), KPD, Bauarbeiter, Baumstr. 12. Am 2.3.1933 wurde Paul Reuber an der Neviandtstraße vom SA-Mann Fritz Faulenbach angeschossen. Er starb am 18.3.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 573)
30.3.1933 Margarete Quint (28.10.1910 in Abtei Landkreis Trier), Leimbacherstr. 42. Sie war ein Zufallsopfer. Sie wurde am 29.3.1933 an der Bruderstraße (heute vorderer Teil der Bogenstraße) von SS-Männern, die bei einer Hausdurchsuchung bei kommunistischen Aktivisten scharf schossen, durch einen Querschläger schwerverletzt. Sie starb am 30.3.1933 im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 77, Tit.4043 Nr. 127, Bl. 421; StaW, Sterbeurkunde Barmen Nr. 666)
2.4.1933 August Klein (24.3.1872 in Barmen), KPD, Mitglied der ehemaligen RFB-Kapelle, Arbeiter, Wiesenstr. 69 in Langerfeld, Klein wurde am 1.4.1933 um 0:45 Uhr in der Höfenstr. 27 von einem SA-Mann angeschossen. Er erlitt einen Bauchschuss und starb am 2.4.1933 im Barmer Krankenhaus. (Todesbescheinigung, LAV NRW R, Gerichte Rep. 29 Nr. 24, Bl. 9c.)
5.4.1933 Wilhelm Brüninghaus (47), Kaufmann, Karlstraße, wird von den SA-Leuten Benno Gottschalk und Ernst Pira im Wäldchen an der Bremerstrasse erschossen. Er wurde um 23:15 Uhr mit einen schweren Schussverletzung aufgefunden. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. (Freiheit vom 13. Juli 1948; GA vom 7.4.1933)
7.5.1933 Friedrich Stracke (3.1.1878 in Emmerich), KPD, Gärtner, Freilingrathstr 21. Er wurde am 2.3.1933 von Nationalsozialisten angeschossen (Bauchschuss) Er starb am 7.5.1933 (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 838; 4.3.1933 BZ (Barmer Zeitung).
16.5.1933 Alfred Meyer (24.3.1898 in Würzburg), Zahnarzt, Helmutstr. 32. Alfred Meyer wurde am 16.5.1933 um 15:00 Uhr von 4 SA-Männern aus einer Wohnung in Düsseldorf entführt, ermordet und in der Bever-Talsperre versenkt. Seine Leiche wurde am 17.5.1933 entdeckt. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53389)
25.6.1933 Werner Dreyer (2.6.1907 in Elberfeld), SPD/Reichsbanner, Former, Neue Friedrichstr. 55, Er wurde am 15.6 von SA-Leuten an der Ecke Ludwigstraße und Georgstraße angeschossen. Er wurde um 23:45 Uhr an der Kreuzkirche in der Ludwigstraße gefunden. Dreyer starb am 25.6.1933 im Krankenhaus St. Josef. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1072; GA vom 16.6.1933)
25.6.1933 Erwin Kraehkamp (18.10.1906 in Elberfeld), KJVD, Bauarbeiter Paradestraße 74. Er wurde am 24.6.1933 um 4:00 Uhr von SA-Leuten am Hombüchel/Höhe ehemaliges Volkshaus angeschossen, er starb am 25.6.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1103)
26.6.1933 Hans Goersmeier (11.7.1905 in Elberfeld), KPD, Kutscher, Notwohnung Am Giebel 17. Er wurde von SA-Männern und Polizei um 2:30 Uhr aus seiner Wohnung geholt und verschleppt. Am 26.6.1933 wurde er in einem schmutzigen Tümpel in der Beek in Elberfeld tot aufgefunden. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1088)
26.6.1933 Wolfram Custin (16.10.1913 in Elberfeld), SPD/Reichsbanner, Simonsstraße 79. Frühmorgens auf der Flucht vor der SA vom Dach gestürzt und gestorben. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1091)
27.6.1933 Fritz Dähler (29.6.1909) wurde am 27. Juni 1933 um etwa 4:00 Uhr morgens von einen SA-Mann und einem Schutzpolizisten aus der Wohnung in der Wirkerstr. 26 geholt. Unten warteten zwei Autos mit 6-7 SA-Leuten. Fritz Dählers Leiche wurde am 28.6.1933 mit zwei Schussverletzungen 15 m von der Nordratherstraße (Nordrath 9)i n einem Wäldchen nahe des Deilbachstals aufgefunden. (Wiedergutmachungsakte Abraham Dähler, StAW AfW, W-11158; Wiedergutmachungsakte Erwin Dähler StAW AfW, W-11159; LAV NRW R, Gerichte, Rep. 5/834)
29.6.1933 Andreas Milfried (24.11.1896 in Vohwinkel), KPD, Bauarbeiter, Siegersbusch 153. Er wurde in der Nacht zum 29.6.1933 von einem Trupp SA-Männer verhaftet. Am 29.6.1933 frühmorgens fand man ihn u.a. durch Kopfschüsse getötet im Neandertal bei Erkrath. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 5340)
29.6.1933 Friedrich Merseburg (1.3.1902 in Aken, Kreis Calbe), KPD, Kampfbund gegen den Faschismus, Heizer, Mainstr. 25. Er wurde am 28.6.1933 von SA aus seiner Wohnung geholt und in der Nähe von „Gut Steinberg“ angeschossen. Er schleppte sich noch in die Hofschaft Wiesenhaus 1 und wurde dort um 4 Uhr Morgens auf einer Treppe schwerverletzt aufgefunden. Er starb am 29.6. im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53399; StAW, AfW Nr. 12372.)
30.6.1933 Friedrich Strunk (12.8.1900 in Barmen), Bandwirker und Tuchmacher, Notwohnung Clausenhof 42, Strunk wurde am 30.6.1933 um kurz nach 0:10 Uhr morgens von acht SA-Männern aus seiner Wohnung herausgeholt und unter der Clausenbrücke mit Schüssen schwerverletzt. Er wurde in der Höhe der Clausenstr. 47 gefunden und starb im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53402)
30.6.1933 Johann Paul Ellerhold (16.9.1903 in Düsseldorf), KPD, Kampfbund gegen den Faschismus, Düsseldorf-Gerresheim Steinweg 10. Der Düsseldorfer wurde am 30. Juni 1933 in Düsseldorf verhaftet und war seitdem verschwunden. Am 3.7.1933 wurde morgens an der Ronsdorfer Talsperre eine Holzkiste mit seiner Leiche angeschwemmt. Laut Obduktionsgutachten lag seine Leiche schon 2-3 Tage im Wasser. Seinen Körper hatten die offensichtlich ortskundigen Mörder in eine Holzkiste gezwängt und in die Ronsdorfer Talsperre geworfen, wo sie am 3.7.1933 in der Nähe der Staumauer entdeckt wurde. Eine sichere Todesursache hat die Leichenöffnung nicht ergeben. „Einige Anzeichen sprechen für einen Erstickungstod.“ (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53399; StAW, AfW Nr. 53405)
5.7.1933 Julius Henning (12.1.1898 in Elberfeld), KPD, Bauarbeiter, Exerzier-Platz 46 a. Von SA-Männern auf der Deweerthstraße angeschossen und auf dem Transport ins Krankenhaus verstorben. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1139)
26.7.1933 Max Kramer (24.9.1898 in Döbritschen), KPD, Steinbrecher aus Gruiten, Fliederstr. 3. In der Nacht zum 26.7.1933 um ein Uhr drangen SA-Männer und andere Nationalsozialisten in seine Wohnung ein und entführten ihn. Er wurde bereits um 2:00 Uhr morgens in der Beek in Elberfeld tot aufgefunden. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53407)
Wuppertaler Chronologie 1933
1.1.1933 0:30 Uhr Nazis greifen Reichsbanner-Mann am „Braunen Haus“ an der Loher Straße /Allee an. (Freie Presse)
1.1.1933 (?) In der Dörnerbrücken Straße in Barmen versuchten SA-Banditen eine alleingehende Arbeiterfrau niederzuschlagen, was durch gemeinsame Abwehr der antifaschistischen Arbeiter verhindert wurde. (Freiheit)
1.1.1933 KPDler schießt auf Nazi auf der Haspelerstr. (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
1.1.1933 3.45 Uhr Politische Schlägerei zwischen 4 Nazis und drei Andersdenkenden.
Ein Mann wurde erheblich am Kopfe verletzt. (3.1.1933 GA)
1.1.1933 Streik bei Zinn und Engels in Heckinghausen (nur im Walzwerk)
2.1.1933 Ausschreitungen vor den Fabrikgebäuden der Robert Zinn, Engels & Co. in der Lenneper Straße
3.1.1933 GA Eine von Erwerbslosen errichtete Blockhütte in Ronsdorf in der Nähe der Neustraße (Blutfinke ) wurde erheblich beschädigt.
3.1.1933 Nazi greift Kommunisten am Höchsten an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
3.1.1933 Nazi greift Kommunisten an der Breitestraße (Tannenbergstraße) in Elberfeld an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
5.1.1933 Reichsbanner-Aktivist greift Nazi am Alten Markt an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
5.1.1933 Der Vohwinkler Nationalsozialist H. [Aloys Herzig], der den kommunistischen Arbeiter Fritz Klaus am 27. Juni 1932 erschossen hatte, fällt unter Amnestie. Die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg und Waffenbesitz wird fallengelassen. (BMZ vom 6.1.1933)
5.1.1933 „Wieder ein Nazi-Revolverheld. Festgenommen wurde Donnerstagabend auf dem Altenmarkt ein uniformierter Nazimann, der einem Zusammenstoß mit Erwerbslosen provozierte, die aus der Elberfelder Stadthalle zurückkehrten.“
6.1.1933 „Jugend will arbeiten“. Im Barackenlager der FAD an der Wupper in Evertsaue (FP vom 6.1.1933)
9.1.1933 BMZ vom 10.1.1933 13 köpfige kommunistische Einbrecherbande „unschädlich gemacht“. Auch Vorstandsmitglieder des Roten Sportklub Vohwinkel sind inhaftiert.
9.1.1933 Der SA-Sturm 6 muss ihr SA-Heim in der Falkenstraße (Möwenstraße) verlassen und zieht in die Scheurenstr. 6 (FP vom 9.1.1933)
9.1.1933 Die deutschnationale BMZ ist erfreut: „13 köpfige kommunistische Einbrecherbande „unschädlich gemacht“. Auch Vorstandsmitglieder des Roten Sportklub Vohwinkel sind inhaftiert. (BMZ vom 9.1.1933)
10.1.1933 38 Selbstmorde in Wuppertal in einem Vierteljahr. (FP vom 10.1.1933)
12.1.1933 Nazi-Provokation am Ölberg (FP vom 13.1.1933)
12.1.1933 Nazis werfen Schaufenster der Geschäftsstelle der Freien Presse in der Reformierten Kirchstraße (Zwinglistraße) ein. (FP vom 12.1.1933)
13.1.1933 SA-Provokation in Heckinghausen. 150 SA-Männer treffen auf 400 Gegendemonstranten
„Am 13. Januar 1933 traf der Demonstrationszug in Stärke von etwa 150 SA-Männern an den Straßenkreuzungen Werlé-, Ziegel- und Rübenstraße auf etwa 400 Gegendemonstranten. Der Polizeibericht, der die Schuld an der Auseinandersetzung der „kommunistischen Hetze“ gab, schilderte den Zusammenstoß wie folgt: „Es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der von den Beteiligten auch etwa 15 Schüsse abgefeuert wurden. Das verstärkte Überfallkommando der Polizei konnte mithilfe der Polizeiknüppel der Schlägerei ein Ende machen. Auch in Gegenwart der Polizeibeamten fielen noch einige Schüsse aus der Menge. Erst als die Beamten 7 Schreckschüsse abfeuerten, flüchteten die Kommunisten, worauf die Nationalsozialisten ihren Aufzug fortsetzen konnten. Ein 17jähriges Mädchen wurde mit einer Schussverletzung am Hinterkopf in ein Krankenhaus geschafft.“
(„Die Schießerei in Heckinghausen“, in: Täglicher Anzeiger TA 16.01.1933).
14.1.1933 Kampfkongress der NSDAP. Zwei Fackelmärsche in Barmen und Elberfeld, die zum Bismarck-Turm führen. Der Turm war von roten bengalischen Fackeln beleuchtet. Weihung der „Kongressfahne“. (BMZ vom 16.1.1933)
14.1.1933 Fackelzug der Nazis und große Gegenaktionen
15 SS-Leute in der Wertherstraße und Berlinerstraße schwer verletzt. Polizei schießt in Elberfeld auf Antifaschisten, in der Südstraße Auseinandersetzungen mit Nazis
(„Rotes Wuppertal bricht Naziterror“, in: Freiheit vom 15.1/16.1933)
14.1.1933 Rittershauserstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
14.1.1933 Königstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
15.1.1933 Wall Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
15.1.1933 Reitbahnstraße Reichsbanner schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
16.1.1933 Razzia bei Hans Dallmann (KPD)
16.1.1933 Versammlung aller Sattler und Polsterer, im Lokal Butzen Höchsten: Thema RGO und Freie Gewerkschaften
18.1.1933 „Am 18. Januar 1933 um 21:00 Uhr eskalierte die Situation zu einem lang anhaltenden Feuergefecht, nachdem der etwa 250 Mann umfassende SA-Zug in der Rübenstraße von Anwohner aus den Fenstern mit Flaschen und Steinen beworfen worden war. Im Polizeibericht ist von annähernd 50 Schüssen die Rede. „Pressestelle des Polizeipräsidenten“, in: GA 19.01.1933;
„Wieder schwere politische Zusammenstöße in Heckinghausen“, in: TA 20.01.1933.
Zitiert nach David Mintert, Kemna .
„Mit Flaschen und Steinen“. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt mit: Mittwoch gegen 21 Uhr wurden die Teilnehmer eines Umzuges der NSDAP in Stärke von etwa 250 Mann in der Rübenstraße zwischen Acker- und Werlestraße und an der Ecke Werle- und Ziegelstraße von den Anwohnern aus den Fenstern mit Flaschen und Steinen beworfen. Der Aufforderung der Begleitkommandos, die Fenster zu schließen, wurde keine Folge geleistet. Erst als die Beamten von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machten und annähernd 50 Schüsse abgegeben hatten, trat Ruhe ein. Durch die Steinwürfe aus den Fenstern wurde ein Zugteilnehmer am Kopf verletzt. Kurz darauf wurde das Überfallkommando , dass zur Säuberung der Straße eingesetzt war, an der Ziegelstraße ebenfalls mit Flaschen beworfen. Die Beamten mussten in zwei Fällen von der Schusswaffe Gebrauch machen. Ob die Schüsse Personen- oder Sachschaden zur Folge hatten, steht noch nicht fest. Gegen 22 Uhr kam es am Herzogplatz erneut zwischen den heimkehrenden Zugteilnehmern und politisch Andersdenkenden zu Zusammenstößen. Hierbei fielen mehrere Schüsse. Verletzungen sind anscheinend nicht vorgekommen. Die Streitenden wurden von der Polizei zerstreut.“ (BMZ vom 21.1.1933)
18.1.1933 Rübenstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
18.1.1933 Ziegelstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
18.1.1933 Herzogplatz (Görlitzer Platz) Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
19.1.1933 SA-Zug durch Barmen, In der Bogen- und Hochstraße schießen Kommunisten auf die SA (Freiheit vom 21.1.1933)
19.1.1933 Wertherstraße Nazis schießt auf Kommunist Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
19.1.1933 Dörnerbrückenstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
25.1.1933 Hungermarsch in Barmen (Freiheit vom 26.1.1933)
25.1.1933 Nazi-Veller und die „Freiheit“ (FP vom 25.1.1933)
25.1.1933 SA-Mann Karl K. überfallen
Die Nazi-Zeitung „Wuppertaler Zeitung“ berichtet:
„Am 25. Januar kam es dann zu einem ernsten Überfall. Der kommunistische Fremdenlegionär Balewsky, der obendrein noch staatenlos ist, lauerte dem SA-Mann und fiel mit einer Horde gleichgesinnter Banditen über ihn her. Im Bewusstsein ihrer Übermacht schlugen sie den Parteigenossen nieder und misshandelten ihn schwer, so dass er eine schwere Kopfverletzung davontrug und in ärztliche Behandlung gebracht werden musste.
Derartige Überfälle, die sich in der letzten Zeit wieder erschreckend mehren, sollen in der berüchtigten kommunistischen Zentrale Wiesen vorbereitet werden. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Polizei diesem Schlupfwinkel der bolschewistischen Untermenschen etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt und vor allem einmal die dort befindliche alkoholfreie Wirtschaft in polizeiliche Obhut nimmt.
Zum größten Teil ist das kommunistische Mordgesindel in der Feuerwerksfabrik der Firma Heintzen [?] beschäftigt; der überfallene SA-Mann ist ebenfalls dort beschäftigt. Wenn die Polizei hier nicht recht bald für Ordnung sorgt, dann werden die Vohwinkler SA-Männer selbst den Schutz ihrer bedrohten Kameraden übernehmen müssen. Denn wir Nationalsozialisten denken nicht daran unsere Parteigenossen wie Freiwild auf der Strecke niederschlagen zu lassen.“
(„SA-Mann niedergeschlagen“, in: WZ vom 31.1.1933)
26.1.1933 SA-Männer erschießen in Dresden in einer kommunistischen Versammlung 9 Menschen.
27.1.1933 (GA) Wuppertal hat die meisten Tumultschäden und Ausschreitungen neben Duisburg-Hamborn im Regierungsbezirk Düsseldorf.
28.1.1933 Protestaktionen wegen der erschossenen Arbeiter in Dresden und Köln (Rommelspütt, Platz der Republik, Petroliumsviertel)
28.1.1933 Die Rotationsmaschine der kommunistischen Tageszeitung „Freiheit“ wird beschlagnahmt auf Anweisung des Oberreichsanwalts wegen Hochverrat.
28.1.1933 Antikriegsversammlung der KPD (10 Jahre Ruhrbesetzung) Stadtsaal Vohwinkel Kaiserstraße
29.1.1933 Demonstration der sozialdemokratisch dominierten Eisernen Front durch Wuppertal
29.1.1933 Zusammenstoß von Reichsbanner mit Nationalsozialisten an der Ecke Aderstraße und Distelbecker Straße. (WZ vom 31.1.1933)
29.1.1933 Aus einem Haus in der Distelbeckerstr. bewirft ein Nazi den Demozug der Eisernen Front mit einem Kanonenschlag. Den Nazi können sozialdemokratische Demonstranten aber einfangen und der Polizei übergeben. (FP vom 30.1.1933)
30.1.1933 Der Tag beginnt in Wuppertal mit einem Streik von 70 Arbeiter:innen der Gummibandwirkerei Kehrenberg in der Springerstraße, der sich gegen Lohnabbau richtet.
Am Vormittag wird die Ernennung Adolf Hitlers in Berlin bekanntgegeben. Während in Berlin abends die SA-Kolonnen zur Siegesparade marschieren, demonstrieren in Wuppertal an mindestens drei Orten Antifaschist:innen.
Für 17:00 Uhr wird auf den Barmer Rathaus-Vorplatz mobilisiert. Der Barmer Demo-Zug mit etwa 1.000 Teilnehmer:innen geht über den Hohenstein nach Elberfeld. »Kleine Gruppen«, so die Erinnerung des Jungkommunisten Karl Ibach, »tauchten blitzartig in den Wohngebieten nationalsozialistischer Wähler und Parteimitglieder auf, skandierten Protestparolen und verschwanden in den Seiteneingängen und dunklen Straßen, ehe die Nationalsozialisten reagieren konnten.«
Auch in Ronsdorf findet eine antifaschistische Demonstration statt.
Eine weitere Demonstration geht vom Petroliumsviertel in die Elberfelder Innenstadt.
In der Nacht liefert sich die SA mit Reichsbanner-Einheiten vor der
Konsumzentrale und dem Gewerkschaftshaus heftige Auseinandersetzungen. (»Nazi-Exzesse in Unterbarmen« (FP 31.1.1933)
Ebenfalls in der Nacht zum Dienstag zertrümmerten Nazis zwei große Schaufensterscheiben des (jüdischen) Damenhutgeschäftes L.Fleischhacker an der Wertherstraße. (Bergische Tageszeitung (BTZ 1.2.1933)
Am 30. Januar 1933 warten die Anarcho-Syndikalisten auf ein Signal zum Losschlagen gegen die Nazis, sie hofften, daß sich das Reichsbanner und vor allem die Kommunisten dazu entschließen würden. Trotz der starken ideologischen Differenzen gab es in Unterbarmen so etwas wie eine proletarische Einheitsfront von unten. Das Viertel wurde gemeinsam bewacht und es kam oft zu gemeinsamen Absprachen und Aktionen gegen die Nazis, aber auch, wenn es zum Beispiel darum ging, Familien, die ihre Miete nicht mehr bezahlen konnten, vor der Zwangsräumung zu bewahren. Wie wir leider wissen, kam es nicht zu größeren Erhebungen gegen die Nazis. Zwar gab es nach 1933 noch eine Demonstration und die SA wagte sich die ersten Monate noch nicht alleine in die Arbeiterviertel, aber an größere Widerstandsaktionen war nicht mehr zu denken. Schon bald gab es die ersten Verhaftungen. Als ersten erwischte es Helmut Kirschey, der auch im Hause der Benners wohnte. Er wurde auf der Straße von SA-Leuten erkannt. Sein Glück war es, daß sich ein Menschenauflauf bildete und die Polizei ihn in Gewahrsam nahm, die Festnahme durch die SA hätte seinen Tod bedeuten können.
Eugen Benner wurde im Mai 1933 zusammen mit seinen Brüdern Fritz und Willi verhaftet – Fritz Benner hatte in seinem Betrieb am 1. Mai noch eine Rede gegen die Nazis gehalten. Zusammen mit Fritz kam Eugen ins KZ Börgermoor, bis Anfang 1934. (Nachruf Eugen Benner)
31.1.1933 Am Morgen verteilen Kommunist:innen zu Beginn der Frühschicht an den Toren von Elberfelder Fabriken Aufrufe zum Generalstreik, die allerdings in keinem Betrieb befolgt wurden. „Die Arbeiter nahmen uns die Flugblätter schweigend ab, doch ohne dem Streikaufruf zu folgen. Verraten [d.h. angezeigt] wurde niemand von uns«, berichtete Ernst Hoffmann (KJVD).
Erst am Abend des 31.1.1933 ruft die NSDAP zum Fackelmarsch durch Wuppertal.
Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr am Barmer Rathausvorplatz. An dem sich anschließenden Fackelmarsch nach Elberfeld beteiligen sich etwa 3.500 Personen. Aber der Siegesmarsch der Nazis hat es nicht leicht. Bei der Auftaktkundgebung am Rathaus stimmen plötzlich Antifaschist:innen die Internationale an: »Die in vier Gliedern vor der Freitreppe aufgestellte SA machte darauf eine kurze Kehrtwendung, durchbrach die Menschenmenge und säuberte, unterstützt von der Polizei, in wenigen Minuten den Platz. Dabei fielen von unbekannter Seite drei oder vier Schüsse, durch die der 25 Jahre alte Nationalsozialist Werner Martini […] am Bein verletzt wurde.« Auch auf dem
Weg nach Elberfeld gab es weitere Zwischenfälle. Ein SS-Mann verfolgt mit der Waffe in der Hand einen »Störer« bis in den »Wuppertaler Hof« und schießt. Ein Unbeteiligter wird verletzt. Auch in der Nähe des Eltwerkes und auf der Allee versuchen Antifaschist:innen die Demonstration zu sprengen. »Jedoch erstickte die SA alle Störungen im Keim.«
Ähnlich die Situation am Neumarkt: »Vor allem in der Bach- und Berlinerstraße [heute Hofkamp] hatten sich starke gegnerische Gruppen angesammelt, die die anmarschierenden Demonstranten mit ›Nieder-Rufen‹ und dem Gesang der Internationale empfingen.« (Barmer Zeitung vom 1.2.1933)
Phantasievoll agieren auch die Aktivist:innen der anarchistischen »Schwarzen Schar« und des KJVD. Zahlenmäßig zu schwach für eine direkte Auseinandersetzung mit den bewaffneten SA-Leuten, bedienen sie sich einer originellen und wirksamen Taktik: Sie drücken mit vereinten Kräften jubelnde, »Heil Hitler« grüßende Nazianhänger in den marschierenden Zug der SA. Die Nazianhänger selbst werden verprügelt und werden zu den ersten Opfern der an die Regierung gekommenen Nationalsozialisten in Wuppertal.
31.1.1933 Am Morgen verteilen Kommunist:innen zu Beginn der Frühschicht an den Toren von Elberfelder Fabriken Aufrufe zum Generalstreik, die allerdings in keinem Betrieb befolgt wurden. „Die Arbeiter nahmen uns die Flugblätter schweigend ab, doch ohne dem Streikaufruf zu folgen. Verraten [d.h. angezeigt] wurde niemand von uns«, berichtete Ernst Hoffmann (KJVD).
Erst am Abend des 31.1.1933 ruft die NSDAP zum Fackelmarsch durch Wuppertal.
Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr am Barmer Rathausvorplatz. An dem sich anschließenden Fackelmarsch nach Elberfeld beteiligen sich etwa 3.500 Personen. Aber der Siegesmarsch der Nazis hat es nicht leicht. Bei der Auftaktkundgebung am Rathaus stimmen plötzlich Antifaschist:innen die Internationale an: »Die in vier Gliedern vor der Freitreppe aufgestellte SA machte darauf eine kurze Kehrtwendung, durchbrach die Menschenmenge und säuberte, unterstützt von der Polizei, in wenigen Minuten den Platz.
Dabei fielen von unbekannter Seite drei oder vier Schüsse, durch die der 25 Jahre alte Nationalsozialist Werner Martini […] am Bein verletzt wurde.« Auch auf dem Weg nach Elberfeld gab es weitere Zwischenfälle. Ein SS-Mann verfolgt mit der Waffe in der Hand einen »Störer« bis in den »Wuppertaler Hof« und schießt. Ein Unbeteiligter wird verletzt. Auch in der Nähe des Eltwerkes und auf der Allee versuchen Antifaschist:innen die Demonstration zu sprengen. »Jedoch erstickte die SA alle Störungen im Keim.«
Ähnlich die Situation am Neumarkt: »Vor allem in der Bach- und Berlinerstraße [heute Hofkamp] hatten sich starke gegnerische Gruppen angesammelt, die die anmarschierenden Demonstranten mit ›Nieder-Rufen‹ und dem Gesang der Internationale empfingen.« (Barmer Zeitung vom 1.2.1933)
Phantasievoll agieren auch die Aktivist:innen der anarchistischen »Schwarzen Schar« und des KJVD. Zahlenmäßig zu schwach für eine direkte Auseinandersetzung mit den bewaffneten SA-Leuten, bedienen sie sich einer originellen und wirksamen Taktik: Sie drücken mit vereinten Kräften jubelnde, »Heil Hitler« grüßende Nazianhänger in den marschierenden Zug der SA. Die Nazianhänger selbst werden verprügelt und werden zu den ersten Opfern der an die Regierung gekommenen Nationalsozialisten in Wuppertal.
Zeitungsartikel:
Für die Nationale Regierung (BMZ 1.2.1933)
Schüsse im Wuppertaler Hof (Stadtanzeiger 1.2.1933)
In Wuppertal (RGA vom 1.2.1933)
31.1.1933 Politische Reibereien auf dem Marktplatz in Ronsdorf (1.2.1933 Stadtanzeiger)
31.1.1933 Polizist Heinrich P. Freigesprochen, Übergriff in einer Nordstadt-Kneipe
1.2.1933 300-400 Erwerbslose gehen in Heckinghausen auf die Straße. Sie versammeln sich an der Ecke Ziegelstraße /Werléstraße. Dann erschien das Überfallkommando der Polizei. „Die Menge nahm gegenüber der Polizei sofort eine drohende Haltung an. Nicht nur, dass sie mit Schimpfworten und Drohungen belegt wurden, es wurde auch von allen Seiten, insbesondere aus den Fenstern und Hauseingängen, mit Steinen, Glasscherben und anderen Gegenständen nach ihnen geworfen.“ Es kommt zu Auseinandersetzungen, ein Polizist wird entwaffnet.
Die Zusammenstöße haben ein juristisches Nachspiel. Am 5.3.1942 verurteilt das Landgericht Wuppertal Erwin Berg und Wilhelm Lütjee zu 7 bzw. 2 Jahren Zuchthaus wegen Landfriedensbruch.
2.2.1933 In ganz Preußen wird ein Versammlungsverbot gegen die KPD verhängt.
2.2.1933 Durchsuchung kommunistischer Büros und Wohnungen (BZ 3.2.1933)
2.2.1933 11:20 Uhr wurden „auf der Aue Ecke Untergrünewalder Straße zwei Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen ein Nationalsozialist wurde im Gesicht erheblich verletzt. Der Haupttäter wurde festgenommen.“ („Zahlreiche Zusammenstöße“, in: BMZ vom 4.2.1933)
„Gegen 22:30 Uhr wurde im Neuenteich in Elberfeld ein Nationalsozialist von mehreren Kommunisten überfallen und am Kopfe erheblich verletzt. Um die gleiche Zeit wurde in der Friedrichstraße in Elberfeld ein Nationalsozialist festgenommen, weil er eine Pistole unbefugt bei sich führte.“ (BMZ vom 4.2.1933)
22:45 Uhr „kam es in Barmen anlässlich eines Umzuges der SA zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Kommunisten. Dabei wurde auch geschossen. Verletzte sowie die Täter wurden nicht festgestellt.“ (BMZ vom 4.2.1933)
2.2.1933 „Gegen 23:30 stießen auf dem Neumarkt in Elberfeld Kommunisten und Nationalsozialisten zusammen. Dabei wurde ein Kommunist erheblich verletzt. Als die Polizei einschritt und einen SA-Mann zwangsstellen wollte, wandte sich die Menge gegen den Beamten. Es wurde versucht, ihm den Gefangenen zu entreißen. Die Beamten mussten mit dem Polizeiknüppel die menge zurückdrängen. Dabei wurde ihnen ein schwerer Widerstand geleistet. Ein Nationalsozialist schlug mit einem Gummiknüppel auf einen Beamten ein und verletzte ihn außerdem durch Fußtritte in den Leib und am Knie. Bei Brechung des Widerstandes wurde der Nationalsozialist durch Anwendung des Polizeiknüppels verletzt. Den Nationalsozialisten wurden vier verschiedene Hiebwaffen und gefährliche Schlagwerkzeuge abgenommen.“ (BMZ vom 4.2.1933)
2.2.1933 Schießerei in der Feldstraße (Chlodwigstraße) (Südstadt)
2.2.1933 Nazis werfen ein Schaufenster beim Einheitspreisgeschäft Erwege ein
3.2.1933 Schüsse auf Haus in der Luisenstraße (Schenkstraße) in Ronsdorf (BZ vom 4.2.1933)
3.2.1933 In der Nacht wurde ein Kommunist in Elberfeld erheblich verletzt. An andere Stelle verletzten Nazis einen Polizisten leicht, Waffen wurden beschlagnahmt.
An einer anderen Stelle wurde ein Nationalsozialist verletzt.
Bei der Aktion gegen die Kommunisten wurde eine Menge Material und drei Schusswaffen beschlagnahmt. Auch in Velbert kam es zu Schießereien.
4.2.1933 Notverordnung vom 4.2.1933
Die Verordnung des Reichspräsidenten zum „Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 schränkte wenige Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler die Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend ein und erteilte dem der NSDAP angehörenden Reichsinnenminister Wilhelm Frick weitreichende Vollmachten.
Die vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erlassene und von Reichskanzler Hitler, Innenminister Frick und Justizminister Gürtner gegengezeichnete Notverordnung war als eine sogenannte „Schubladenverordnung“ bereits vom Kabinett Papen geplant worden und diente im beginnenden Wahlkampf zur Reichstagswahl am 5. März 1933 der Bekämpfung der politischen Gegner der NSDAP. Sie wurde am 6. Februar 1933 im Reichsgesetzblatt verkündet und trat am folgenden Tag in Kraft.
Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 (RGBl. 1933 I, S. 35–40) war eine strafbewehrte Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aufgrund Art. 48 Abs. 2 der Weimarer Verfassung (WRV), mit der die verfassungsmäßigen Grundrechte der Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend außer Kraft gesetzt wurden.
Durch die Verordnung konnten nicht angemeldete öffentliche politische Versammlungen, Druckschriften, „deren Inhalt geeignet war, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden“ und Spendensammlungen „bestimmter Vereinigungen“ zu politischen Zwecken unter Androhung von Gefängnisstrafe verboten werden.
http://www.documentarchiv.de/ns/schutz-dt-vlk.html
5.2.1933 Auf der Allee in Barmen werden die Scheiben des Aushangs des linksliberalen Dortmunder Generalanzeigers zerstört und die Fenster des Logenlokals „Zur Bruderkette“ an Friedrich-Engels-Allee 165 eingeworfen.
5.2.1933 An einer Wirtschaft an der Alleestraße Schießerei zwischen politischen Gegnern, ein Mann wurde durch einen Schuss am Bein verletzt. Das Naziblatt WZ schreibt von einem Feuerüberfall auf Versammlungsteilnehmer einer Veranstaltung bei Hegelich in Unterbarmen (WZ vom 7.2.1933)
5.2.1933 Blumenstraße Nazi greift Kommunist an (Geheimes Preußisch. Staatsarchiv)
5.2.1933 Cronenberg Politische Schießerei. Gestern Nachmittag gegen 18:00 Uhr wurde ein Zug von Angehörigen der NSDAP, die vom Hasten nach Cronenberg über die Landstraße zogen, von einem angrenzenden Waldstück aus beschossen. Ein Beteiligter erhielt einen Wadenschuss und eine Schrotladung ins Gesicht. Der Verletzte wurde dem Krankenhaus zugeführt.“ (Cronenberger Anzeiger vom 6.2.1933, BMZ vom 6.2.1933, 6.2.1933 RGA)
5.2.1933 Das Reichsbannerlokal (Wirtschaft Eberhard, Hauptstraße ) wurde in Sonnborn von Nazis beschossen, ein Reichsbanner-Aktivist wurde durch einen Schultersteckschuss verletzt. (GA vom 6.2.1933) Durch Steinwürfe und Schüsse wurde die Fenster zertrümmert. (BMZ vom 6.2.1933) Zwei Verletzte Reichsbanner (Freiheit vom 19./20.1.1933)
5.2.1933 Feuerüberfall auf die Reichsbanner-Arbeiter an der Ronsdorferstraße
5.2.1933 Demos der „Eisernen Front“ in Barmen und Elberfeld, es spricht u.a. der Wuppertaler Reichsbanner-Führer Ludwig Lange.
Die Nazi-Zeitung WZ zu den Demos: „Eiserne Front provoziert“ „ist es nach Ansicht der `Freien Presse´keine Provokation, wenn die Genossen und die politischen Kinder Karlchen Severings schreien: `Hitler verrecke!´? Es ist eine unfassbare Tatsache, dass diese und ähnliche Schmährufe von der Polizei geduldet wurden. Wir verlangen, dass derartige Gröhlereien und Beschimpfungen der Reichsregierung unterbleiben, oder aber, dass die Polizei ihre Pflicht tut, und unnachsichtlich gegen diese lächerlichen Zwerge einschreitet. Geschieht dies nicht, dann könnte sich die SA, die SS und all die übrigen Parteigenossen eines guten Tages durch ein derartiges Gebrüll ebenfalls provoziert fühlen und selbst gegen die Burschen vorgehen. Denn wir lassen es nicht zu, dass unser Führer, der Führer Deutschlands beleidigt wird. Wenn sich die Polizei zu schwach fühlt, dass Treiben der Reichsbannerlümmel zu unterbinden, dann bleibt eben nur noch ein Ausweg, und das ist die Selbsthilfe. Wir verlangen von dem Polizeipräsidenten, dass er entweder die Umzüge der `Eisernen Front´, die zu 75 Prozent aus Kommunisten bestehen, verbietet, oder dafür Sorge trägt, dass unnachsichtlich gegen die Beleidiger der Staatsautorität vorgegangen wird. Vor allem aber verlangen wir, dass gegen die Teilnahme der Kommunisten vorgegangen wird. Denn bei der Demonstration zogen Moskauer Söldlinge nicht etwa ohne Abzeichen mit, sondern ganz offen als Kommunisten erkennbar. Trotzdem unternahm die Polizei nichts und ließ die Kommunisten ungehindert den Aufmarsch mitmachen.“ „Eiserne Front provoziert“, in: WZ vom 7.2.1933
6.2.1933 Durch die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ wurde der Preußische Landtag aufgelöst.
6.2.1933 Oberdörnerstraße KPDler greifen Nazi an
7.2.1933 „Naziangriffe“ mit Steinen auf die Konsum-Verkaufsstelle in der Elsternstraße in Barmen und auf die neue Geschäftsstelle der sozialdemokratischen Freien Presse in der Parlamentstraße (Stadtanzeiger vom 8.2.1933)
7.2.1933 Wiesenstraße Nazi greift Reichsbanner-Aktivist an
8.2.1933 0:30 Uhr Angriff auf die Wohnung des Geschäftsführers der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in Vohwinkel, Karl Kolaß. Es werden Fensterscheiben eingeworfen. Kolaß ist auch ein bekannter SPD-Funktionär und Reichsbanner
8.2.1933 Die Geschäftsstelle der liberalen Velberter „Morgenzeitung“, die sich beim Friseur Engels in der Königstraße befindet, wird beschädigt (Schaufenster)
8.2.1933 „Wilddiebe auf frischer Tat [am Blombacher Bach] ertappt. „Bei der Nachforschung fand man 8 Schlingen und schließlich stieß man auf die Schädlinge. Als die Täter auf Anruf nicht stehen blieben (. ..) gab die Polizei scharfe Schüsse auf sie ab, die allerdings ihr Ziel verfehlten. So entkam der Haupttrupp der Wilddiebe, nur ein Mann konnte festgenommen werden. (Stadtanzeiger vom 9.2.1933)
9.2.1933 SS-Mann Hans Soehn wird wegen versuchtem Totschlag zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte aus einem fahrenden Zug mit einer Pistole einen Passanten angeschossen und schwer verletzt. (Morgenzeitung vom 10.2.1933)
10.2.1933 Die Schutzformationen des Reichsbanners werden in der Oberbergischen Straße in der Näher des Gewerkschaftshaus in Unterbarmen angegriffen. Ein Reichsbanner-Mann und ein Schutzpolizist erlitten Schussverletzungen. (FP vom 11.2.1933)
11.2.1933 „Roter Terror“
Die Nazi-Zeitung Wuppertaler Zeitung (WZ) berichtet von einem Überfall im Petroliumsviertel 8 SA-Männer und ein SS Mann wurden angegriffen.
„Einem in der Wirkerstraße wohnenden Parteigenossen schlug man, als er gerade seine Wohnung betreten hatte, die Fensterscheiben ein. Der berüchtigte Kommunist Erwin D.wurde erkannt und zur Anzeige gebracht. Schupo und SA stellten alsbald die Ordnung wieder her. […] Ein weiterer Überfall ereignete sich in der Marienstraße. Ein dort wohnender SA-Mann, der alleine nach Hause ging, wurde von einer 50 bis 60 Mann starken Horde marxistischer Wegelagerer überfallen. Als 2 SS und 3 SA-Männer dem Überfallenen zu Hilfe eilten, flüchtete das feige Gesindel in seine Schlupfwinkel. Wir erwarten, dass dem Straßengesindel in diesem Viertel recht bald das Handwerk gelegt wird. Das einwandfreie Verhalten der Polizei zeigt, dass Ansätze dazu gemacht werden.“
12.2.1933 Am 12. Februar 1933 griffen SA-Männer eine Gruppe von Katholik:innen auf dem Nachhauseweg aus nichtigem Anlass an. Josef Leßmann war einer von ihnen. Er kam am 12.2.1933, da war er 21 Jahre alt, von einer Karnevalsveranstaltung in St. Marien und wollte seine Freundin und spätere Frau nach Hause in die Straßburgerstraße bringen. Auf diesem Weg wurde er in der Kellerstraße überfallen, weil er nicht mit dem Hitlergruß grüßte.
Drei SA-Männer schlugen Leßmann mit Schlagringen ins Gesicht und auf den Kopf. Als ein Freund, der hinter ihm lief, zur Hilfe eilen wollte, schoss einer der SA-Männer auf Leßmann. In der gleichen Nacht griffen SA und SS zur weiteren Einschüchterung das Haus der Familie Leßmann in der Gartenstraße mit Steinen und Schüssen an.
Die Täter wurden nicht zur Verantwortung gezogen, obwohl einer der Täter bei dem Angriff eine mit seinem Namen bestickte SA-Mütze verloren hatte.
Josef Leßmann überlebte den Bauchschuss nur knapp. Er gründete
eine Familie und war nach 1945 aktiv am Wiederaufbau der
katholischen Kirche St. Marien beteiligt. Den 12. Februar 1933
empfand Leßmann, so die Erzählung seiner Kinder, als seinen zweiten Geburtstag.
Die SA und die SS hatten schon in der Weimarer Republik die
katholische Kirche und die Zentrumspartei als Feinde identifiziert.
Weitere Angriffe sollten folgen.
13.2.1933 Auseinandersetzung zwischen Reichsbanner und Nazi in der Deweerthstraße
13.2.1933 NS-Zeitung: Gartenhäuschen am Vorderdohr angeblich von Kommunisten in
Cronenberg zerstört und angezündet. (16.2.1933 WZ)
14.2.1933 Die Inschrift „Ministerpräsident Braun“ an der Polizeiunterkunft am Lichtenplatz wird entfernt. (16.2.1933 RGA) (15.2.1933 Stadtanzeiger)
15.2.1933 Am 15. Februar ordnete Göring an, die Überwachung der NSDAP und ihrer Verbände durch die Polizei einzustellen.
15.2.1933 Schuss ins Schlafzimmer in der Wirkerstraße (16.2.1933 BZ)
15.2.1933 Kanonenschläge gegen ein Haus in der Dürerstraße eingesetzt. Möglicherweise gegen ein Vorstandsmitglied der Zentrumspartei in Elberfeld Süd
15.2.1933 Schuss auf Zeitungsfiliale des Dortmunder Generalanzeigers in Ronsdorf
15.2.1933 Naziangriff auf das Kampfbundheim in der Brögeler Straße (17.2.1933 Freiheit)
15.2.1933 Nazi-Zeitung WZ: SA-Mann schwer verletzt. In der Remscheider Straße (Auf der Bleiche) angeblich von Kommunisten u.a. mit Messerstichen schwer verletzt. „Anscheinend ist die Polizei nicht in der Lage in den dunklen Winkeln Heckinghausens für Ordnung zu sorgen. Falls die Zustände sich nicht ändern, wird die SA zur Selbsthilfe schreiten müssen. Dann wird kein SA-Mann mehr überfallen, ohne dass die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.“
16.2.1933 Die Wohnungen von kommunistischen und SAP-Funktionären werden durchsucht.
16.2.1933 Berlinerstraße (Unterbarmen) KPDler schießt
16.2.1933 Bismarckstraße (heute Hünefeldstraße) KPDler schießt
Artikel: Stadtanzeiger vom 16.2.1933
17.2.1933 Sog. Schießerlass von Göring (BMZ vom 21.2.1933)
17.2.1933 Erlaß zur „Förderung der nationalen Bewegung“. Min.Blatt f. d. Preuß. innere Verwaltung (MBliV) 1933 I, S. 169 (Gruchmann, S. 320)
17.2.1933 In der Nacht wurde ein Kampfbund-Kamerad aus der SA-Kaserne in der Luisenstrasse beschossen und am Arm verletzt.
17.2.1933 30-40 „bewaffnete SA-Banditen“versuchen die Arbeiterwohnungen in der Berlinerstraße Nähe Wupperstraße anzugreifen. Die Häuserstaffel verhindert den Angriff. (19.2/20.2.1933 Freiheit)
17.2.1933 10 scharfe Schüsse auf Wohnung im 1. Stock im Hause Paradestr 74 ( Familie Kraehkamp) Keiner verletzt. (18.2.1933 GA)
17.2.1933 Kriminalkommissar Blaesing wird neuer Leiter der Politischen Polizei in Wuppertal. Sein Vorgänger Schiwy übernimmt das Einbruchsdezernat von Blaesing. (Bergische Post vom 18.2.1933)
17.2.1933 Führer der Polizeiinspektion, Major von Schuler, ist zum Stabe des höheren Polizeiführers des Westens, Oberst Stieler von Heidekampf, versetzt worden. Nachfolger in Wuppertal wird Hauptmann Boje (Stadtanzeiger vom 17.2.1933)
18.2.1933 Werner Pommerenke wurde in Cronenfeld von der SA angeschossen. (22.2.1933 BZ)
18.2.1933 Polizei besetzt das Hauptkabel bis zum Langerfelder Sender.
Um ähnliche Vorkommnisse (Kabelsabotage) wie in Stuttgart bei der letzten Rede von Hitler zu verhindern, wurde gestern Mittag das Selbstanschlußamt Westen in der Brillerstraße in Elberfeld von Polizeipatrouillen besetzt und gleichzeitig ein größeres Polizeikommando zur Absperrung des Hauptkabels von Elberfeld bis Langerfeld eingesetzt. (18.2.1933 Stadtanzeiger)
19.2.1933 »Barmer Blutsonntag«
Am 19. Februar 1933 griff die SA mit Schusswaffen, Rauchbomben,
Knüppeln und Peitschen in Barmen eine polizeilich genehmigte
Demonstration der »Eisernen Front« an, die in Wuppertal vor allem aus
der sozialdemokratischen Wehrorganisation »Reichsbanner« und der
SPD mit all ihren Organisationen bestand. Nach dem als »Barmer
Blutsonntag« in die Geschichte der Wuppertaler SPD eingegangenen
Tag, zählten die Sanitäter vom Reichsbanner und Arbeiter-Samariter-
Bund zehn Schwerverletzte, darunter Werner Kuhnhenn, ein
11-jähriges Kind und mindestens 12 Leichtverletzte. Darunter waren 6
Personen mit erlittenen Schutzverletzungen und drei mit
Schädelverletzungen. Nach dem Bericht des sozialdemokratischen
Volksblatt war auch ein Nationalsozialist verwundet worden.
»Als diese [Reichsbanner] Gruppe in Stärke von
ungefähr 200 Mann in der Höhe Lindenstraße ankam,
drangen die Nazis auf den vorderen Teil des Rathauses
auf den anmarschierenden Zug ein und schossen in
diesen hinein. Anstatt die schießenden SA-Leute zu
verhaften, wie es die Pflicht der Polizei gewesen wäre,
hielten sie mit dem Revolver in der Hand die auf dem
Platz versammelten Teilnehmer der Kundgebung davon
ab, ihren überfallenen Kameraden zu Hilfe zu kommen.
Der Schutz der Polizei an diesem Vormittag galt, dass
war Meinung aller ausschließlich den provozierenden
und mit Waffen versehenen SA-Leuten. Die Anhänger
der Eisernen Front waren schutzlos der Willkür der SALeute
und der Polizei preisgegeben.«
(Volksblatt Solingen vom 21.2.1933)
Der bewaffneten Angriff der SA auf die SPD-Demonstration am
19. Februar 1933 in Barmen mit den vielen Schuss-Verletzten veränderte
die politische Situation. Die Sozialdemokrat:innen standen unter
Schock, weil sie nicht mehr von »ihrer« Preußischen Polizei geschützt
wurden. Außerdem nutzte das Wuppertaler Polizeipräsidium
(noch unter der alten Führung von Georg Suermondt) ausgerechnet den SA-Angriff
auf die Reichsbanner-Demonstration zu einem Verbot aller
weiteren SPD-Veranstaltungen.
19.2.1933 Bewaffneter Angriff auf SA-Männer auf dem Rott
Um ca. 15 Uhr wurden mindestens 6 SA-Leute in Uniform von
Mitgliedern des kommunistischen Kampfbund gegen Faschismus
(KgF) auf der unteren Rödigerstraße gesehen.
Die SA-Männer wollten einen bei dem vormittaglichem Angriff auf die SPD-Demo verletzten SA-Mann im Krankenhaus besuchen und
durchquerten daher den Rott, eine ausgewiesene Hochburg der KPD.
Wahrscheinlich wurden die SA-Leute schon im Bereich Rödigerstraße / Bogenstraße / zur Schafbrücke entdeckt. Hier lag das Kampfbundheim des KgF in der Bogenstraße 22. In der Bogenstraße und in der damaligen Hochstraße (heute Hohenstein) wohnten zudem eine Reihe von militanten Antifaschisten, die offensichtlich über straßenübergreifende Alarmketten verfügten, die bei (vermuteten) Naziangriffen sehr schnell mobilisieren konnten.
Der Angriff selbst lässt sich wie folgt rekonstruieren:
Nur kurze Zeit nach der Entdeckung der SA-Männer auf der unteren Rödigerstraße holten die Militanten der KPD Revolver aus ihren Verstecken und liefen über die Tannenstraße oder über die Treppe zur Tannenstraße zum ausgemachten Treffpunkt am sog. Feldweg. 15-20 Antifaschisten waren zusammengekommen und nahmen den gerade ankommenden SA-Trupp unter Feuer.
»In der Mitte der Rödigerstraße wurden sie von einem
Trupp Kommunisten beschossen. Der voraufgehende
SA-Mann Platte erhielt einen Beckenschuss und sank zu
Boden. Er wurde von der in der Nähe wohnenden Frau
Vaubel in ein Haus geborgen., während die SA-Männer
in einem Toreingang Schutz suchten. Sie wurden dort
weiter beschossen, wobei auch von ihrer Seite die
Schüsse erwidert wurden. […] Die Schießerei fand erst
ihr Ende, als das Überfallkommando der Polizei
erschien. Als Frau Vaubel herauskam, um der Polizei
eine Erklärung zu geben, fiel noch ein Schuss, durch den
sie eine erhebliche Kopfverletzung erlitt.«
(Aus dem Gerichtsurteil)
Möglicherweise war dieser Überfall auch eine Vergeltungsaktion der Kommunisten für den bewaffneten Angriff der SA auf die Demonstration der Eisernen Front vor dem Rathaus in Barmen am Vormittag.
19.2.1933 Fenster in der unteren Remscheider Straße in Ronsdorf eingeworfen. (20.2.1933 BZ)
19.2.1933 Haspelerstraße Reichsbanner schießt (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
19.2.1933 Angeblich SS-Leute zerstören einen kommunistischen Versammlungsort in Unterdahl (Cronenberg) „ Elberfelder SS-Leute, die in Unterdahl Essquartier bezogen hatten, demolieren eine Waschküche, die auch als Treffpunkt für kommunistische Versammlungen diente.“ (Cronenberger Anzeiger vom 21.2.1933)
20.2.1933 Verbot der „Freiheit“, Organ der KPD und letzte Ausgabe der Freiheit.
21.2.1933 Plakate aufgetaucht, die zur Bildung eines antifaschistischen Massenschutzes auffordern (Morgenmeldung)
21.2.1933 Die Nazi-Zeitung WZ berichtet von einem Feuerüberfall auf einen SA-Mann in der Reformierten Kirchstraße in Barmen und einem weiteren bewaffneten Angriff von einem Überfall auf einen SA-Mann in der Bismarckstraße (heute Hünefeldstr.) (WZ vom 23.2.1933)
Pressestelle der Polizei: „In der Nacht zum 22. Februar wurde in der Reformierten Kirchstraße in Barmen ein SA-Mann von unbekannten Tätern überfallen. Der Überfallene wurde mit einer Pistole bedroht und durch Faustschläge unerheblich verletzt.“ BTZ vom 22.2.1933
„In der gleichen Nacht wurden auf einen anderen SA-Mann (der Tatort war bei der Polizei nicht zu erfahren) 5 bis 6 Schüsse abgegeben. Der SA-Mann erhielt einen Schuss in den Absatz. Ein Geschoss ging in einen Schaufenster laden.“ BTZ vom 22.2.1933
21.2.1933 KK Krebs stellvertretender Leiter der politischen Polizei beim Polizeipräsidium Wuppertal wird versetzt und mit der Leitung des Einbruchsdezernat beauftragt. Nachfolger wird Bezirkssekretär Hufenstuhl (21.2.1933 Stadtanzeiger)
22.2.1933 Ein SA-Mann wird in der Reformierten Kirchstraße (heute Zwinglistraße) überfallen. In der gleichen Nacht wird auch ein weiterer SA-Mann beschossen. (23.2.1933 Stadtanzeiger)
22.2.1933 Freudenbergerstraße (Rathenaustraße) KPDler schießt auf Nazi
22.2.1933 Heckinghauserstraße Reichsbanner und KPDler schießen auf Nazi
22.2.1933 Versammlung für die gesamte Polizeibeamtenschaft am 28.2.1933 im Evangelischen Vereinshaus in Elberfeld angekündigt. (22.2.1933 BMZ)
„Alle Beamten, die sich in den letzten 14 Jahren trotz der zahllosen Schikanen und Entrechtungen seitens des schwarz-roten Systems ein treues Herz und einen von dem Ungeist der vergangenen Zeit ungetrübten, klaren Blick bewahrt haben, sind herzlich willkommen, um über die Stellung des Nationalsozialismus zum Berufsbeamtentums zu hören.“
23.2.1933 Schießerei mit Nazis an der Dörner Brücke
„Hinterlistiger Feuerüberfall auf SA-Männer“ „SS-Mann niedergeschossen.“
„Bereits in den Nachmittagsstunden des 23. Februar wurden mehrere Amtswalter in der Hochstraße von marxistischem Gesindel bedroht. Da man auch die Drohung aussprach, sie des Abends über den Haufen zu knallen, ließen sich die Parteigenossen nach ihrer Stadthallenversammlung durch einige SS-Männer nach Hause begleiten. An der Ecke Dörnerbrücken- und Hochstraße wurden sie plötzlich aus verschiedenen Häusern der Hochstraße beschossen. Einer der SS-Männer erhielt einen Wadendurchschuss und musste dem Krankenhaus zugeführt werden. Die schnell eintreffende Polizei erwiderte das Feuer, konnte aber die Täter nicht stellen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der Spuk des marxistischen Terrors der Vergangenheit angehören., dann wird rücksichtslos gegen das Gesindel vorgegangen und es der Strafe zugeführt, die ihm zusteht.“ (WZ vom 25.2.1933) (Volksparole 26.09.1934)
23.2.1933 Tränengasanschlag auf eine NSDAP-Kundgebung in der Stadthalle
Wuppertal-Elberfeld. In Flugblättern wurde zum bewaffneten Widerstand
aufgerufen.
23.2.1933 SPD-Veranstaltung mit Rudolf Hilferding wird verboten
24.2.1933 Polizeiliche Absperrung sog. roter Viertel (25.2.1933 Stadtanzeiger)
24.2.1933 Das Polizeipräsidium hat der Leitung der Eisernen Front mitgeteilt, dass „öffentliche Aufzüge und Versammlungen unter freiem Himmel, die von der Eisernen Front beabsichtigt würden, bis auf weiteres keine Aussicht auf Genehmigung hätten.Die Vorkommnisse am vorigen Sonntag in der Wertherstraße in Barmen haben zu diesem Entscheid beigetragen, weil die Polizei auf dem Standpunkt steht, dass die Leitung der Eisernen Front ihre Leute nicht in der Hand haben. Bekanntlich war die ursprüngliche Veranlassung der Zusammenstöße in der Wertherstraße die Tatsache, dass aus einem Teilzuge der Eisernen Front gegen Mitglieder der NSDAP Schmährufe gerichtet wurden.“ (BMZ vom 25.2.1933)
Artikel: Stadtanzeiger vom 24.2.1933
25.2.1933 In der Nacht zum 25. Februar 1933 wurden die Wuppertaler Arbeiterviertel unter „stärkste Absperrung und Kontrolle“ gestellt. Die BMZ berichtete von einer groß angelegten Durchsuchungsaktion in Heckinghausen und am Loh, es gab umfangreiche Absperrungen, Häuser und Passanten wurden nach Waffen durchsucht. Polizei war mit Karabinern ausgerüstet. Angeblich diverse Waffen und verbotene Flugschriften gefunden. (BMZ vom 26.2.1933)
Artikel: NS-Zeitung WZ vom 27.2.1933
25.2.1933 Besprechung über die Bildung einer Hilfspolizei „Die Hilfspolizei in Wuppertal gebildet“, in: BMZ vom 26.2.1933
„Auf Grund des Erlasses des Reichskommissars für das preußische Ministerium des Innern betr. die Bildung einer Hilfspolizei fand Samstag vormittag im Polizeipräsidium eine Besprechung zwischen dem Polizeipräsidenten, dem Kommandeur und den Vertretern der in Betracht kommenden Kampfverbände, Stahlhelm, SA und SS statt. Die Stärke der in Wuppertal zu bildenden Hilfspolizei, die dem Oberstleutnant Pfeiffer unterstellt wird, kann im Bedarfsfalle auf die Zahl des Polizeikörpers gebracht werden. Es soll jedoch vorläufig mit einer geringeren Zahl begonnen werden. Der Einsatz dieser Hilfspolizei erfolgt nur im Falle einer besonderen Beanspruchung der Polizeikräfte bzw. auch zur Durchführung besonderer Maßnahmen. Der Dienst der Hilfspolizei geschieht ehrenamtlich, nur bei einer Inanspruchung von mehrtägiger Dauer kann neben der Verpflegung eine geringe Entschädigung gewährt werden.“
Artikel: Barmer Zeitung und Handelsblatt 100 (27.2.1933)
26.2.1933 Sonntag morgen Razzia im Gewerkschaftshaus (WZ vom 27.2.1933)
SA und Polizei durchsuchten um 7:15 Uhr das Gewerkschaftshaus in der Wittensteinstraße Ecke Haspeler Straße in Unterbarmen : „Nach dem Polizeibericht wurden vier Karabiner, 13 Pistolen, 137 Schuss Pistolenmunition, 15 Schuss Karabinermunition, mehrere Hieb- und Stichwaffen sowie eine SA-Mütze […] beschlagnahmt.“1 Die Waffenfunde im Gewerkschaftshaus führten am 28. Februar zur vorläufigen Schließung des Gewerkschaftshauses.
BMZ vom 27.2.1933: Die Polizei hat das […] rote Gewerkschaftshaus abgeriegelt und nach Waffen durchsucht.
Sowohl im Gewerkschaftshaus als auch in Wohnungen von Kommunisten seien SA-Uniformen gefunden worden. „Die Tatsache des Vorhandenseins von SA-Uniformen läßt selbstverständlich nur den einzig möglichen Schluß zu, dass die Banden der Eisernen Front und der Kommunisten als SA-Männer verkleidet auf die Straße gingen, um den wütendsten Terror zu entfalten. Mit der Auffindung der Kleidungsstücke dürfte so manch eine Schauermär von Schandtaten einzelner SA-Männer geklärt sein. Zu diesem Kapitel zählt selbstverständlich auch der Überfall auf einige Mitglieder zentrümmlicher Jugendverbände. Bekanntlich wurde dieser Vorfall von der Zentrumspresse und dem Zentrum selbst zu einer üblen Hetze benutzt, in deren Dienst sich auch ein Teil der `neutralen´ Presse im Wuppertal stellte. Die Beschlagnahme der SA-Uniformen beweist eindeutig, dass, wie wir bereits früher behaupteten, gemeine Überfälle, die angeblich von SA-Männern ausgeführt worden sein sollten, die Taten marxistischer Provokateure waren.“
Artikel: 28.2.1933 RGA
Artikel: 27.2.1933 Barmer Zeitung
26.2.1933 abends Hesselnberg Kommunisten demonstrieren parolenrufend durch den Hesselberg, „Nieder mit der braunen Mordpest“ Sie beschießen angeblich eine Polizeistreife (WZ vom 28.2.1933) Die Täter entkamen unerkannt.
26.2.1933 »Wieder ein blutiger Sonntag« – der 26. Februar 1933 in der Wirkerstraße
Der »Barmer Blutsonntag« motivierte die KPD und ihre militante Basis, der SA bei nächster Gelegenheit bewaffnet und organisiert entgegenzutreten. Vergleichbare Angriffspläne und Vorbereitungen sind auch für Solingen und Remscheid belegt. Eine Woche nach dem »Blutsonntag
von Barmen« und dem Angriff von kommunistischen Aktivisten auf SA-Angehörige auf dem Rott ergab sich die Gelegenheit.
Am Nachmittag zogen die SA-Männer mit Polizeibegleitung Richtung Elberfelder Nordstadt. Hier wollte die SA durch die Wirkerstraße demonstrieren, die als eine ausgewiesene kommunistische Hochburg galt, in der u.a. der Elberfelder KPD-Funktionär Otto Böhne lebte und von der bekannt war, dass sich sowohl Jugendliche als auch die Militanten vom »Kampfbund« in bewaffneten Häuserschutzstaffeln organisiert hatten.
In der Mitte der Straße kam es um 14.00 Uhr zu einem längeren Feuergefecht. Aus den Häusern und von den Dächern beschossen Militante den SA-Aufmarsch. Der Feuerüberfall war wohl geplant, alle Akteure konnten nach der Aktion über die Dächer fliehen. Und kostete zunächst keine Menschenleben. Es gab allerdings Schussverletzte unter den SA-Männern und ein Polizeipferd wurde angeschossen. Die SA-Männer hatten rechtzeitig Deckung in den Hauseingängen gesucht und die Schutzpolizisten schossen zurück.
Die Nachricht von den Schießereien im »Petroliumsviertel« ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Viele glaubten, »es ginge jetzt mit dem Aufstand gegen Hitler los«. Sympathisant:innen der linken Parteien strömten in die Nordstadt, mussten aber ansehen, dass der »bewaffnete Spuk« schnell vorbei war. Zwar konnten die Schützen unerkannt über die Dächer, Hinterhöfe und Keller verschwinden. Aber die Polizei hatte den vermeintlichen Beginn des Bürgerkrieges mit allen verfügbaren Mitteln schnell im Griff.
Um 15:00 Uhr wollte die Schutzpolizei die neugierigen Passant:innen von den Straßen der Nordstadt vertreiben und drohte mit dem Einsatz von Schusswaffen, wenn die Straßen
nicht geräumt würden und Fenster geöffnet blieben. Polizisten eröffneten dann an mindestens zwei Stellen das Feuer auf die Neugierigen und erschossen zwei Unbeteiligte. In der Wülfratherstraße 47 wurde Rudolf Siethoff, ein Schlosser und Sozialdemokrat, in seiner Wohnung erschossen. An der Wülfratherstraße/Ecke Brunnenstraße starb der nicht uniformierte Nationalsozialist Willi Hammes durch eine Polizeiwaffe. Mittlerweile hatte die Schutzpolizei Verstärkung in die Nordstadt
mobilisiert. Ein Panzerwagen stand in Reserve und die Polizei umstellte das vermeintliche Aufstandsquartier, führte umfangreiche Haussuchungen durch und nahm vorübergehend einen Großteil der Bewohner:innen der Wirkerstraße zum Verhör in die Von-der-Heydts-Gasse mit.
26.2.1933 Propagandaaufmärsche der NSDAP. Die Sicherung erfolgt durch die 2. u. 4. Pol. Bereitschaft und 2 Revierhauptmannschaften.
Flugblatt des RFB
„Nazi-Göring schießt im Petroliumviertel! Hier unsere Antwort. Gestern demonstrierten Hitlers blutige Horden nicht wie vorgesehen durch die Stadt, sondern durch die Arbeiterviertel, nachdem die blutigen Banditenführer auf dem Neumarkt die SA durch einige Reden aufgestachelt hatten. Klassengenossen! Der Weg, den diese Verbände des dritten Blutreiches gingen, zeichnete Blut! Ungeheuerlich war die Provokation der Faschisten, besonders die Wirkerstr. wurde von diesen Burschen gemeinsam mit der Polizei unter Feuer genommen. Wahllos wurde geschossen, auch auf Häuser, in denen nur christliche Arbeiter wohnen. Aber als diese braunen Arbeitermörder sahen, dass die Arbeiter sich nicht niederknallen ließen wie Hunde, als die Arbeiter mit den gleichen Mitteln heimzahlten, fielen die blutigen Kämpfer von Hitlers Blutreich auf die Bäuche, andere zeigten, dass sie laufen konnten wie Hasen. Klassengenossen! Das war eine Probe von dem, was Hitler den Arbeitern versprach. 2 Tote und 5 Verletzte das Ergebnis dieses Aufmarsches! Klassengenossen! Der Radiobericht meldetete Samstagabend [sic]. Heimkehrende Nazis von Kommunisten beschossen! Die Nazis demonstrierten durch die Wirkerstr. Auch ihr wisst es, dass das nicht stimmt! Klassengenossen! Entwaffnung dieser Bandten!!! Bewaffnung der Arbeiterschaft! Organisiert den Massenselbstschutz! Für die proletarische Revolution! RFB“2
Wieder ein blutiger Sonntag“, in: FP 27.2.1933.
Anilinstraße Vogelsaue Gefahr für den Aufmarsch der SA, „da bei früheren Anlässen Züge in dieser Gegend beschossen worden waren.“ Polizei will die Straße räumen, keiner reagiert, drei Karabinerschüsse feuern die Polizeibeamten ab, „wodurch ein Arbeiter aus Elberfeld durch einen Lungendurchschuss schwer verletzt wird.“
An der Wupperstraße soll sich nach dem Bericht ein Teil der Elberfelder Demonstranten von dem nach Barmen weiterziehenden Hauptzuge getrennt haben und durch die Elberfelder Nordstadt gezogen sein. In der Wirkerstraße soll die Spitze dieses Zuges „starkes feuer aus den Häusern zu beiden Seiten der Straße“ erhalten haben. Dabei soll das Pferd des an der Spitze reitenden Polizeiwachtmeisters einen leichten Halssteckschuß erhalten haben. Die Polizei habe das Feuer erwidert. Während des Weitermarsches sollen dann noch vereinzelte Schüsse auf die Demonstranten abgegeben, Verluste unter den Demonstranten jedoch nicht entstanden sein.
In der Wülfratherstraße soll nach dem Bericht eine polizeiliche Absperrungsabteilung Gruppen von Kommunisten wiederholt aufgefordert haben, die Straße zu räumen. Darauf soll erwidert worden sein: „Schießt doch, ihr Blödmänner! Als der Aufforderung eines Polizei-Offiziersanwärters zur Räumung der Straße keine Folge geleistet worden sei, hätten die Beamten geschossen.
Ecke Wülfrather- und Charlottenstraße sowie Ecke Wülfrather- und Brunnenstraße sei je ein Mann durch Kopfschuß getötet worden.
SA-Mannes Hammes wurde aber nicht Opfer des „roten Morden“, wie die NS-Zeitung behauptete, sondern Opfer eine Polizeikugel.
„Hannes befand sich nicht unter den Demonstranten, sondern unter den Zuschauern. Als der Demonstrationszug längst vorbeimarschiert war, wollte die Polizei die Ecke Wülfrather- und Schmiedestraße immer noch „säubern“, und als das nicht schnell genug ging, schoß sie in die bereits auseinanderstiebende Menge, in der sich auch Hannes befand und den Schuß erhielt. Hannes trug Zivilkleider und unter seinem Rock das Hakenkreuz. Mann sieht an diesem einen Beispiel wieder, wie die Nazi-Zeitung „Opfer des roten Mordes“ zustandebringt.! Wie blindwütig die Polizei infolge des Göringschen Schießerlasses in die Menge hineinschoß, geht auch daraus hervor, daß sogar ein Polizeioffizier einen Beamten, der in die Menge hineinschoß, zur Rede stellte mit den Worten: „Warum schießen Sie denn? Die Leute laufen doch schon!“
Ein am Fenster stehender „Kommunist“ soll nach der Nazizeitung durch Kopfschuss tödlich verletzt worden sein! Dieser „Kommunist“ war kein anderer als unser Parteifreund Siethoff aus der Wülfratherstraße. Er war nicht auf der Straße, sondern stand in seiner im ersten Stock gelegenen Wohnung hinter dem verschlossenem Fenster und hinter den Gardinen und erhielt dennoch diesen Schuß, der ihn tötete!
[…] Mit gezogener Pistole marschierten die Sturmführer vor ihren Abteilungen, mit blankem Spaten, mit Gummiknüppeln, Messern, Totschlägern und sonstigen Mordwerkzeugen bekundeten die „Kirchgänger“ ihre „friedliche“ Gesinnung. Durch die Charlottenstraße kommend, wollte ich in die Wülfratherstraße einbiegen. Plötzlich ein Kommando der Polizeibeamten: „Zurück!“ Und schon krachten Schüsse! Eine Kugel schlug gegen den Sockel eines Vorgärtchens. Von dem abspringenden Mörtel wurde ich und mein Begleiter getroffen. An dieser Straßenkreuzung (Wülfrather- und Charlottenstraße-Ecke war auch nicht die geringste Ansammlung zu bemerken! Aus einem Hause in der Wülfratherstraße wurden weiße Tücher geschwenkt. Rufe ertönten: Schupo nicht schießen! Krankenwagen! Dort war ein Bürger in seiner Wohnung schwer verletzt worden; er ist später gestorben. (Es handelt sich um unseren Genossen Siedhof [sic] Auf ein winziges Fenster wurden allein fünf Schüsse von der Polizei abgegeben! Frau und Tochter mußten aus der Wohnung flüchten. Dann drang die SA in diese Wohnung ein und nahm eine Haussuchung vor, drang auch in ein Schlafzimmer ein und suchte unter den Betten. Im Hause Wirkerstraße 29 drang Polizei in eine Einfahrt ein. Ein Schuß krachte, drang in ein Zimmer und blieb in der oberen Decke hängen.“
Die NS-Zeitung Wuppertaler Zeitung
„Feige hat sich der rote Straßenmob in seine Winkel verkrochen und wagte nicht mehr , seine gewohnten Provokationen vom Stapel zu lassen. Selbst in der Vogelsaue […] herrschte auffallende Ruhe. Ein Schreckschuß der Polizei genügte, um auch die letzten berüchtigten Kommunistenviertel
Fenster dieses Verbrecherviertels zu schließen.“
WZ vom 27.2.1933
„300 Schüsse auf SA“.in: WZ vom 27.2.1933.
„Wie der SA-Mann Hannes fiel – Mehrere SA-Leute schwer verletzt – Einer der roten Mordschützen von Polizei erschossen. […] Nach dem großen Aufmarsch in Wuppertal zog die Elberfelder Standarte durch die Straßen der Stadt. In der Wirkerstraße eröffneten die Kommunisten ein rasendes Schützenfeuer auf die SA. Es wurden ungefähr 300 Schüsse abgegeben. Hierbei wurden mehrere SA-Männer zum Teil schwer verletzt. Die Polizei erwiderte das Feuer und forderte die Bewohner auf, die Fenster zu schließen. In diesem Augenblick lief der Parteigenosse W. Hannes, Elberfeld, Humboldtstraße, zu seinen Kameraden. Plötzlich fiel ein Schuß und Pg. Hannes brach, von einem Halsschuß getroffen, tot zusammen. Die Polizei gab einen Schuß auf einen am Fenster stehenden Kommunisten ab und verletzte ihn tödlich durch Kopfschuß.“
„Ich hatt´einen Kameraden….“, in WZ vom 28.2.1933
„Die Spitze des Zuges hatte die Wirkerstraße in Elberfeld betreten, als aus den Häusern ein mörderisches Schnellfeuer auf die SA eröffnet wurde. Es erweckte den Anschein, als ob die Kommunisten teilweise mit Maschinenpistolen geschossen hätten. Die begleitende Polizei erwiderte das Feuer und tötete einen am Fenster stehenden Kommunisten. Die SA hatte verschiedene Verletzte; wie groß der Verlust der Kommunisten war, ließ sich noch nicht feststellen.
Wie sich das marxistische Gesindel für die Überfälle vorbereitet hatte, erhellt allein schon die Feststellung, dass die Marxisten aus den bekannten kommunistischen Vierteln Frauen und Kinder entfernt und nach Auswärts gebracht hatten, um diese bei eventuellen Maßnahmen der Polizei in Sicherheit zu wissen.
Einige Zeit nach dem gemeinen und hinterhältigen Überfall wurde Pg. Hammes von einer Kugel zu Boden gestreckt. Pg. Hammes (nicht Hannes), der zum Geburtstag seiner Schwiegermutter wollte, wurde beim Betreten der Straße durch einen Prellschuß getroffen, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Wieder liegt einer der Kämpfer für die Idee Adolf Hitlers am Wege. Siegesfroh und zuversichtlich wollte er nach dem gewaltigen Aufmarsch zu seinen Schwiegereltern, nicht ahnend, dass der Tod bereits auf ihn lauerte. In stolzer Freude ging er in den Tod und opferte sein Leben auf dem Altar des Vaterlandes. […] Voll Stolz und Vertrauen sah er in die Zukunft, bis dann plötzlich sein Lebensfaden brutal zerschnitten wurde. Nun liegt er in all seiner Jugend tot, kalt in seiner letzten Ruhestatt. […] An der Schwelle zum neuen großdeutschen Reich riß ihn der unerbittliche Tod hinweg. Auch sein Tod hilft uns hart und unerbittlich werden, gegen alles was undeutsch ist. Im Anblick eines neuen und besseren deutschen Vaterlandes wurde er von uns gerissen. Pg. Willi Hammes ist nun bereits der sechste Parteigenosse, der in Wuppertal sein Leben für Adolf Hitler hingab. Niemals werden wir sie vergessen, die freudig starben, damit wir leben konnten.
In Treue zu uns allen ließen sie ihr junges Leben, Mahnung und Ansporn zugleich ihrer Treue wert zu sein, nicht zu ruhen und zu rasten, bis zum endgültigen Siege.“3
27.2.1933 Montag vormittags Razzia gegen die Gebäude der Konsumgenossenschaft „Vorwärts-Befreiung“ und der sozialdemokratischen „Freien Presse“.
Zwei Bereitschaften durchsuchen das weitläufige Gelände und den riesigen Gebäudekomplex. Keine Waffen gefunden, bis auf die zur Bewachung zugestandenen Feuerwaffen mit zugehöriger Munition (BMZ vom 28.2.1933)
27.2.1933 Die sozialdemokratische Tageszeitung „Freie Presse“ erscheint zum letzten Mal. eingestellt.
27.2.1933 „In der Gepäckabfertigung in Barmen wurden 20.000 Exemplare einer illegalen Schrift und außerdem 15.000 Flugblätter, die als Tapeten deklariert waren, beschlagnahmt.“ (GA vom 1.3.1933)
27.2.1933 Königstraße KPDler schießt auf Nazi.
27.2.1933 21 Uhr Der Reichstag in Berlin brennt.
Hermann Göring: „Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandes, sie werden jetzt losschlagen! Es darf keine Minute versäumt werden!“
Hitler: „Es gibt jetzt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben. Jeder kommunistische Funktionär wird erschossen, wo er angetroffen wird. Die kommunistischen Abgeordneten müssen noch in dieser Nacht aufgehängt werden. Alles ist festzusetzen, was mit den Kommunisten im Bunde steht. Auch gegen Sozialdemokraten und Reichsbanner gibt es jetzt keine Schonung mehr.“
(beide Zitate nach: Hans-Ulrich Thamer, Der Nationalsozialismus, Stuttgart, Reclam, 2002, S. 119.)
Zeitungsartikel:
27.2.1933 Barmer Zeitung
27.2.1933 Barmer Zeitung
1.3.1933 GA
28.2.1933 Auch in Wuppertal beginnen Verhaftungsaktionen der Polizei gegen politische Funktionäre der KPD, insbesondere gegen Stadtverordnete der KPD und Funktionäre anderer kommunistischer Organisationen. Auch die von der SA, SS und Stahlhelm gestellte Hilfspolizei war beteiligt. Die Verhaftungslisten der politischen Polizei waren vom Höheren Polizeiführers des Westens, Oberst Stieler von Heidekampf, vorbereitet worden.
Eine genaue Zahl der Verhaftungen am 28.2.1933 ist nicht bekannt. Bisher sind mindestens 17 Verhaftungen von Wuppertaler Aktivist:innen dokumentiert (Otto Dattan, Franz Gottschalk, Willi Erlemann, Emil Witte, Walter Ankersen, Otto Böhne, Willi Spicher)
„Rechtsgrundlage“ war die bereits in der Nacht vorbereitete „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von von Volk und Staat“, die am frühen Vormittag des 28.2.1933 von Hindenburg unterzeichnet wurde. Mit der Notverordnung wurde eine verschärfte Form der „Schutzhaft“ eingeführt, mit der Personen ohne richterlichen Beschluss und ohne Rechtsbeistand
„auf unbestimmte Zeit“ inhaftiert werden konnten.
28.2.1933 /1.3.1933 In der Nacht demoliert die SA die Wohnung des KPD-Aktivisten von Heinrich Lünink in der Steinbeckerstr. 99 (Täter die SA-Männer Hilgers u. Weischet), Lünink kann entkommen.
28.2.1933 Schaufenster des Konsumfiliale Elsterstraße eingeworfen. Einbruch beim Freien Radiobund in der Gewerbeschulstraße. In der Hoch und Adlerstraßße wurden Naziplakate abgerissen. Polizeieinsatz dort und auch in Heckinghausen, Hausdurchsuchungen und Waffeneinsatz in der Ziegelstrasse.
28.2.1933 Hahnerberg Schießerei
28.2.1933 Ziegelstraße KPDler schießt auf Nazis
28.2.1933 Nachmittags Brand eines Gartenhauses am Blombacher Bach
28.2.1933 Nachmittags Brand eines Holzhauses in der Grünstraße in Ronsdorf
(2.3.1933 Barmer Zeitung)
28.2.1933 22.15 Ein verdächtiger Radfahrer wird vor einem SA-Heim von Polizeibeamten angeschossen.
28.2.1933 19 Uhr Gewerkschaftshaus und Gaststätte im Gewerkschaftshaus wegen der Waffenfunde geschlossen. Die Polizei durchsucht das Verlagsgebäude der Freien Presse, um zu überprüfen, ob trotz des Verbotes gedruckt worden sei.
1 Vgl. Scheibe, Dietrich/Wiegold-Bovermann, Margit: „Morgen werden wir die Gewerkschaftshäuser besetzen“. Die Zerschlagung der Gewerkschaften in Rheinland-Westfalen-Lippe am 2. Mai 1933, Essen 2003, S. 81. Vgl. Landesarchiv NRW OWL, Best. M 1 I P Nr. 627, Der höhere Polizeiführer im Westen, Morgenmeldung Nr. 5, Nr. 9. BArch B, St. 3 Nr. 376, Bl. 69; Generalanzeiger 1.3.1933; Düsseldorfer Nachrichten vom 2.3.1933; Dortmunder Zeitung vom 3.3.1933; Bergisch-Märkische Zeitung vom 27.2.1933; BMZ vom 1.3.1933.
2LAV NRW W, Flugblattsammlung F 72329.
3„Ich hatt´einen Kameraden….“, in WZ vom 28.2.1933.
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