29.01.2023Gedenkbuch Wuppertal
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer 1933 und die Chronologie 1933
Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.
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Pressemitteilung zur Veranstaltungsreihe 1933 Niemals vergessen!
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer
Über die Opfer des Terrors 1933 in Deutschland gibt es trotz jahrzehntelanger NS-Forschung bis heute nur ungefähre Schätzungen. Neuere Arbeiten gehen von 500 bis 1.000 Toten aus. In Wuppertal kennen wir zwar jetzt die Anzahl der Ermordeten und auch ihre Namen, aber über viele existieren bisher nur bruchstückhafte Informationen, die wie ein Mosaik zusammengesetzt werden müssen.
Die Verfolgten-Organisation VVN ging 1947 von bis zu 30 Toten aus, konnte aber in ihrer „Ehrenliste der Toten des Wuppertaler Widerstandes“ damals nur 14 Opfer namentlich benennen.
Die ältere Forschung seit 2004 basierte im Wesentlichen auf der Datenbank „Politisch Verfolgte des Nationalsozialismus“, die von 2001 bis 2004 im Rahmen des von Prof. Heinz Sünker und Dr. Dieter Nelles geleiteten Forschungsprojekts – Die „Kinder des Widerstands“. Lebensbedingungen und Sozialisation der Kinder von politisch und religiös Verfolgten des NS-Regimes – an der Bergischen Universität Wuppertal erarbeitet wurde – online: http://www.ns-verfolgung.uni-wuppertal.de/ David Mintert konnte 2007 u.a. auf dieser Datenbasis eine erweiterte Auflistung von 17 Getöteten vorlegen.1
Ausgehend von der genannten Datenbank und Minterts Recherchen haben wir 2022 zur Vorbereitung unseres Ausstellungsprojektes die schon bekannten Opfernamen und Sterbedaten nochmal intensiv kontrolliert. Dabei fiel uns auf, dass viele Informationen aus den Wiedergutmachungsakten den Angaben in den Sterbeurkunden und regionalen Tageszeitungen widersprechen.
Wir haben daher die Sterbeurkunden und die Wiedergutmachungsakten im Wuppertaler Stadtarchiv noch einmal überprüft. Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem konnten wir zudem die Bestände des Ministerium des Innern GStA PK, I. HA Rep. 77 auswerten und stießen bei der Recherche auf weitere Opfernamen. Wir haben sogar einzelne Obduktionsfotos finden können. Schließlich haben wir die Tageszeitungen aus dem Bergischen Land nach Polizeimeldungen und Artikeln untersucht. Zentral war auch die Auswertung der Nachkriegsprozesse gegen lokale SA- und SS-Täter, die im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland in Duisburg liegen.
Aus diesen Recherchen ergibt sich eine neue Opferliste mit 20 Namen, auch mit korrigierten Sterbedaten, die wir gerne mit der historisch interessierten Öffentlichkeit teilen möchten. .
Das erste Opfer der Nationalsozialisten war nach unseren neuen Recherchen Oswald Laufer. Er wurde am 7. März 1933 gegen 18:10 Uhr von SA-Männern beschossen und verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus. Das zweite Opfer war Heinrich Born. Er wurde ausweislich seiner Sterbeurkunde am 8. März 1933 vormittags tot auf einer Wiese am Otto-Hausmann-Ring aufgefunden, er war nach Zeugenaussagen zuletzt am 7. März um 21:00 Uhr noch lebend gesehen worden.
Aus den Recherchen ergab sich auch, dass politische Gegner schon vor dem 7. März 1933 von Nazis schwer verletzt wurden, aber erst später starben. So wurde Friedrich Stracke schon im Februar 1933 angeschossen (ein genaues Datum ist nicht bekannt), verstarb aber erst am 7. Mai 1933. Paul Reuber wurde am 2. März 1933 angeschossen und starb am 18. März 1933 im Krankenhaus.
Mindestens 7 weitere Antifaschisten wurden 1933 von den Nazis angeschossen, aber überlebten. Namentlich bekannt sind: Josef Leßmann (Katholik), Wilhelm Gröb (KPD), Werner Pommerenke (KPD), Heinrich Bender (Reichsbanner), Ewald Fecker (KPD), Friedrich Schmidt (SPD), Gustav Waselowski.
1 Vgl. David Magnus Mintert: Das frühe Konzentrationslager Kemna und das sozialistische Milieu im Bergischen Land, Bochum 2007, S. 111.
Die ersten Wuppertaler NS-Opfer
(Forschungsstand vom 5.2.2024)
7.3.1933 Oswald Laufer (8.4.1905 in Elberfeld), Jude, SPD/Reichsbanner, Wilhelmstraße 45, Kaufmann, Er wurde am 7.3.1933 um 18:15 Uhr von SA-Männern in der Wilhelmstraße angeschossen und im Krankenhaus St. Josef gestorben (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 523)
8.3.1933 Friedrich Born (1.2.1901 in Elberfeld), RFB/KPD, Bauarbeiter, Simonsstr. 69. Er wurde am 8.3.1933 tot auf einer Wiese am Otto-Hausmann-Ring aufgefunden. Born wurde am 7.3.1933 um 21:00 Uhr zuletzt lebend gesehen. (StAW, AfW Nr. 77787; StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 525)
9.3.1933 Karl Altenloh (14.2.1903), Transportarbeitergewerkschaft, Kutscher, Heckinghausenerstr. 213. Er wurde am 8.3.1933 an der unteren Werléstr von zwei unbekannten SS-Leuten mit einer Pistole in den Kopf geschossen Er starb am 9.3.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Barmen Nr. 550) (StAW, AfW Nr. 77399.)
18.3.1933 Paul Reuber (13.7.1898), KPD, Bauarbeiter, Baumstr. 12. Am 2.3.1933 wurde Paul Reuber an der Neviandtstraße vom SA-Mann Fritz Faulenbach angeschossen. Er starb am 18.3.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 573)
30.3.1933 Margarete Quint (28.10.1910 in Abtei Landkreis Trier), Leimbacherstr. 42. Sie war ein Zufallsopfer. Sie wurde am 29.3.1933 an der Bruderstraße (heute vorderer Teil der Bogenstraße) von SS-Männern, die bei einer Hausdurchsuchung bei kommunistischen Aktivisten scharf schossen, durch einen Querschläger schwerverletzt. Sie starb am 30.3.1933 im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 77, Tit.4043 Nr. 127, Bl. 421; StaW, Sterbeurkunde Barmen Nr. 666)
2.4.1933 August Klein (24.3.1872 in Barmen), KPD, Mitglied der ehemaligen RFB-Kapelle, Arbeiter, Wiesenstr. 69 in Langerfeld, Klein wurde am 1.4.1933 um 0:45 Uhr in der Höfenstr. 27 von einem SA-Mann angeschossen. Er erlitt einen Bauchschuss und starb am 2.4.1933 im Barmer Krankenhaus. (Todesbescheinigung, LAV NRW R, Gerichte Rep. 29 Nr. 24, Bl. 9c.)
5.4.1933 Wilhelm Brüninghaus (47), Kaufmann, Karlstraße, wird von den SA-Leuten Benno Gottschalk und Ernst Pira im Wäldchen an der Bremerstrasse erschossen. Er wurde um 23:15 Uhr mit einen schweren Schussverletzung aufgefunden. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. (Freiheit vom 13. Juli 1948; GA vom 7.4.1933)
7.5.1933 Friedrich Stracke (3.1.1878 in Emmerich), KPD, Gärtner, Freilingrathstr 21. Er wurde am 2.3.1933 von Nationalsozialisten angeschossen (Bauchschuss) Er starb am 7.5.1933 (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 838; 4.3.1933 BZ (Barmer Zeitung).
16.5.1933 Alfred Meyer (24.3.1898 in Würzburg), Zahnarzt, Helmutstr. 32. Alfred Meyer wurde am 16.5.1933 um 15:00 Uhr von 4 SA-Männern aus einer Wohnung in Düsseldorf entführt, ermordet und in der Bever-Talsperre versenkt. Seine Leiche wurde am 17.5.1933 entdeckt. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53389)
25.6.1933 Werner Dreyer (2.6.1907 in Elberfeld), SPD/Reichsbanner, Former, Neue Friedrichstr. 55, Er wurde am 15.6 von SA-Leuten an der Ecke Ludwigstraße und Georgstraße angeschossen. Er wurde um 23:45 Uhr an der Kreuzkirche in der Ludwigstraße gefunden. Dreyer starb am 25.6.1933 im Krankenhaus St. Josef. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1072; GA vom 16.6.1933)
25.6.1933 Erwin Kraehkamp (18.10.1906 in Elberfeld), KJVD, Bauarbeiter Paradestraße 74. Er wurde am 24.6.1933 um 4:00 Uhr von SA-Leuten am Hombüchel/Höhe ehemaliges Volkshaus angeschossen, er starb am 25.6.1933 im Krankenhaus. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1103)
26.6.1933 Hans Goersmeier (11.7.1905 in Elberfeld), KPD, Kutscher, Notwohnung Am Giebel 17. Er wurde von SA-Männern und Polizei um 2:30 Uhr aus seiner Wohnung geholt und verschleppt. Am 26.6.1933 wurde er in einem schmutzigen Tümpel in der Beek in Elberfeld tot aufgefunden. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1088)
26.6.1933 Wolfram Custin (16.10.1913 in Elberfeld), SPD/Reichsbanner, Simonsstraße 79. Frühmorgens auf der Flucht vor der SA vom Dach gestürzt und gestorben. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1091)
27.6.1933 Fritz Dähler (29.6.1909) wurde am 27. Juni 1933 um etwa 4:00 Uhr morgens von einen SA-Mann und einem Schutzpolizisten aus der Wohnung in der Wirkerstr. 26 geholt. Unten warteten zwei Autos mit 6-7 SA-Leuten. Fritz Dählers Leiche wurde am 28.6.1933 mit zwei Schussverletzungen 15 m von der Nordratherstraße (Nordrath 9)i n einem Wäldchen nahe des Deilbachstals aufgefunden. (Wiedergutmachungsakte Abraham Dähler, StAW AfW, W-11158; Wiedergutmachungsakte Erwin Dähler StAW AfW, W-11159; LAV NRW R, Gerichte, Rep. 5/834)
29.6.1933 Andreas Milfried (24.11.1896 in Vohwinkel), KPD, Bauarbeiter, Siegersbusch 153. Er wurde in der Nacht zum 29.6.1933 von einem Trupp SA-Männer verhaftet. Am 29.6.1933 frühmorgens fand man ihn u.a. durch Kopfschüsse getötet im Neandertal bei Erkrath. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 5340)
29.6.1933 Friedrich Merseburg (1.3.1902 in Aken, Kreis Calbe), KPD, Kampfbund gegen den Faschismus, Heizer, Mainstr. 25. Er wurde am 28.6.1933 von SA aus seiner Wohnung geholt und in der Nähe von „Gut Steinberg“ angeschossen. Er schleppte sich noch in die Hofschaft Wiesenhaus 1 und wurde dort um 4 Uhr Morgens auf einer Treppe schwerverletzt aufgefunden. Er starb am 29.6. im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53399; StAW, AfW Nr. 12372.)
30.6.1933 Friedrich Strunk (12.8.1900 in Barmen), Bandwirker und Tuchmacher, Notwohnung Clausenhof 42, Strunk wurde am 30.6.1933 um kurz nach 0:10 Uhr morgens von acht SA-Männern aus seiner Wohnung herausgeholt und unter der Clausenbrücke mit Schüssen schwerverletzt. Er wurde in der Höhe der Clausenstr. 47 gefunden und starb im Krankenhaus. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53402)
30.6.1933 Johann Paul Ellerhold (16.9.1903 in Düsseldorf), KPD, Kampfbund gegen den Faschismus, Düsseldorf-Gerresheim Steinweg 10. Der Düsseldorfer wurde am 30. Juni 1933 in Düsseldorf verhaftet und war seitdem verschwunden. Am 3.7.1933 wurde morgens an der Ronsdorfer Talsperre eine Holzkiste mit seiner Leiche angeschwemmt. Laut Obduktionsgutachten lag seine Leiche schon 2-3 Tage im Wasser. Seinen Körper hatten die offensichtlich ortskundigen Mörder in eine Holzkiste gezwängt und in die Ronsdorfer Talsperre geworfen, wo sie am 3.7.1933 in der Nähe der Staumauer entdeckt wurde. Eine sichere Todesursache hat die Leichenöffnung nicht ergeben. „Einige Anzeichen sprechen für einen Erstickungstod.“ (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53399; StAW, AfW Nr. 53405)
5.7.1933 Julius Henning (12.1.1898 in Elberfeld), KPD, Bauarbeiter, Exerzier-Platz 46 a. Von SA-Männern auf der Deweerthstraße angeschossen und auf dem Transport ins Krankenhaus verstorben. (StaW, Sterbeurkunde Elberfeld Nr. 1139)
26.7.1933 Max Kramer (24.9.1898 in Döbritschen), KPD, Steinbrecher aus Gruiten, Fliederstr. 3. In der Nacht zum 26.7.1933 um ein Uhr drangen SA-Männer und andere Nationalsozialisten in seine Wohnung ein und entführten ihn. Er wurde bereits um 2:00 Uhr morgens in der Beek in Elberfeld tot aufgefunden. (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 53407)
Wuppertaler Chronologie 1933
1.1.1933 0:30 Uhr Nazis greifen Reichsbanner-Mann am „Braunen Haus“ an der Loher Straße /Allee an. (Freie Presse)
1.1.1933 (?) In der Dörnerbrücken Straße in Barmen versuchten SA-Banditen eine alleingehende Arbeiterfrau niederzuschlagen, was durch gemeinsame Abwehr der antifaschistischen Arbeiter verhindert wurde. (Freiheit)
1.1.1933 KPDler schießt auf Nazi auf der Haspelerstr. (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
1.1.1933 3.45 Uhr Politische Schlägerei zwischen 4 Nazis und drei Andersdenkenden.
Ein Mann wurde erheblich am Kopfe verletzt. (3.1.1933 GA)
1.1.1933 Streik bei Zinn und Engels in Heckinghausen (nur im Walzwerk)
2.1.1933 Ausschreitungen vor den Fabrikgebäuden der Robert Zinn, Engels & Co. in der Lenneper Straße
3.1.1933 GA Eine von Erwerbslosen errichtete Blockhütte in Ronsdorf in der Nähe der Neustraße (Blutfinke ) wurde erheblich beschädigt.
3.1.1933 Nazi greift Kommunisten am Höchsten an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
3.1.1933 Nazi greift Kommunisten an der Breitestraße (Tannenbergstraße) in Elberfeld an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
5.1.1933 Reichsbanner-Aktivist greift Nazi am Alten Markt an (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
5.1.1933 Der Vohwinkler Nationalsozialist H. [Aloys Herzig], der den kommunistischen Arbeiter Fritz Klaus am 27. Juni 1932 erschossen hatte, fällt unter Amnestie. Die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg und Waffenbesitz wird fallengelassen. (BMZ vom 6.1.1933)
5.1.1933 „Wieder ein Nazi-Revolverheld. Festgenommen wurde Donnerstagabend auf dem Altenmarkt ein uniformierter Nazimann, der einem Zusammenstoß mit Erwerbslosen provozierte, die aus der Elberfelder Stadthalle zurückkehrten.“
6.1.1933 „Jugend will arbeiten“. Im Barackenlager der FAD an der Wupper in Evertsaue (FP vom 6.1.1933)
9.1.1933 BMZ vom 10.1.1933 13 köpfige kommunistische Einbrecherbande „unschädlich gemacht“. Auch Vorstandsmitglieder des Roten Sportklub Vohwinkel sind inhaftiert.
9.1.1933 Der SA-Sturm 6 muss ihr SA-Heim in der Falkenstraße (Möwenstraße) verlassen und zieht in die Scheurenstr. 6 (FP vom 9.1.1933)
9.1.1933 Die deutschnationale BMZ ist erfreut: „13 köpfige kommunistische Einbrecherbande „unschädlich gemacht“. Auch Vorstandsmitglieder des Roten Sportklub Vohwinkel sind inhaftiert. (BMZ vom 9.1.1933)
10.1.1933 38 Selbstmorde in Wuppertal in einem Vierteljahr. (FP vom 10.1.1933)
12.1.1933 Nazi-Provokation am Ölberg (FP vom 13.1.1933)
12.1.1933 Nazis werfen Schaufenster der Geschäftsstelle der Freien Presse in der Reformierten Kirchstraße (Zwinglistraße) ein. (FP vom 12.1.1933)
13.1.1933 SA-Provokation in Heckinghausen. 150 SA-Männer treffen auf 400 Gegendemonstranten
„Am 13. Januar 1933 traf der Demonstrationszug in Stärke von etwa 150 SA-Männern an den Straßenkreuzungen Werlé-, Ziegel- und Rübenstraße auf etwa 400 Gegendemonstranten. Der Polizeibericht, der die Schuld an der Auseinandersetzung der „kommunistischen Hetze“ gab, schilderte den Zusammenstoß wie folgt: „Es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der von den Beteiligten auch etwa 15 Schüsse abgefeuert wurden. Das verstärkte Überfallkommando der Polizei konnte mithilfe der Polizeiknüppel der Schlägerei ein Ende machen. Auch in Gegenwart der Polizeibeamten fielen noch einige Schüsse aus der Menge. Erst als die Beamten 7 Schreckschüsse abfeuerten, flüchteten die Kommunisten, worauf die Nationalsozialisten ihren Aufzug fortsetzen konnten. Ein 17jähriges Mädchen wurde mit einer Schussverletzung am Hinterkopf in ein Krankenhaus geschafft.“
(„Die Schießerei in Heckinghausen“, in: Täglicher Anzeiger TA 16.01.1933).
14.1.1933 Kampfkongress der NSDAP. Zwei Fackelmärsche in Barmen und Elberfeld, die zum Bismarck-Turm führen. Der Turm war von roten bengalischen Fackeln beleuchtet. Weihung der „Kongressfahne“. (BMZ vom 16.1.1933)
14.1.1933 Fackelzug der Nazis und große Gegenaktionen
15 SS-Leute in der Wertherstraße und Berlinerstraße schwer verletzt. Polizei schießt in Elberfeld auf Antifaschisten, in der Südstraße Auseinandersetzungen mit Nazis
(„Rotes Wuppertal bricht Naziterror“, in: Freiheit vom 15.1/16.1933)
14.1.1933 Rittershauserstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
14.1.1933 Königstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
15.1.1933 Wall Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
15.1.1933 Reitbahnstraße Reichsbanner schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
16.1.1933 Razzia bei Hans Dallmann (KPD)
16.1.1933 Versammlung aller Sattler und Polsterer, im Lokal Butzen Höchsten: Thema RGO und Freie Gewerkschaften
18.1.1933 „Am 18. Januar 1933 um 21:00 Uhr eskalierte die Situation zu einem lang anhaltenden Feuergefecht, nachdem der etwa 250 Mann umfassende SA-Zug in der Rübenstraße von Anwohner aus den Fenstern mit Flaschen und Steinen beworfen worden war. Im Polizeibericht ist von annähernd 50 Schüssen die Rede. „Pressestelle des Polizeipräsidenten“, in: GA 19.01.1933;
„Wieder schwere politische Zusammenstöße in Heckinghausen“, in: TA 20.01.1933.
Zitiert nach David Mintert, Kemna .
„Mit Flaschen und Steinen“. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt mit: Mittwoch gegen 21 Uhr wurden die Teilnehmer eines Umzuges der NSDAP in Stärke von etwa 250 Mann in der Rübenstraße zwischen Acker- und Werlestraße und an der Ecke Werle- und Ziegelstraße von den Anwohnern aus den Fenstern mit Flaschen und Steinen beworfen. Der Aufforderung der Begleitkommandos, die Fenster zu schließen, wurde keine Folge geleistet. Erst als die Beamten von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machten und annähernd 50 Schüsse abgegeben hatten, trat Ruhe ein. Durch die Steinwürfe aus den Fenstern wurde ein Zugteilnehmer am Kopf verletzt. Kurz darauf wurde das Überfallkommando , dass zur Säuberung der Straße eingesetzt war, an der Ziegelstraße ebenfalls mit Flaschen beworfen. Die Beamten mussten in zwei Fällen von der Schusswaffe Gebrauch machen. Ob die Schüsse Personen- oder Sachschaden zur Folge hatten, steht noch nicht fest. Gegen 22 Uhr kam es am Herzogplatz erneut zwischen den heimkehrenden Zugteilnehmern und politisch Andersdenkenden zu Zusammenstößen. Hierbei fielen mehrere Schüsse. Verletzungen sind anscheinend nicht vorgekommen. Die Streitenden wurden von der Polizei zerstreut.“ (BMZ vom 21.1.1933)
18.1.1933 Rübenstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
18.1.1933 Ziegelstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
18.1.1933 Herzogplatz (Görlitzer Platz) Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
19.1.1933 SA-Zug durch Barmen, In der Bogen- und Hochstraße schießen Kommunisten auf die SA (Freiheit vom 21.1.1933)
19.1.1933 Wertherstraße Nazis schießt auf Kommunist Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
19.1.1933 Dörnerbrückenstraße Kommunist schießt auf Nazi (Geheimes Preuß. Staatsarchiv)
25.1.1933 Hungermarsch in Barmen (Freiheit vom 26.1.1933)
25.1.1933 Nazi-Veller und die „Freiheit“ (FP vom 25.1.1933)
25.1.1933 SA-Mann Karl K. überfallen
Die Nazi-Zeitung „Wuppertaler Zeitung“ berichtet:
„Am 25. Januar kam es dann zu einem ernsten Überfall. Der kommunistische Fremdenlegionär Balewsky, der obendrein noch staatenlos ist, lauerte dem SA-Mann und fiel mit einer Horde gleichgesinnter Banditen über ihn her. Im Bewusstsein ihrer Übermacht schlugen sie den Parteigenossen nieder und misshandelten ihn schwer, so dass er eine schwere Kopfverletzung davontrug und in ärztliche Behandlung gebracht werden musste.
Derartige Überfälle, die sich in der letzten Zeit wieder erschreckend mehren, sollen in der berüchtigten kommunistischen Zentrale Wiesen vorbereitet werden. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Polizei diesem Schlupfwinkel der bolschewistischen Untermenschen etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt und vor allem einmal die dort befindliche alkoholfreie Wirtschaft in polizeiliche Obhut nimmt.
Zum größten Teil ist das kommunistische Mordgesindel in der Feuerwerksfabrik der Firma Heintzen [?] beschäftigt; der überfallene SA-Mann ist ebenfalls dort beschäftigt. Wenn die Polizei hier nicht recht bald für Ordnung sorgt, dann werden die Vohwinkler SA-Männer selbst den Schutz ihrer bedrohten Kameraden übernehmen müssen. Denn wir Nationalsozialisten denken nicht daran unsere Parteigenossen wie Freiwild auf der Strecke niederschlagen zu lassen.“
(„SA-Mann niedergeschlagen“, in: WZ vom 31.1.1933)
26.1.1933 SA-Männer erschießen in Dresden in einer kommunistischen Versammlung 9 Menschen.
27.1.1933 (GA) Wuppertal hat die meisten Tumultschäden und Ausschreitungen neben Duisburg-Hamborn im Regierungsbezirk Düsseldorf.
28.1.1933 Protestaktionen wegen der erschossenen Arbeiter in Dresden und Köln (Rommelspütt, Platz der Republik, Petroliumsviertel)
28.1.1933 Die Rotationsmaschine der kommunistischen Tageszeitung „Freiheit“ wird beschlagnahmt auf Anweisung des Oberreichsanwalts wegen Hochverrat.
28.1.1933 Antikriegsversammlung der KPD (10 Jahre Ruhrbesetzung) Stadtsaal Vohwinkel Kaiserstraße
29.1.1933 Demonstration der sozialdemokratisch dominierten Eisernen Front durch Wuppertal
29.1.1933 Zusammenstoß von Reichsbanner mit Nationalsozialisten an der Ecke Aderstraße und Distelbecker Straße. (WZ vom 31.1.1933)
29.1.1933 Aus einem Haus in der Distelbeckerstr. bewirft ein Nazi den Demozug der Eisernen Front mit einem Kanonenschlag. Den Nazi können sozialdemokratische Demonstranten aber einfangen und der Polizei übergeben. (FP vom 30.1.1933)
30.1.1933 Der Tag beginnt in Wuppertal mit einem Streik von 70 Arbeiter:innen der Gummibandwirkerei Kehrenberg in der Springerstraße, der sich gegen Lohnabbau richtet.
Am Vormittag wird die Ernennung Adolf Hitlers in Berlin bekanntgegeben. Während in Berlin abends die SA-Kolonnen zur Siegesparade marschieren, demonstrieren in Wuppertal an mindestens drei Orten Antifaschist:innen.
Für 17:00 Uhr wird auf den Barmer Rathaus-Vorplatz mobilisiert. Der Barmer Demo-Zug mit etwa 1.000 Teilnehmer:innen geht über den Hohenstein nach Elberfeld. »Kleine Gruppen«, so die Erinnerung des Jungkommunisten Karl Ibach, »tauchten blitzartig in den Wohngebieten nationalsozialistischer Wähler und Parteimitglieder auf, skandierten Protestparolen und verschwanden in den Seiteneingängen und dunklen Straßen, ehe die Nationalsozialisten reagieren konnten.«
Auch in Ronsdorf findet eine antifaschistische Demonstration statt.
Eine weitere Demonstration geht vom Petroliumsviertel in die Elberfelder Innenstadt.
In der Nacht liefert sich die SA mit Reichsbanner-Einheiten vor der
Konsumzentrale und dem Gewerkschaftshaus heftige Auseinandersetzungen. (»Nazi-Exzesse in Unterbarmen« (FP 31.1.1933)
Ebenfalls in der Nacht zum Dienstag zertrümmerten Nazis zwei große Schaufensterscheiben des (jüdischen) Damenhutgeschäftes L.Fleischhacker an der Wertherstraße. (Bergische Tageszeitung (BTZ 1.2.1933)
Am 30. Januar 1933 warten die Anarcho-Syndikalisten auf ein Signal zum Losschlagen gegen die Nazis, sie hofften, daß sich das Reichsbanner und vor allem die Kommunisten dazu entschließen würden. Trotz der starken ideologischen Differenzen gab es in Unterbarmen so etwas wie eine proletarische Einheitsfront von unten. Das Viertel wurde gemeinsam bewacht und es kam oft zu gemeinsamen Absprachen und Aktionen gegen die Nazis, aber auch, wenn es zum Beispiel darum ging, Familien, die ihre Miete nicht mehr bezahlen konnten, vor der Zwangsräumung zu bewahren. Wie wir leider wissen, kam es nicht zu größeren Erhebungen gegen die Nazis. Zwar gab es nach 1933 noch eine Demonstration und die SA wagte sich die ersten Monate noch nicht alleine in die Arbeiterviertel, aber an größere Widerstandsaktionen war nicht mehr zu denken. Schon bald gab es die ersten Verhaftungen. Als ersten erwischte es Helmut Kirschey, der auch im Hause der Benners wohnte. Er wurde auf der Straße von SA-Leuten erkannt. Sein Glück war es, daß sich ein Menschenauflauf bildete und die Polizei ihn in Gewahrsam nahm, die Festnahme durch die SA hätte seinen Tod bedeuten können.
Eugen Benner wurde im Mai 1933 zusammen mit seinen Brüdern Fritz und Willi verhaftet – Fritz Benner hatte in seinem Betrieb am 1. Mai noch eine Rede gegen die Nazis gehalten. Zusammen mit Fritz kam Eugen ins KZ Börgermoor, bis Anfang 1934. (Nachruf Eugen Benner)
31.1.1933 Am Morgen verteilen Kommunist:innen zu Beginn der Frühschicht an den Toren von Elberfelder Fabriken Aufrufe zum Generalstreik, die allerdings in keinem Betrieb befolgt wurden. „Die Arbeiter nahmen uns die Flugblätter schweigend ab, doch ohne dem Streikaufruf zu folgen. Verraten [d.h. angezeigt] wurde niemand von uns«, berichtete Ernst Hoffmann (KJVD).
Erst am Abend des 31.1.1933 ruft die NSDAP zum Fackelmarsch durch Wuppertal.
Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr am Barmer Rathausvorplatz. An dem sich anschließenden Fackelmarsch nach Elberfeld beteiligen sich etwa 3.500 Personen. Aber der Siegesmarsch der Nazis hat es nicht leicht. Bei der Auftaktkundgebung am Rathaus stimmen plötzlich Antifaschist:innen die Internationale an: »Die in vier Gliedern vor der Freitreppe aufgestellte SA machte darauf eine kurze Kehrtwendung, durchbrach die Menschenmenge und säuberte, unterstützt von der Polizei, in wenigen Minuten den Platz. Dabei fielen von unbekannter Seite drei oder vier Schüsse, durch die der 25 Jahre alte Nationalsozialist Werner Martini […] am Bein verletzt wurde.« Auch auf dem
Weg nach Elberfeld gab es weitere Zwischenfälle. Ein SS-Mann verfolgt mit der Waffe in der Hand einen »Störer« bis in den »Wuppertaler Hof« und schießt. Ein Unbeteiligter wird verletzt. Auch in der Nähe des Eltwerkes und auf der Allee versuchen Antifaschist:innen die Demonstration zu sprengen. »Jedoch erstickte die SA alle Störungen im Keim.«
Ähnlich die Situation am Neumarkt: »Vor allem in der Bach- und Berlinerstraße [heute Hofkamp] hatten sich starke gegnerische Gruppen angesammelt, die die anmarschierenden Demonstranten mit ›Nieder-Rufen‹ und dem Gesang der Internationale empfingen.« (Barmer Zeitung vom 1.2.1933)
Phantasievoll agieren auch die Aktivist:innen der anarchistischen »Schwarzen Schar« und des KJVD. Zahlenmäßig zu schwach für eine direkte Auseinandersetzung mit den bewaffneten SA-Leuten, bedienen sie sich einer originellen und wirksamen Taktik: Sie drücken mit vereinten Kräften jubelnde, »Heil Hitler« grüßende Nazianhänger in den marschierenden Zug der SA. Die Nazianhänger selbst werden verprügelt und werden zu den ersten Opfern der an die Regierung gekommenen Nationalsozialisten in Wuppertal.
31.1.1933 Am Morgen verteilen Kommunist:innen zu Beginn der Frühschicht an den Toren von Elberfelder Fabriken Aufrufe zum Generalstreik, die allerdings in keinem Betrieb befolgt wurden. „Die Arbeiter nahmen uns die Flugblätter schweigend ab, doch ohne dem Streikaufruf zu folgen. Verraten [d.h. angezeigt] wurde niemand von uns«, berichtete Ernst Hoffmann (KJVD).
Erst am Abend des 31.1.1933 ruft die NSDAP zum Fackelmarsch durch Wuppertal.
Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr am Barmer Rathausvorplatz. An dem sich anschließenden Fackelmarsch nach Elberfeld beteiligen sich etwa 3.500 Personen. Aber der Siegesmarsch der Nazis hat es nicht leicht. Bei der Auftaktkundgebung am Rathaus stimmen plötzlich Antifaschist:innen die Internationale an: »Die in vier Gliedern vor der Freitreppe aufgestellte SA machte darauf eine kurze Kehrtwendung, durchbrach die Menschenmenge und säuberte, unterstützt von der Polizei, in wenigen Minuten den Platz.
Dabei fielen von unbekannter Seite drei oder vier Schüsse, durch die der 25 Jahre alte Nationalsozialist Werner Martini […] am Bein verletzt wurde.« Auch auf dem Weg nach Elberfeld gab es weitere Zwischenfälle. Ein SS-Mann verfolgt mit der Waffe in der Hand einen »Störer« bis in den »Wuppertaler Hof« und schießt. Ein Unbeteiligter wird verletzt. Auch in der Nähe des Eltwerkes und auf der Allee versuchen Antifaschist:innen die Demonstration zu sprengen. »Jedoch erstickte die SA alle Störungen im Keim.«
Ähnlich die Situation am Neumarkt: »Vor allem in der Bach- und Berlinerstraße [heute Hofkamp] hatten sich starke gegnerische Gruppen angesammelt, die die anmarschierenden Demonstranten mit ›Nieder-Rufen‹ und dem Gesang der Internationale empfingen.« (Barmer Zeitung vom 1.2.1933)
Phantasievoll agieren auch die Aktivist:innen der anarchistischen »Schwarzen Schar« und des KJVD. Zahlenmäßig zu schwach für eine direkte Auseinandersetzung mit den bewaffneten SA-Leuten, bedienen sie sich einer originellen und wirksamen Taktik: Sie drücken mit vereinten Kräften jubelnde, »Heil Hitler« grüßende Nazianhänger in den marschierenden Zug der SA. Die Nazianhänger selbst werden verprügelt und werden zu den ersten Opfern der an die Regierung gekommenen Nationalsozialisten in Wuppertal.
Zeitungsartikel:
Für die Nationale Regierung (BMZ 1.2.1933)
Schüsse im Wuppertaler Hof (Stadtanzeiger 1.2.1933)
In Wuppertal (RGA vom 1.2.1933)
31.1.1933 Politische Reibereien auf dem Marktplatz in Ronsdorf (1.2.1933 Stadtanzeiger)
31.1.1933 Polizist Heinrich P. Freigesprochen, Übergriff in einer Nordstadt-Kneipe
1.2.1933 300-400 Erwerbslose gehen in Heckinghausen auf die Straße. Sie versammeln sich an der Ecke Ziegelstraße /Werléstraße. Dann erschien das Überfallkommando der Polizei. „Die Menge nahm gegenüber der Polizei sofort eine drohende Haltung an. Nicht nur, dass sie mit Schimpfworten und Drohungen belegt wurden, es wurde auch von allen Seiten, insbesondere aus den Fenstern und Hauseingängen, mit Steinen, Glasscherben und anderen Gegenständen nach ihnen geworfen.“ Es kommt zu Auseinandersetzungen, ein Polizist wird entwaffnet.
Die Zusammenstöße haben ein juristisches Nachspiel. Am 5.3.1942 verurteilt das Landgericht Wuppertal Erwin Berg und Wilhelm Lütjee zu 7 bzw. 2 Jahren Zuchthaus wegen Landfriedensbruch.
2.2.1933 In ganz Preußen wird ein Versammlungsverbot gegen die KPD verhängt.
2.2.1933 Durchsuchung kommunistischer Büros und Wohnungen (BZ 3.2.1933)
2.2.1933 11:20 Uhr wurden „auf der Aue Ecke Untergrünewalder Straße zwei Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen ein Nationalsozialist wurde im Gesicht erheblich verletzt. Der Haupttäter wurde festgenommen.“ („Zahlreiche Zusammenstöße“, in: BMZ vom 4.2.1933)
„Gegen 22:30 Uhr wurde im Neuenteich in Elberfeld ein Nationalsozialist von mehreren Kommunisten überfallen und am Kopfe erheblich verletzt. Um die gleiche Zeit wurde in der Friedrichstraße in Elberfeld ein Nationalsozialist festgenommen, weil er eine Pistole unbefugt bei sich führte.“ (BMZ vom 4.2.1933)
22:45 Uhr „kam es in Barmen anlässlich eines Umzuges der SA zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Kommunisten. Dabei wurde auch geschossen. Verletzte sowie die Täter wurden nicht festgestellt.“ (BMZ vom 4.2.1933)
2.2.1933 „Gegen 23:30 stießen auf dem Neumarkt in Elberfeld Kommunisten und Nationalsozialisten zusammen. Dabei wurde ein Kommunist erheblich verletzt. Als die Polizei einschritt und einen SA-Mann zwangsstellen wollte, wandte sich die Menge gegen den Beamten. Es wurde versucht, ihm den Gefangenen zu entreißen. Die Beamten mussten mit dem Polizeiknüppel die menge zurückdrängen. Dabei wurde ihnen ein schwerer Widerstand geleistet. Ein Nationalsozialist schlug mit einem Gummiknüppel auf einen Beamten ein und verletzte ihn außerdem durch Fußtritte in den Leib und am Knie. Bei Brechung des Widerstandes wurde der Nationalsozialist durch Anwendung des Polizeiknüppels verletzt. Den Nationalsozialisten wurden vier verschiedene Hiebwaffen und gefährliche Schlagwerkzeuge abgenommen.“ (BMZ vom 4.2.1933)
2.2.1933 Schießerei in der Feldstraße (Chlodwigstraße) (Südstadt)
2.2.1933 Nazis werfen ein Schaufenster beim Einheitspreisgeschäft Erwege ein
3.2.1933 Schüsse auf Haus in der Luisenstraße (Schenkstraße) in Ronsdorf (BZ vom 4.2.1933)
3.2.1933 In der Nacht wurde ein Kommunist in Elberfeld erheblich verletzt. An andere Stelle verletzten Nazis einen Polizisten leicht, Waffen wurden beschlagnahmt.
An einer anderen Stelle wurde ein Nationalsozialist verletzt.
Bei der Aktion gegen die Kommunisten wurde eine Menge Material und drei Schusswaffen beschlagnahmt. Auch in Velbert kam es zu Schießereien.
4.2.1933 Notverordnung vom 4.2.1933
Die Verordnung des Reichspräsidenten zum „Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 schränkte wenige Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler die Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend ein und erteilte dem der NSDAP angehörenden Reichsinnenminister Wilhelm Frick weitreichende Vollmachten.
Die vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erlassene und von Reichskanzler Hitler, Innenminister Frick und Justizminister Gürtner gegengezeichnete Notverordnung war als eine sogenannte „Schubladenverordnung“ bereits vom Kabinett Papen geplant worden und diente im beginnenden Wahlkampf zur Reichstagswahl am 5. März 1933 der Bekämpfung der politischen Gegner der NSDAP. Sie wurde am 6. Februar 1933 im Reichsgesetzblatt verkündet und trat am folgenden Tag in Kraft.
Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 (RGBl. 1933 I, S. 35–40) war eine strafbewehrte Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aufgrund Art. 48 Abs. 2 der Weimarer Verfassung (WRV), mit der die verfassungsmäßigen Grundrechte der Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend außer Kraft gesetzt wurden.
Durch die Verordnung konnten nicht angemeldete öffentliche politische Versammlungen, Druckschriften, „deren Inhalt geeignet war, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden“ und Spendensammlungen „bestimmter Vereinigungen“ zu politischen Zwecken unter Androhung von Gefängnisstrafe verboten werden.
http://www.documentarchiv.de/ns/schutz-dt-vlk.html
5.2.1933 Auf der Allee in Barmen werden die Scheiben des Aushangs des linksliberalen Dortmunder Generalanzeigers zerstört und die Fenster des Logenlokals „Zur Bruderkette“ an Friedrich-Engels-Allee 165 eingeworfen.
5.2.1933 An einer Wirtschaft an der Alleestraße Schießerei zwischen politischen Gegnern, ein Mann wurde durch einen Schuss am Bein verletzt. Das Naziblatt WZ schreibt von einem Feuerüberfall auf Versammlungsteilnehmer einer Veranstaltung bei Hegelich in Unterbarmen (WZ vom 7.2.1933)
5.2.1933 Blumenstraße Nazi greift Kommunist an (Geheimes Preußisch. Staatsarchiv)
5.2.1933 Cronenberg Politische Schießerei. Gestern Nachmittag gegen 18:00 Uhr wurde ein Zug von Angehörigen der NSDAP, die vom Hasten nach Cronenberg über die Landstraße zogen, von einem angrenzenden Waldstück aus beschossen. Ein Beteiligter erhielt einen Wadenschuss und eine Schrotladung ins Gesicht. Der Verletzte wurde dem Krankenhaus zugeführt.“ (Cronenberger Anzeiger vom 6.2.1933, BMZ vom 6.2.1933, 6.2.1933 RGA)
5.2.1933 Das Reichsbannerlokal (Wirtschaft Eberhard, Hauptstraße ) wurde in Sonnborn von Nazis beschossen, ein Reichsbanner-Aktivist wurde durch einen Schultersteckschuss verletzt. (GA vom 6.2.1933) Durch Steinwürfe und Schüsse wurde die Fenster zertrümmert. (BMZ vom 6.2.1933) Zwei Verletzte Reichsbanner (Freiheit vom 19./20.1.1933)
5.2.1933 Feuerüberfall auf die Reichsbanner-Arbeiter an der Ronsdorferstraße
5.2.1933 Demos der „Eisernen Front“ in Barmen und Elberfeld, es spricht u.a. der Wuppertaler Reichsbanner-Führer Ludwig Lange.
Die Nazi-Zeitung WZ zu den Demos: „Eiserne Front provoziert“ „ist es nach Ansicht der `Freien Presse´keine Provokation, wenn die Genossen und die politischen Kinder Karlchen Severings schreien: `Hitler verrecke!´? Es ist eine unfassbare Tatsache, dass diese und ähnliche Schmährufe von der Polizei geduldet wurden. Wir verlangen, dass derartige Gröhlereien und Beschimpfungen der Reichsregierung unterbleiben, oder aber, dass die Polizei ihre Pflicht tut, und unnachsichtlich gegen diese lächerlichen Zwerge einschreitet. Geschieht dies nicht, dann könnte sich die SA, die SS und all die übrigen Parteigenossen eines guten Tages durch ein derartiges Gebrüll ebenfalls provoziert fühlen und selbst gegen die Burschen vorgehen. Denn wir lassen es nicht zu, dass unser Führer, der Führer Deutschlands beleidigt wird. Wenn sich die Polizei zu schwach fühlt, dass Treiben der Reichsbannerlümmel zu unterbinden, dann bleibt eben nur noch ein Ausweg, und das ist die Selbsthilfe. Wir verlangen von dem Polizeipräsidenten, dass er entweder die Umzüge der `Eisernen Front´, die zu 75 Prozent aus Kommunisten bestehen, verbietet, oder dafür Sorge trägt, dass unnachsichtlich gegen die Beleidiger der Staatsautorität vorgegangen wird. Vor allem aber verlangen wir, dass gegen die Teilnahme der Kommunisten vorgegangen wird. Denn bei der Demonstration zogen Moskauer Söldlinge nicht etwa ohne Abzeichen mit, sondern ganz offen als Kommunisten erkennbar. Trotzdem unternahm die Polizei nichts und ließ die Kommunisten ungehindert den Aufmarsch mitmachen.“ „Eiserne Front provoziert“, in: WZ vom 7.2.1933
6.2.1933 Durch die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ wurde der Preußische Landtag aufgelöst.
6.2.1933 Oberdörnerstraße KPDler greifen Nazi an
7.2.1933 „Naziangriffe“ mit Steinen auf die Konsum-Verkaufsstelle in der Elsternstraße in Barmen und auf die neue Geschäftsstelle der sozialdemokratischen Freien Presse in der Parlamentstraße (Stadtanzeiger vom 8.2.1933)
7.2.1933 Wiesenstraße Nazi greift Reichsbanner-Aktivist an
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