Paschalis kritisiert manipulativen WDR-Bericht zur OB-Wahl

Offener Brief an den Programmgruppenleiter Landesstudios

copyright: Rainer Szesny

Sehr geehrter Herr Bayraktar,
es ist Wahlkampfzeit und am 13. September 2020 wählen die Bürgerinnen und Bürger in NRW u.a. ihre Bürgermeisterinnen und Bürgermeister neu. Die Bedingungen für den Wahlkampf sind denkbar schlecht. Die Kandidaten konnten während des Corona-Lockdowns nicht an die Öffentlichkeit gehen und sitzen jetzt, wenige Wochen vor den Wahlen, in Podiumsdiskussionen meist vor Mikrophonen und Kameras ohne Publikum fest. Auf den Straßen gibt es wenig Kontakte, die Menschen machen einen Bogen um die maskierten Kandidaten. Besonders schwierig haben es die Kandidaten kleiner Parteien, sowie parteilose und wenig bekannte Kandidaten. Ich gehöre zu diesem Kreis und trete als parteiloser Einzelbewerber an, um in Wuppertal Oberbürgermeister zu werden: https://www.panagiotis-paschalis.de/.
Am 17.08.2020 sendete der WDR in der Lokalzeit Bergisch Land einen etwa 5-minütigen Beitrag zu den Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in Wuppertal. https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bergisches-land/video-kommunalwahlcheck—-wuppertal-100.html
Dort ist die Rede von den sieben Bewerbern. Fünf von ihnen werden im Portrait eingeblendet und mit Schlagworten bedacht. Daran schließt sich ein aufwendiger, werbender Bericht über Andreas Mucke (SPD) und Uwe Schneidewind (CDU/Grüne) an. Dort heißt es wörtlich: „aussichtsreichsten Kandidaten … und den Kandidaten mit den besten Aussichten…“.
Ich bewerte diesen Beitrag und das Vorgehen des WDR insgesamt als ausgesprochen unfair. Die Begrenzungen, die in Zeiten von Corona weniger bekannte Kandidaten besonders treffen, werden vom WDR noch verstärkt. In der Berichterstattung über demokratische Prozesse, die überhaupt erst zu politischen Ereignissen führen werden, ist es nicht richtig, vorab Wahlchancen zu unterstellen und diese durch das Format der Berichterstattung zu bekräftigen. Zwei von sieben Kandidaten wurden in „homestories“ („was prägt sie als Mensch?“) dargestellt und durften zudem ihre politischen Programme präsentieren. Das wiederspricht meiner Ansicht nach genau der Neutralität und der pluralen Information, zu der die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verpflichtet sind.
In Wuppertal ist es schon länger so, dass mehr als zwei starke Parteien gegeneinander antreten. Im ersten Wahlgang wird es daher ein komplexes Ergebnis geben. Es ist also geboten, allen Kandidaten das Feld zur Selbstdarstellung einzuräumen, wenn man nicht die Wahl von vornherein beeinflussen will.
Das Berichtsverständnis des WDR ist insofern provinziell und nicht mehr zeitgemäß. Die Welt ist heterogener als sich die Redaktionen das vorstellen. Und gerade die außergewöhnlichen Kandidat*innen zeigen doch, welche Bewegung insgesamt in den Wahl-Prozess gekommen ist. Dafür sind insbesondere die Kandidaturen von mir als Unabhängigem und die der „Partei“ ein gutes Beispiel. Sie gehören ins Hauptprogramm. Das Besondere und Neue gehört in die Berichterstattung!
Man könnte das in den fünf Sendungen einer Woche gut verteilt realisieren. Im öffentlich- rechtlichen Rundfunk sollte es nicht Kandidaten erster und zweiter Klasse geben. Den anderen Wuppertalern Medien (WZ, Wuppertaler Rundschau, Radio Wuppertal) und den zahlreichen Ausrichtern von Podiumsdiskussionen (Schulen, Bürgervereine, Wohlfahrtsverbände, Quartiersvereine, religiöse Gruppen pp) ist es weitgehend gut gelungen, alle Kandidaten einzubeziehen.
Bis zum Wahltag am 13.09.2020 ist noch etwas Zeit. Vielleicht lassen Sie sich, sehr geehrter Herr Bayraktar, noch etwas einfallen.
Ich sehe Ihrer Antwort entgegen, für einen Dialog stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Mir sind Transparenz und bürgerschaftliche Teilhabe am Politischen besonders wichtig. Daher und aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Angelegenheit leite ich eine Durchschrift dieses Schreibens an Herr Tom Buhrow, dem Intendanten des WDR, weiter. Dieses Schreiben und mögliche Antworten Ihrerseits werde ich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
gez. Panagiotis Paschalis

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