14.04.2026evangelisch wuppertal
Zwischen Pazifismus und Aufrüstung
Die Friedensdenkschrift der EKD sorgt für heftige Diskussionen. Eine "Umdenkschrift" fasst jetzt die kritischen Stimmen zusammen. Am Donnerstag (16.04.) stellt Herausgeber Peter Bürger sie in der Gemarker Kirche vor.

Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland sorgt für heftige Diskussionen. Eine „Umdenkschrift“ fasst jetzt die kritischen Stimmen zusammen. Am Donnerstag (16.04.) stellt Herausgeber Peter Bürger sie in der Gemarker Kirche vor und lädt zur Diskussion ein.
Die im November 2025 herausgegebene Friedensdenkschrift „Gerechten Frieden schaffen in unruhigen Zeiten“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in höchstem Maße umstritten. Nur auf den ersten Blick gehe es in ihr um Frieden, sagen zahlreiche Kritiker:innen. Auf den zweiten Blick bediene sie die gängigen Narrative wie Zeitenwende, Kriegstüchtigkeit, Siegfähigkeit und vermeintlich notwendige Aufrüstung gegen die Bedrohung aus Russland. Es fehle ihr eine pazifistische Orientierung, so wie sie Jesus in der Bergpredigt grundgelegt habe.
Der katholische Theologe und Publizist Peter Bürger hat fast 50 kritische Stimmen von kirchlichen Initiativen, Friedensbewegung, Theologie und Publizistik in zwei Sammlungen unter dem Titel „Umdenkschrift“ zusammengefasst. Er ist am Donnerstag (16.04.) um 19 Uhr in der Gemarker Kirche (Zwinglistraße 5) zu Gast, um die Kritik vorzustellen und darüber ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung steht unter dem Titel „Die Welt am Abgrund – und wo steht die evangelische Kirche?“.
Debatte über Frieden in unruhigen Zeiten
„Wir möchten miteinander und mit Peter Bürger über Wege zum Frieden in unruhigen Zeiten diskutieren“, sagt Frank Schulte, Pfarrer der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld.“ Angesichts des Kriegs in der Ukraine und im Nahen Osten und angesichts von Präsidenten, die das Völkerrecht missachten und von Rüstungsausgaben, die sich weltweit auf einem Höchststand befinden, sind wir als Christ:innen gefragt, Position zu beziehen.“ Dazu wolle der Abend beitragen.
Peter Bürger hat seine Arbeit an den beiden Sammelbänden und seinen „Austausch mit nachdenklichen Christenmenschen sowie die Sichtbarkeit der vielen Zeugnisse wider den militärfreundlichen Kurswechsel der Kirchenobrigkeit“ als eine „Mutmach-Quelle sondergleichen“ beschrieben. Der überzeugte Pazifist kritisiert, dass in der Friedensdenkschrift „die Gewaltlosigkeit des Evangeliums von Jesus zu einer privaten Frömmigkeitsangelegenheit verharmlost“ wird.
Pazifismus als private Angelegenheit?
Ein Vorwurf, den auch der EKD-Friedensbeauftragte Friedrich Kramer in seinen Statements zur Friedensdenkschrift erhebt. Diese überführe den Pazifismus in den privaten Bereich, beklagt er. Dabei hätten die Vereinten Nationen in ihrer Charta nach dem Zweiten Weltkrieg eine pazifistische Weltordnung entworfen, in der Gewalt und Krieg generell verboten werde und nach gewaltfreien Lösungen gesucht werden solle, erklärt Kramer. „Auch wenn diese Weltordnung von den Mächtigen infrage gestellt wird, bedeutet das nicht, dass diese nicht mehr gilt“, betont der mitteldeutsche Landesbischof.
Die von der EKD im November 2025 veröffentlichte Friedensdenkschrift rechtfertigt den Einsatz militärischer Mittel zum Schutz vor Gewalt und äußert damit Verständnis für den Ausbau militärischer Kapazitäten zum Zweck der Verteidigung. Ausgangspunkt für das neue Papier war eine kontroverse Debatte innerhalb der evangelischen Kirche über die Legitimität von Waffenlieferungen an die von Russland angegriffenen Ukraine.
Lesetipps
Friedensethische Denkschrift
Weitere Informationen zur aktuellen Friedensdenkschrift der EKD „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ finden sich auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dort steht die Broschüre auch als Download zur Verfügung.
Umdenkschrift
Peter Bürger (Hrsg): Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden. Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse – Eine Sammlung, herausgegeben im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie. Folgeband: Umdenkschrift II … Weitere kritische Wortmeldungen.- Beide Teile digital auch frei abrufbar u.a. auf: solidarischekirche.de.
Text: Sabine Damaschke (mit epd)
Grafik: EKD-Denkschrift
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