Vorbeugende Anti-Schimmelprodukte sind überflüssig bis gefährlich

Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps zur Vermeidung von Schimmelpilzbefall in der Wohnung

Schimmel in der Wohnung sieht hässlich aus, belastet die Raumluft und kann zur Gesundheitsgefahr werden. Der Handel hält dagegen neben Schimmelbekämpfungsmitteln auch eine ganze Palette an vorbeugenden Produkten bereit: Anti-Schimmel-Grundierungen, besondere Küchen- und Badfarben, Kleisterzusätze oder spezielles Silikon, das ein Ansiedeln der Pilze in den Fugen verhindern soll. „Während die dauerhafte Wirkung oft nicht gut belegt ist, haben Produkte mit versprochenem Anti-Schimmeleffekt häufig jedoch klare Nachteile für Gesundheit und Umwelt“, so Umweltberaterin Caroline Pilling. Sie hat Tipps zusammengestellt, wie sich Schimmelbildung in der Wohnung wirkungsvoll verhindern lässt – ganz ohne chemische Keule.

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  • Ursachenbekämpfung ist das A und O
    Wo Schimmel wächst, ist zu viel Feuchtigkeit. Wenn dieses Feuchte-Problem nicht behoben wird, können auch Anti-Schimmelfarben und andere vorbeugende Produkte den Befall in der Regel nicht dauerhaft verhindern. Es hat also keinen Sinn, auf eine verschimmelte Tapete Anti-Schimmelspray zu sprühen und diese anschließend mit Anti-Schimmelfarbe zu streichen. Stattdessen muss die befallene Tapete entfernt und die Ursachen für überschüssige Feuchtigkeit – zum Beispiel eine schlecht gedämmte Wand oder Kochen ohne zu lüften – gefunden und abgestellt werden. Dann sind Anti-Schimmelprodukte schlicht überflüssig.
  • Schimmel- und Bakterienkiller belasten Umwelt und Gesundheit: Bestimmte Substanzen, die Schimmel vorbeugen oder in Produkten Schimmelpilze und Bakterien bekämpfen sollen, können lebenslange Kontaktallergien hervorrufen. Da sich die Wirkstoffe oft im Hausstaub oder in der Raumluft wiederfinden, sind auch die Bewohner:innen diesen Substanzen ausgesetzt. Zudem besteht die Gefahr, dass Bakterien resistent gegen die Wirkstoffe werden und zunehmend mit diesen nicht mehr bekämpft werden können. Die meisten Anti-Schimmel-Substanzen sind auch für Wasserorganismen sehr schädlich.
  • Pilze vergraulen: Schimmelpilze wachsen nicht auf stark alkalischen (basischen) Untergründen. Diese Abneigung gegen hohe pH-Werte kann man sich zu Nutze machen: Mineralische Wandverschönerer wie Silikat- und Kalkfarben sind stark alkalisch und deswegen robuster gegen Schimmel. Da solche Farben und Putzstoffe keine Konservierungsmittel benötigen und die Raumluft nicht belasten, sind sie auch für Allergiker vorteilhaft. Eine Langzeitgarantie gegen Schimmel bieten bei übermäßiger Feuchtigkeit aber auch diese Produkte nicht. Dampfdurchlässige, ebenfalls alkalische Kalziumsilikatplatten, die unter anderem zur Innendämmung eingesetzt werden, liefern dem Schimmel keinen Nährboden, müssen als Innendämmung aber unbedingt fachgerecht eingebaut werden.
  • Richtig lüften, vor allem in Bad und Küche: Besonders für Bad und Küche werden Spezialfarben mit schimmeltötenden Chemikalien angeboten. Doch aus diesen Räumen, in denen mit Wasser hantiert wird, müssen Dampf und Nässe entweichen können. In der Küche sorgen dafür ein Dunstabzug mit Abluftrohr nach draußen oder Stoßlüften während oder sofort nach dem Kochen. Auch im Badezimmer sollten unmittelbar nach dem Baden und Duschen Fenster weit geöffnet und Fliesen sowie (Silikon-)Fugen jedes Mal gründlich trocken gewischt werden. In fensterlosen Bädern kann eine Abluftanlage, am besten ausgestattet mit einem Feuchtesensor, nötig sein, um Schimmelbildung zu verhindern.
  • Entfeuchter mit Trockenmittel reichen nicht: In kleinen „unbewohnten“ Gartenhäusern oder Wohnwagen, die in der kalten Jahreszeit nicht regelmäßig gelüftet werden können, sind Luftentfeuchter, ausgestattet mit Trockenmitteln, zur Not eine Lösung, um für trockene Luft zu sorgen. Doch die Reichweite und Kapazität solcher Trockner ist begrenzt. Zur Schimmelvorbeugung in Wohnungen reichen sie nicht aus. Regelmäßiges Lüften größerer Wohnflächen können sie nicht ersetzen.

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