29.01.2026evangelisch wuppertal
Neuer Kantor, neuer Klang
Seine Liebe zur Orgel hat Thilo Ratai erst mit 15 Jahren entdeckt. Doch sie hat ihn zum Kirchenmusiker gemacht und führt ihn jetzt in die Friedhofskirche. Dort stellt sich der neue Kantor am 1. Februar im MUT-Gottesdienst vor.

Seine Liebe zur Orgel hat Thilo Ratai erst mit 15 Jahren entdeckt. Doch sie hat ihn zum Kirchenmusiker gemacht und führt ihn jetzt in die Friedhofskirche nach Wuppertal. Dort stellt sich der neue Kantor am 1. Februar im MUT-Gottesdienst vor.
Weder Orgelmusik noch Kirche waren ihm in seiner Kindheit vertraut: Wenn Thilo Ratai danach gefragt wird, warum er Kirchenmusiker geworden ist, kann er keine typische „Organistenbiografie“ nachweisen. Im Gegenteil. Erst mit 15 Jahren hat er die „Strahlkraft“ des großen kirchlichen Instruments in einem Orgelkonzert entdeckt – und war sofort fasziniert. „Ich konnte schon Akkordeon und Klavier spielen“ erzählt er. „Aber dieses Instrument hatte so viel musikalische Wucht. Das wollte ich unbedingt auch lernen.“
Mit der Kirche hatte seine katholische Familie wenig zu tun, aber sie war befreundet mit einem evangelischen Pfarrer, und der organisierte für den Jugendlichen Orgelstunden in der Mannheimer Christuskirche. Das war der Beginn einer kirchenmusikalischen Karriere, die den 32-jährigen Kurpfälzer nun in Wuppertals größte evangelische Kirche führt.
Von Baden-Württemberg nach NRW
An der Friedhofskirche der Gemeinde Elberfeld-Nord startet er am 15. März als Kantor. Am 1. Februar stellt sich Thilo Ratai schon einmal vor – als besonderer Gast des MUT-Gottesdienstes. „Die Orgel ist wie ein kleines Orchester“, sagt er. „Auf ihr lässt sich alles spielen und das begeistert mich.“
MUT-Gottesdienste
Die Friedhofskirche hat 2026 eine neue, monatliche Gottesdienstreihe unter dem Motto „Mensch und Theologie“ gestartet. Die Reihe bringt bekannte Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft und Theologie zusammen. Ziel ist es, den persönlichen Glauben und christliche Werte in aktuelle gesellschaftliche Themen einzubringen und den Dialog zu fördern. Am Sonntag (01.02.) stellt sich der neue Kantor Thilo Ratai um 10 Uhr mit dem Thema „Neuer Klang, neues Herz“ vor.
Kirchenmusik hat Thilo Ratai in Heidelberg studiert. Nach einem Praktikum in der Kasseler St. Martin-Kirche war er ein Jahr lang musikalischer Assistent an der Stiftskirche in Stuttgart – „eines der größten Kantorate Deutschlands“, wie er stolz berichtet. Danach ging es nach Sinsheim und von dort nach Remscheid-Lennep. Dort teilt sich Thilo Ratai seit 2022 mit seiner Partnerin Caroline Huppert die Kantorenstelle an der evangelischen Stadtkirche. Nun kommt die halbe Stelle als A-Kirchenmusiker in Wuppertal dazu.
„Kleines Konzerthaus in einer Person“
Es gefällt ihm, dass er nun zwei interessante Wirkungsstätten an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Gemeinden und Menschen verbinden kann. Neben seiner Tätigkeit als Organist leitet er in Lennep gemeinsam mit seiner Partnerin noch den Posaunenchor, das Kammerorchester, die Kantorei und den Kammerchor. In Wuppertal steht das Johann-Bach-Ensemble in Aussicht.

Thilo Ratai lädt Interessierte auch gerne auf die Empore ein, um ihnen die Orgel zu erklären.
„Als Kirchenmusiker bist du ein kleines Konzerthaus in einer Person“, sagt Ratai. „Du machst nicht nur selbst Musik und leitest Chöre, sondern konzipierst auch Konzertprogramme, machst Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.“
Begeistert von der Spätromantik
Am meisten freut sich der Kirchenmusiker auf das sonntägliche Spiel an der großen Sauerorgel in Gottesdiensten der Wuppertaler Friedhofskirche. Er sei eher der „traditionelle Kirchenmusiker“, gibt er zu. Vor allem die Spätromantik hat es ihm angetan, besonders die Werke des deutschen Komponisten und Organisten Sigfrid Karg-Elert, der wie er aus Baden-Württemberg stammt. „Seine Musik passt wunderbar zur romantischen Sauerorgel.“
Doch Thilo Ratai ist auch offen für zeitgenössische Kirchenmusik, Pop- und Filmmusik in der Kirche. Vielfalt ist ihm wichtig. Deshalb lernt er mit der Posaune gerade noch ein weiteres Instrument. Und wenn er neben all der Musik einfach mal Stille braucht, steigt er gerne in die Lüfte, „um beim Gleitschirmfliegen den Überblick zu behalten“.
Text: Sabine Damaschke
Foto: Jonathan Hong
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