Leben mit dem Tod

Zum sechsten Mal laden Katharina Ruth und Susanne Fudickar vom Hospizdienst Pusteblume zu den Wuppertaler Thementagen ein. Diesmal geht es um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.

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Zum sechsten Mal laden Katharina Ruth und Susanne Fudickar vom Hospizdienst Pusteblume zu den Wuppertaler Thementagen ein. Diesmal geht es um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.

Kleidung, die schon seit zwanzig Jahren im Schrank hängt, vergilbte Bücher und Aktenordner sowie jede Menge Geschirr und Deko: Stunde um Stunde hat sich Susanne Fudickar durch die Hinterlassenschaften ihrer Eltern gearbeitet. „Das war nicht nur zeitintensiv, sondern auch eine starke emotionale Belastung“, erzählt sie. „An vielen Gegenständen hängen ja auch Erinnerungen, und jetzt musste ich alleine entscheiden, was weggeschmissen wird und was für mich und meine Familie noch von Bedeutung ist.“

So wie der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Hospizdienstes „Die Pusteblume“ der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal geht es vielen Angehörigen. „Todesputz“ nennt sich dieses belastende Aufräumen. Susanne Fudickar plädiert dafür, es vor dem eigenen Tod selbst in die Hand zu nehmen. „Ein strukturiertes Entrümpeln kann befreiend sein und entlastend für die Angehörigen“, sagt sie. Auf den Wuppertaler Thementagen hält sie daher einen Kurzimpuls zum „Todesputz“. Unter dem Titel „Unser Leben mit dem Tod“ findet die Veranstaltungsreihe, die sich an eine größere Öffentlichkeit richtet, bereits zum sechsten Mal statt.

Wuppertaler Thementage

Unser Leben mit dem Tod: Der eigene Tod
Freitag (06.02.), 19.00 bis 21.30 Uhr
Samstag (07.02.), 9.30 bis 17.00 Uhr
Die Teilnahme ist nur noch online auf der Webseite des Hospizdienstes über einen QR-Code möglich.

Hilflosigkeit überwinden

Ob es um Tod, Trauer oder selbstbestimmtes Sterben geht: Das Interesse an den Thementagen, zu denen Susanne Fudickar die Idee hatte, ist groß. Rund 100 Menschen nehmen dieses Jahr am Freitag und 150 am Samstag teil. Online schalten sich in der Regel etwa 200 Interessierte dazu. „Die Scheu, sich persönlich mit Tod und Trauer auseinanderzusetzen, ist heute weniger groß als noch vor 17 Jahren“, beobachtet die pensionierte Richterin. Damals starb ihr Sohn im Alter von 20 Jahren – und sie erlebte so viel Hilflosigkeit und Schweigen, dass sie beschloss, dagegen etwas zu tun.

Katharina Ruth und Susanne Fudickar (v.l.) im Café der Pustblume, in dem viele Ideen rund um die Hospizarbeit entstehen und entwickelt werden.

Katharina Ruth, Leiterin des Hospizdienstes, griff ihre Idee der Thementage gerne auf. „Wir haben unserer Veranstaltungsreihe bewusst den Untertitel ‚Unser Leben mit dem Tod‘ gegeben“, erzählt sie. „Denn weil der Tod zum Leben gehört, sollten wir uns mit ihm auseinandersetzen – ehrlich und offen, aber auch neugierig und humorvoll.“

Unternehmensfürsorge bis zur Bahre

Das geschieht etwa in den „Letzte Hilfe“-Kursen, die von vielen Hospizdiensten als eine Art „kleines 1 X 1 der Sterbebegleitung“ angeboten werden und in dem die Teilnehmenden lernen, was sie für sterbende Mitmenschen am Ende des Lebens tun können. Es geht aber auch um Vorsorgemöglichkeiten, dem Sterben als Teil des Lebens und um die Gestaltung eines Abschiedes in Würde.

Ehrenamtliche der „Pusteblume“ führen die Kurse auch in einigen Wuppertaler Unternehmen durch und berichten auf den Thementagen davon. „Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht und dazu gehört ein respektvoller Umgang mit Tod und Trauer“, betont Susanne Fudickar. „Der kann gelernt werden und dafür möchten wir gerne mehr Firmen gewinnen.“

Vom Umfang mit schwerwiegenden Diagnosen

Auch um Chancen und Grenzen der häuslichen Palliativversorgung, um das Sterben im Krankenhaus und den Umgang mit einer schweren Diagnose geht es in den Vorträgen und Workshops der Thementage. „Dabei fragen wir nach den Vorstellungen und Wünschen der Teilnehmenden im Hinblick auf den eigenen Tod“, kündigt Katharina Ruth an. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse unserer Umfrage.“

Für den evangelischen Kirchenkreis wird Pfarrerin Dorothee Nüllmeier über „Hoffen inmitten der Krise“ referieren. Die Krankenhausseelsorgerin hat schon viele Patient:innen mit schwerwiegenden Diagnosen begleitet und dabei festgestellt, wie wichtig kleine und große Hoffnungen sind, denn sie geben Kraft zum Leben und letztlich auch zum Sterben.

Am Schluss der Thementage steht der Humor – mit einem klaren Bezug zu den bevorstehenden Karnevalstagen. Der Dramaturg und Puppenspieler Günther Weißenborn präsentiert Lieder der Freude als „Aufwallungen der Lebenslust vor dem sicheren Tod.“

Text und Fotos: Sabine Damaschke

Leben mit dem Tod

Wie will ich sterben? An den "Wuppertaler Thementagen" lädt der Hospizdienst Pusteblume am 14. und 15. Oktober zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod ein.

Wie will ich sterben? An den „Wuppertaler Thementagen“ lädt der Hospizdienst Pusteblume der Diakonischen Altenhilfe am 14. und 15. Oktober zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod ein. Die Thementage finden in der Schützengesellschaft am Brill, Roontraße 17, statt.

An den eigenen Tod denkt niemand gerne. Doch ein würdevolles Sterben wünscht sich jeder. Daher macht es Sinn, sich schon im Leben mit dem Tod zu beschäftigen. Schließlich gibt es vieles, das geklärt werden kann.

In den Vorträgen und Workshops der „Wuppertaler Thementage“, die der Hospizdienst „Die Pusteblume“ der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal rund um den Deutschen Hospiztag anbietet, geht es daher auch um ganz praktische Fragen wie den Nutzen von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten oder die Grundzüge der Transplantationsmedizin. Dabei wird sogar die eigene Bestattung in den Blick genommen und hinterfragt, ob es sinnvoll ist, „vorher“ alles festzulegen oder die Hinterbliebenen damit zu stark bevormundet werden.

Innenansichten von Tod und Sterben

Doch was bedeutet es überhaupt zu sterben? Darüber machen sich schon seit Jahrhunderten Autor:innen, Künstler:innen und Musiker:innen Gedanken. In den „Wuppertaler Thementagen“ kommen auch sie zu Wort und Gehör. Einige ihrer „imaginierten Innenansichten von Tod und Sterben“ werden ergänzt von dem, was ehrenamtliche Hospizhelfer:innen erleben, wenn sie Menschen auf ihrer Reise zum Ende des Lebens begleiten.

Die „Wuppertaler Thementage“, die der Hospizdienst 2020 mit dem Thema Trauer gestartet hat, bieten zwei intensive Studientage rund um die Tabuthemen Sterben, Tod und Trauer an. Sie richten sich bewusst nicht nur an ein Fachpublikum, sondern an alle Interessierten, wie die Leiterin des Hospizdienstes, Katharina Ruth erklärt: „Es geht uns darum, diese Themen in die Öffentlichkeit zu bringen, ins normale Leben zu rücken.“

Neben den Vorträgen und Workshops soll es auch Gelegenheit zum Austausch zwischen den Teilnehmenden und Referent:innen geben.

Auftakt mit Theaterstück

Die Veranstaltung beginnt am Freitag (14.10.) um 19 Uhr mit der Aufführung des Theaterstücks „Der alte König in seinem Exil“ mit Dieter Marenz nach dem gleichnamigen Roman von Arno Geiger. Das Stück schildert den Verlauf einer Demenzerkrankung und die langsame, aber unumkehrbare Verabschiedung vom Leben. Sie findet in Präsenz statt.

Am Samstag (15.10.) gibt es von 9 bis 17 Uhr verschiedene Vorträge und Workshops, die hybrid angeboten werden.

Anmeldung für die Veranstaltungsreihe bis zum 10. Oktober unter Telefon 0202/43 05 124 oder per Mail:

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