23.06.2026evangelisch wuppertal
In Würde sterben dürfen
Martin Geiß erlebte, wie sein Vater im Seniorenheim friedlich starb - ohne Angst und ohne Schmerzen. Die Diakonische Altenhilfe Wuppertal setzt seit Jahren auf eine Hospiz- und Palliativkultur, die Bewohnern ein würdevolles Lebensende ermöglicht.

Martin Geiß erlebte, wie sein Vater im Seniorenheim friedlich starb – ohne Angst und ohne Schmerzen. Die Diakonische Altenhilfe Wuppertal setzt seit Jahren auf eine Hospiz- und Palliativkultur, die Bewohnern ein würdevolles Lebensende ermöglicht.
Auf der Bank vorm Seniorenheim der Diakonie in Wuppertal-Cronenberg hat Martin Geiß gerne mit seinem Vater gesessen. Jetzt bleibt der Platz leer, weil sein Vater im Alter von 95 Jahren gestorben ist. „Vorm Tod hatte er keine Angst, aber vor schlimmen Schmerzen“, erzählt Geiß. Vier Tage hat der pensionierte Betriebswirt mit seinen Geschwistern am Bett seines sterbenden Vaters im Seniorenheim verbracht und erlebt, dass er friedlich und ohne Schmerzen sterben konnte – wie er es sich gewünscht und in seiner Patientenverfügung festgelegt hatte.
„Wie das Sterben und die Sterbebegleitung aussehen soll, wird bei uns schon kurz nach der Aufnahme zum Thema gemacht – und nicht erst, wenn ein Bewohner todkrank ist“, erklärt Pflegedienstleiterin Julia Meibörg. „Denn wir möchten, dass die alten Menschen hier – in Würde und liebevoll begleitet – sterben können und nicht ihre letzten Tage im Krankenhaus auf der Intensivstation verbringen.“
Im Heim statt in der Klinik sterben
Studien zufolge sterben knapp 40 Prozent der Menschen im Durchschnittsalter von 87 Jahren in einer Klinik, obwohl der Großteil genau das nicht will. In den acht Seniorenheimen der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal mit ihren rund 800 Bewohner:innen sieht das anders aus.

Pflegedienstleiterin Julia Meibörg im Eingangsbereich des Altenzentrums, das für die alten Menschen ein gutes letztes Zuhause sein soll
Schon 2012 wurde dort die gesamte Betreuung und Pflege im Sinne einer Hospiz- und Palliativkultur umstrukturiert, so dass heute rund 90 Prozent der Bewohner:innen an ihrem letzten Lebensort Abschied nehmen können.
Was sie sich dafür wünschen, wird meist schon sechs Wochen nach der Aufnahme ins Heim festgelegt. Dabei geht es bereits um die Frage, ob und wann eine Einweisung ins Krankenhaus stattfinden soll. Auch das Thema künstliche Ernährung wird angesprochen. Wenn ein Bewohner todkrank ist und sich selbst nicht mehr äußern kann, findet ein ethisches Fallgespräch mit Angehörigen, dem Hausarzt und dem Pflegepersonal statt.
Ein Notfallplan gibt Sicherheit
Das Ergebnis ist meist ein Notfallplan, der allen Rechtssicherheit gibt. Er schreibt vor, welche Maßnahmen in einer lebensbedrohlichen Krise eingeleitet oder auch unterlassen werden. „Wir wollen die Mitarbeitenden aus der Einzelverantwortung entlassen“, betont Katharina Ruth vom Hospizdienst „Die Pusteblume“. Sie ist mit ihren rund 70 ehrenamtlich Mitarbeitenden in allen acht Seniorenheimen der Diakonie in die Sterbebegleitung eingebunden.

Katharina Ruth schaut regelmäßig bei den Pflegekräften im Cronenberger Altenzentrum vorbei.
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