27.02.2026evangelisch wuppertal
Brücken bauen nach Syrien
Am 1. März wird in evangelischen Gottesdiensten besonders an die Situation der Christ:innen in Syrien erinnert. Die 26-jährige Ghazal ist dort aufgewachsen und hat jetzt über das Gustav-Adolf-Werk eine neue Heimat in der Gemeinde Ronsdorf gefunden.

Pfarrerin Friedrike Slupina-Beck begrüßt die Syrerin Ghazal im Gottesdienst.
Am 1. März wird in evangelischen Gottesdiensten mit Gebeten besonders an die Situation der Christ:innen in Syrien erinnert. Die 26-jährige Ghazal ist dort aufgewachsen und hat jetzt über das Gustav-Adolf-Werk eine neue Heimat in der Gemeinde Ronsdorf gefunden.
„Mein Name ist Ghazal. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Homs in Syrien. Seit ich 11 bin, ist Krieg.“ So stellte sich Ghazal 2017 im Flyer der „Konfigabe“ des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) vor und rief damit zu Spenden für evangelische Schulen in Syrien auf. Die Konfirmanden der Gemeinde Ronsdorf waren so berührt von ihren Schilderungen eines Kriegsalltags mit der ständigen Angst vor Raketen, Heckenschützen und Autobomben, dass sie Sponsorenläufe und die Tore beim Konfi-Cup nutzten, um Tausende Euro für die Schulen in Syrien zu sammeln.
Neun Jahre später stand Ghazal plötzlich im Gottesdienst der Gemeinde. Ausgerechnet das Mädchen, das, wie Pfarrerin Friederike Slupina-Beck sagt, zum „lebendigen Gesicht unserer GAW-Partnerschaft mit der syrischen Kirche in Homs wurde“. Seit vier Monaten lebt sie in Wuppertal, besucht Sprachkurse und bereitet sich auf die Fachsprachprüfung für Medizin vor. Nach ihrem Medizinstudium hofft sie, in Deutschland ihre Facharztausbildung machen zu können.
Kirche als Heimat – in Homs und Wuppertal
„Durch GAW-Generalsekretär Enno Haaks habe ich die evangelische Kirchengemeinde in Ronsdorf gefunden“, erzählt Ghazal. „Als ich sie zum ersten Mal besuchte, fühlte ich mich sofort willkommen – fast wie in meiner Kirche in Syrien.“
In der arabisch-evangelischen Gemeinde in Homs hat sie sieben Jahre lang in der Sonntagsschule mitgearbeitet. Zur Gemeinde gehört eine Schule mit rund 1.500 Schülerinnen und Schülern, die Ghazal selbst besuchte. „Unsere Kirche bemüht sich sehr, gute Bildung zu ermöglichen und unterstützt viele Familien auch finanziell, damit ihre Kinder weiterlernen können“, erzählt die junge Syrerin.

Ghazal mit den Kindern der Sonntagsschule in Homs
Sie sorgt sich, dass all das eines Tages nicht mehr möglich sein wird, weil die Zahl der Christ:innen in Syrien seit Ausbruch des Krieges dramatisch gesunken ist und ihre Zukunft unter den neuen islamistischen Machthabern sehr unsicher ist. Krieg, Vertreibung, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Druck haben die christlichen Gemeinschaften massiv geschwächt.
Religionsfreiheit sichern, inklusives Syrien aufbauen
In Syrien bekannten sich vor Beginn des Krieges 2011 noch rund elf bis zwölf Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Heute gehen Schätzungen davon aus, dass es kaum mehr als ein bis zwei Prozent sind.
„Es geht darum, die Religionsfreiheit für die Christen zu sichern, die kulturelle Identität zu bewahren und bei der Schaffung eines neuen, inklusiven Syriens mitzuarbeiten, das von Toleranz, Gerechtigkeit und Gleichheit geprägt ist“, betont GAW-Generalsekretär Enno Haaks. Er bittet die evangelischen Gemeinden in Deutschland darum, „für uns zu beten und sich für die Zukunft Syriens einzusetzen. Jetzt benötigen wir mehr denn je Eure Hilfe, um für ein Syrien zu arbeiten, in dem alle Bürger, unabhängig von ihrem Glauben, in Frieden und Würde leben können.“
Verbundenheit mit syrischen Gemeinden
Am 1. März, dem Sonntag Reminiszere, soll das bundesweit geschehen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) widmet ihren jährlichen Gebetstag für bedrängte und verfolgte Christen diesmal den Syrerinnen und Syrern. Enno Haaks hat für die Gottesdienste ein Gebet formuliert.
„Die Beziehung zum Gustav-Adolf-Werk zeigt mir, dass unsere Gemeinde in Syrien nicht vergessen ist“, betont Ghazal. „Und auch die Verbundenheit meiner Kirche mit der evangelischen Gemeinde Ronsdorf bedeutet mir sehr viel.“ In Wuppertal möchte sie vor allem mit Jugendlichen über Syrien ins Gespräch kommen – und Brücken bauen für eine Stärkung des christlichen Glaubens über Grenzen und Kriege hinweg. „Ich bin stolz, Protestantin zu sein“, sagt sie, „denn das bedeutet für mich Bildung, offenes Denken und Hilfe für andere.“
GAW-Konfigabe 2026
Auch die Konfigabe 2026 des Gustav-Adolf-Werkes beschäftigt sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen in Syrien. Pfarrerin Friedrike Slupina-Beck wirbt dafür, am Tag der Konfirmation in den Wuppertaler Kirchen für das Projekt „Schulessen in Aleppo“ Spenden zu sammeln -“ als Zeichen der Solidarität mit den gleichaltrigen Jugendlichen in Syrien, wo die kleinen evangelischen Gemeinden Großartiges leisten“.
Text: Sabine Damaschke
Fotos: Friederike Slupina-Beck
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