24.02.2026evangelisch wuppertal
Bilder gegen den Krieg
Die Werke des Wuppertaler Künstlers Jochen Roedszus sind ein Statement gegen Kriege und seine Schrecken. Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine (24.02.) sind sie in der Beckacker Kirche zu sehen.

Autorin Jutta Höfel und Pfarrerin Katharina Pött (v.l.) vor dem Selbstportrait des Wuppertaler Künstlers
Die Werke des Wuppertaler Künstlers Jochen Roedszus sind ein Statement gegen Kriege und seine Schrecken. Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine (24.02.) sind sie in der Beckacker Kirche zu sehen.
Was bedeutet Krieg? Mit dieser Frage hat sich der Wuppertaler Künstler Jochen Roedszus schon in jungen Jahren auseinandergesetzt. Seit er Ende der achtziger Jahre seinen Wehrdienst ableistete, ließ sie ihn nicht mehr los – bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2015. Unzählige Werke des Grafikdesigners und freien Künstlers beschäftigen sich mit der Bedrohlichkeit menschlichen Daseins, die sich ganz besonders in Kriegen zeigt.
Schon Anfang der neunziger Jahre schuf Roedszus einen Zyklus mit „Bildern gegen den Krieg und für den Frieden“, die Szenen aus dem Ersten Weltkrieg zeigen, aber „zeitübergreifend und austauschbar für alle Kriege dieser Welt“ sein sollten, wie die Ehefrau des verstorbenen Künstlers, Jutta Höfel, erklärt. Sieben seiner Bilder sind nun in der Beckacker Kirche in Langerfeld zu sehen. Pfarrerin Katharina Pött hat die Ausstellung am Sonntagabend mit einem Gottesdienst eröffnet.
Krieg beginnt immer in den Köpfen
„Jochen Roedszus Bilder erschrecken und berühren. Sie zeigen die Zerstörung, die Kriege auf den Schlachtfeldern und für die Zivilbevölkerung haben, aber auch wie mit der Waffenproduktion Gewinn gemacht wird“, erklärt Katharina Pött. „Sie sind zugleich eine Aufforderung, sich gegen Krieg zu stellen und für Frieden einzusetzen.“ Daher passten sie gut in diese Zeit, in der es wieder Krieg in Europa gebe und über eine neue Weltordnung der Großmächte diskutiert werde.

Katharina Pött hat die Ausstellung am Sonntagabend (22.02.) mit einem Gottesdienst eröffnet.
Krieg beginne immer in den Köpfen – mit Hasstiraden und Aufrufen zur Gewalt, erklärt Jutta Höfel. „Doch Menschen können ihre Meinung ändern, wenn sie genauer hinschauen und sich von den schrecklichen Folgen eines Krieges berühren lassen.“ Der belgische Lyriker Émile Verhaeren war so ein Mensch. Als die Deutschen 1914 in seine Heimat einmarschierten, beteiligte er sich an den Hasstiraden, wurde nach einem Frontbesuch aber anderer Meinung und verfasst Texte, in denen er den Krieg und seine Folgen abschreckend darstellte und damit verurteilte.
Detailgetreue und authentische Bilder
Ihm widmet Jochen Roedszus das erste Bild seines Zyklus mit dem Titel „Die Welt bewaffnet sich“. In „Exodus“ zeigt er Menschen auf der Flucht. „Die Waffenfabrik“ illustriert, wie die Rüstungsindustrie zum Tod von Millionen Menschen beigetragen hat und die Bilder „Gräben“ stellen die Schützengräben des Ersten Weltkriegs dar, in denen viele Soldaten grausam zu Tode kamen und ihr Massensterben als „Heldentum“ missbraucht wurde.
Alle Bilder sind in dunklen Farben gemalt und detailgetreu wie eine Fotografie dargestellt. „Mit dem weißen, stets durchbrochenen Binnenrahmen der Bilder betonte Jochen, dass sie keine abgeschlossenen Szenen sind, sondern Ausschnitte aus einem Panorama der Gewalt und des Leidens, in dem das zeitlos sich wiederholende Schicksal einzelner Menschen nahe an uns herantritt, während die fein nuancierten, atmosphärisch dicht gestaffelten Hintergründe uns in die Tiefe des Geschehens ziehen“, erklärt Jutta Höfel.

Jutta Höfel hat für die Ausstellungen ihres verstorbenen Mannes oft Texte verfasst.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Roedszus‘ Selbstportrait, das ihn als junger Mann in Uniform zeigt, umgeben von Männern mit Gewehren und Totenköpfen. Es sieht aus, als wäre er ein Soldat des Ersten Weltkriegs.
Aus den Abgründen lernen
Jutta Höfel, die ihn in jungen Jahren auf einer Freizeit des CVJM kennenlernte und später als Literaturwissenschaftlerin und Autorin viele Texte zu seinen Bildern verfasste, sagt, er sei oft gefragt worden, ob er nicht auch schöne Bilder malen könne. „Das hat er auch getan, aber als Künstler beschäftigten ihn vor allem die Abgründe menschlichen Tuns und Lebens und was wir daraus lernen können.“
Jochen Roedszus stellte nicht nur in Wuppertal aus. Er war auch viel für Kunstprojekte in Europa unterwegs und arbeitete an Konzeptausstellungen mit anderen Künstlern. Viel zu früh starb er im Alter von 48 Jahren an einer schweren Erkrankung. Sein Bilderzyklus gegen den Krieg sei nicht die erste Ausstellung mit seinen Werken in der Beckacker Kirche, betont Jutta Höfel. „Wir haben uns dieser Kirche immer verbunden gefühlt.“
Bilder gegen den Krieg
Die Ausstellung mit Werken des Wuppertaler Künstlers Jochen Roedszus (1967-2015) kann am 25. Februar, 4. und 11. März von 15 bis 16 Uhr im Kirchraum der Beckacker Kirche (Samoastraße 16) besichtigt werden. Bei Interesse führt Jutta Höfel durch die Schau. Zudem lädt sie am 18. März zu einem Literatur-Gespräch ein. Die Passionsandachten in der Beckacker Kirche stehen jeden Donnerstag unter dem Thema Frieden.
Text und Fotos: Sabine Damaschke
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