02.10.2026

Buchherausgeber und Ex-Betriebsratsvorsitzender Hermann Laufs

Serie „Bücher und Menschen“. Von Matthias Dohmen. Teil 2: Eine Liebe zu Schottland, Von Matthias Dohmen

Musik spricht ihn an. Herman van Veen, Neil Young und Willy deVille zum Beispiel oder schottische Rockmusik etwa der (nicht mehr existierenden) Gruppe Runrig. Über die Musik ist er zum Reisen gekommen und zur Beschäftigung mit anderen Sprachen. Sport spielt eine große Rolle in seinem Leben: Fußball, Handball und Sumoringen.

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Geboren wird er am 7. Juli 1950 in Mülheim an der Ruhr, wo er auch zur Volksschule geht, die er mit 14 Jahren abschließt. 45 Jahre hat er gearbeitet, und zwar hauptsächlich bei der Firma Thyssenröhren-Werke, die später in den Mannesmannröhren-Werken aufging, in deren Hauptverwaltung er tätig war. Die letzten zwei Jahrzehnte gehört er dem Betriebsrat an, den er fast genau so lange geleitet hat. Lange Zeit besaß er im Aufsichtsrat Sitz und Stimme. Seinen „normalen“ Arbeitsplatz hatte er in Düsseldorf beziehungsweise nach dem Umzug der Hauptverwaltung in Mülheim. In dieser Zeit hatte er mit so unterschiedlichen Naturen wie Sigmar Gabriel, Hannelore Kraft und Christian Wulff, seinerzeit Ministerpräsident in Niedersachsen und späterer Bundespräsident, den er als „immer gut vorbereitet“ in Erinnerung hat.

In der Zeit seiner Betriebsratstätigkeit trat er der SPD bei. Im Spektrum der Sozialdemokratie sieht er sich eher links und hat auch „einmal die Partei Die Linke gewählt“. Zu Beginn seiner Berufstätigkeit gehörte er der DAG, später dann der Gewerksaft verdi beziehungsweise der IG Metall an.

Der 19jährige Hermann Laufs, damals
kaufmännnischer Angestellter. Fotos: Laufs

Er ist also politisch interessiert. liest eine Tageszeitung und die wöchentlich erscheinende „Zeit“, informiert sich per Radio und Fernsehen und gehört schon einige Jahre einem Männergesprächskreis der Volkshochschule Hilden/Haan an.

Der Betriebsratsvorsitzende an seinem
Schreibtisch, 2002.

Und hört gern schottisch-gälische Rockmusik und ist über die Jahre immer mal wieder zu Auftritten der Gruppe Runrig nach Schottland gereist – mit Freunden im Auto und hat bei der Gelegenheit seine englischen Sprachkenntnisse auf Vordermann gebracht. „Verhungern würde ich auch in Spanien nicht“, gibt er zu Protokoll, und als dritte Fremdsprache, die er aber nur rudimentär beherrsche, nennt er das Französische. Ja, und ein wenig Niederländisch spricht er auch, was wiederum mit seiner Begeisterung für die Lieder von Hermann van Veen zusammenhängt.

Der Hornist. H. Laufs untere Reihe 1. v. l.
Aufgenommen 1960.

Er würde auch gern selbst Gitarre spielen, aber über Anfänge ist er nie hinausgekommen. Musik spielte im Elternhaus keine Rolle. Für ihn schon: Er war Hornist in einem Spielmannszug und wäre dort auch länger geblieben, wenn er nicht mit immer länger werdenden Haaren unliebsam aufgefallen wäre. Es war die Zeit der Demonstrationen und Revolten, des Aufbäumens gegen den Adenauer-Staat und der Vietnamkriegsproteste.

Das junge Ehepaar (Judith und Hermann) 1976.

Damals gehörte er einem Sportverein an, heute einer Gruppe, die regelmäßig Boule spielt. Hermann Laufs spielte als junger Erwachsener Fußball. Zu Schalke 04, dem Lieblingsverein seines Vaters, hat es nicht gereicht, aber beim TusPo Saarn (Mülheim) hat er seine Spuren hinterlassen. In Erinnerung geblieben aus jener Zeit sind im Sportreportagen des legendären Kurt Brumme. Der Rockmusikenthusiast begeisterte sich aber auch für den Sumosport und betrieb einige Jahre eine mittlerweile längst eingeschlafene Internethomepage mit Informationen über Sumōtori, wie die Betreiber dieser speziellen Form des Ringens im fernen Osten genannt werden.

Zuhause gab es weder Zeitung noch Telefon, aber der kleine Hermann war ein aufgeweckter Junge, der schon in der dritten Klasse Bücher las. Seine Liebe zum gedruckten Wort stammt aus dieser Zeit. Stundenlang sitzt er am PC und besucht Seiten, auf denen Gedichte und Geschichten wiedergegeben sind. Von daher kam er auf die Idee, erst sogenannte Fotobücher drucken zu lassen und selbst Sammlungen zusammenzustellen, drucken zu lassen und an Freunde zu verschenken. Im World Wide Web hat er Haikus kennenglernt, kurze Texte statt langer Sermone, Dinge auf den Punkt gebracht. Beispiel: „Könnte sie sprechen, / so würde die Katze / vermutlich schweigen.“ Apropos Stubentiger: Zwei Katzen gehören zum Haushalt, beide einer Tötungsstation in Ungarn entkommen.

Unrecht hat ihn sein Lebtag nicht kalt gelassen. Hermann Laufs und seine Frau, von Beruf Steuerfachgehilfin, gehen mit offenen Augen durch die Welt. Eigene Kinder zu bekommen, hat nicht geklappt, aber der aus kleinen Verhältnissen stammende Ex-Betriebsrat, dessen blinder Vater mit 62 starb, ist seit Langem als Lernpate an der Walter-Wiederhold-Schule in Hilden zugange. In manchem kleinen Knirps oder kleinen Mädchen stecken ungeahnte Fähigkeiten, die aber geweckt und gefördert werden wollen. Interessen an Musik, an sportlichem Messen, an sozialer Gestaltung.

Walter-Wiederhold-Schule.

Hermann Laufs (Hrsg.), Es ist was es ist, Hilden 2022. Das seiner Frau gewidmete Büchlein enthält zahlreiche Gedichte enthält, darunter von Wilhelm Busch, Matthias Claudius, Annette von Droste-Hülshoff, Joseph von Eichendorff, Fred Endrikat, Otto Ernst (Nis Randers), Theodor Fontane, Erich Fried, Robert Gernhardt, Heinrich Heine, Arno Holz, Hans Dieter Hüsch, Klabund, Gotthold Ephraim Lessing, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Herman van Veen und Oscar Wilde sowie von unbekannten Autoren wie das mittelalterliche „Du bist min …“

Hermann Laufs (Hrsg.), … und der Schnee draußen schmilzt …, Hilden 2023. Gedichte und Prosa über Jahreszeiten, Natur und Tiere sowie Sir Winston Churchills Sohn


Bisher in der Serie „Bücher und Menschen“ erschienen:
Der Bücherverschenker Klaus Schumann, njuuz vom 27.5.2026

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