Johann Wilhelm Wilms – Der Bergische Beethoven

Das Orchester Harmonie Universelle präsentiert eine Erstaufführung in Wuppertal - klassische Musik aus dem Bergischen Land!

Die Beschäftigung mit dem Komponisten Johann Wilhelm Wilms hat eine lange Geschichte.

Von der Präsentation unbekannter Musik durch Kölner Ensembles über die Gründung einer Gesellschaft bis hin zur fortwährenden Entdeckung neuer Wilms-Stücke in Archiven in Europa – es wird nicht langweilig, und die Reise rund um den Komponisten aus dem Bergischen Land geht immer weiter. 

Und so führt sie jetzt zur Uraufführung zweier Werke, deren Noten in einem spannenden Arbeitsprozess lesbar und spielbar gemacht wurden und die das Ensemble Harmonie Universelle in seiner großen Produktion „Der Bergische Beethoven“ im September auf die Pulte legt. Von „ausgefransten Blättern“ und schwer erkennbaren Notenlinien spricht Hubert Schröder, der die zwei „Concertanten“ jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf befreit hat. Mit Kenntnis, Feingefühl und Bereitschaft zu minutiöser Detailarbeit hat er aus den handschriftlichen Manuskripten druckfähige Noten erstellt, um die Aufführung der beiden Stücke zu ermöglichen.  

Die beiden konzertanten Sinfonien, die „Concertante in C“ und „Concertante in F“ zeigen die kompositorische Meisterschaft von Johann Wilhelm Wilms vor allem in der raffinierten Verflechtung der Soloinstrumente – Flöte, Oboe, Fagott, Horn, Violine und Cello -, die allesamt von Mitgliedern des Orchesters gespielt werden. Sie wirken gleichberechtigt miteinander und entfalten im lebhaften Dialog eine faszinierende klangliche Vielfalt. Die Concertanten von Wilms sind eine perfekte Herausforderung für das Ensemble Harmonie Universelle, das für die dreiteilige Konzertserie und die anschließende CD-Produktion exzellente Instrumentalisten und den auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Dirigenten Andreas Spering verpflichtet hat. Gemeinsam heben sie zwei echte Schätze und machen sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Wiederentdeckt wird in den Konzerten auch das Konzert B-Dur für Klarinette und Orchester Op.40 von Johann Wilhelm Wilms. Das kam im Jahr 2012 in Köln zur Erstaufführung, nachdem der Klarinettist Dieter Klöcker das Manuskript in einem Archiv in Prag aufgespürt und mit nach Deutschland genommen hatte. Auch hier wurden die Noten zunächst sorgsam ediert. Das technisch und interpretatorisch anspruchsvolle Werk erhielt damals offiziell zwar Einzug in den Kanon der Solowerke für Klarinette und Orchester, wirklich beachtet wurde es seither aber nicht. Harmonie Universelle möchte durch seine Neuproduktion diesem nur schwer erklärlichen Umstand jetzt entgegen wirken. 

Für den Solopart hat Harmonie Universelle einen Spezialisten für historische Klarinette engagiert. Ernst Schlader ist Professor am Institut für Alte Musik in Wien und konzertiert regelmäßig mit allen namhaften Alte Musik Ensembles in Europa. Wilms hatte den Ruf, die bauliche Entwicklung der Blech- und Holzbläser im Blick zu haben und darauf schnell zu reagieren. So ist zu vermuten, dass einige Stellen seines Opus 40 erst mit der kurz vorher entwickelten 13-klappigen Klarinette zu spielen gewesen sind.

Und der ‚Bergische Beethoven‘ wäre dieser nicht, wenn er nicht dem „echten“ gegenübergestellt würde. Auf dem Konzertprogramm steht neben Wilms Concertanten und seinem Klarinettenkonzert deshalb Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr.1 in C-Dur, Op.21. Die Besetzung des Ensembles ist in Anlehnung an die historischen Vorgaben kleiner als in einem modernen Sinfonieorchester, denn zu Beethovens Zeiten wurden nicht zwölf oder gar achtzehn erste Violinen eingesetzt, sondern maximal fünf oder sechs. Entsprechend sind auch die anderen Streichergruppen kleiner besetzt. 

Unter der Leitung von Andreas Spering spielen das Ensemble Harmonie Universelle und der Solist Ernst Schlader drei Konzerte mit Pioniercharakter in der Historischen Stadthalle Wuppertal, im Altenberger Dom und im Ventana in Köln. Entdeckergeister sollten die Gelegenheiten nicht verpassen! Im Anschluss an die Konzerte wird Harmonie Universelle in Kooperation mit dem DLF eine reine Wilms-CD mit den drei o.g. Werken einspielen. Die CD erscheint in 2023 bei ACCENT. 

Johann Wilhelm Wilms wurde im Jahr 1772 in Witzhelden, südlich von Wuppertal, geboren. Wie Beethoven war er Pianist und Komponist, wie dieser verließ er seine Heimat, um in einer Musikmetropole beruflichen Erfolg zu haben: Ludwig zog es 1792 nach Wien, Johann Wilhelm ein Jahr vorher nach Amsterdam. Bereits wenige Jahre später galt Wilms als einflussreicher und geachteter Akteur im Amsterdamer Musikleben, viele seiner Werke erschienen im Druck bei renommierten Verlagen, wurden mit etlichen Preisen dekoriert und regelmäßig aufgeführt. Als erfolgreicher Klaviersolist und Flötist unterhielt der Schöpfer der damaligen niederländischen Nationalhymne Beziehungen zu vielen hervorragenden Musikern seiner Zeit. 

Do, 29. September 2022 |  20 Uhr | Historische Stadthalle Wuppertal

Der Bergische Beethoven

Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr.1 C-Dur op. 21
Johann Wilhelm Wilms, Concertante C-Dur für Flöte, Klarinette, Fagott, Violine & Violoncello solo mit großem Orchester
Johann Wilhelm Wilms, Konzert B-Dur für Klarinette und Orchester op. 40
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