19.06.2012

Das heimliche Ende einer Schwebebahn oder ein Fehler wiederholt sich.

Das unbemerkte Ende von GTW 19 nach 38 Jahren im Dienst.

Die Schwebebahnwagen der Baureihen 03, 30 und 50 existieren heute nur noch auf  Fotos und in Erinnerungen. Viel wurde darüber diskutiert, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholen darf. Vor kurzem war es nun soweit, mit GTW 19 wurde der erste Wagen der aktuellen Baureihe 72 vom Gerüst geholt und ausgemustert. Er besteht aktuell bereits nur noch aus Einzelteilen in Vohwinkel. Was mit ihm geschieht, Schrottplatz, Gartenlaube usw. ? Unklar.

Die WSW halten es noch nicht einmal für nötig, den Anfang vom Ende der Baureihe 72 überhaupt offiziell bekannt zu geben. Man muss zugeben, dass es in anderen Betrieben wie Rheinbahn, KVB und Co. auch nicht üblich ist, die Ausmusterung einer einzelnen Straßenbahn zu erwähnen. Aber die Schwebebahnen sind keine Stadtbahnwagen Typ B, die 100 fach produziert wurden. Es sind 28 weltweit einzigartige Sonderfahrzeuge die von der Baureihe 72 produziert wurden.

GTW 4 wurde nach seinem Unglück 1999 verschrottet, GTW 19 steht ausgemustert mit ungewisser Zukunft in Vohwinkel, ein weiterer soll noch vor den Sommerferien 2012 ebenfalls ausgemustert werden. 2 Jahre vor der geplanten Lieferung eines ersten neuen Prototyps.

Ein Zug blieb vor 40 Jahren von der Ausmusterungswut verschont, seit 1976 sind die Wagen 5 und 22 der Baureihe 00 als „Kaiserwagen“ im Sondereinsatz. Mit einer Auslastung von 100 % in jedem Jahr gehört er zu den erfolgreichsten Museumszügen im Land. Im Hinblick auf diesen Erfolg sollte man meinen, dass zumindest ein „70er Jahre Museumszug“ der aktuellen Baureihe beschlossene Sache wäre, aber falsch gedacht.

Wie die Firma Alstom berichtet, hat sie von den WSW den Auftrag zur Aus- bzw Umrüstung von 31 neuen Zügen und dem Kaiserwagen mit dem neuen Betriebssystem bekommen. Von einer Umrüstung eines B72 Zuges ist nicht die Rede. Auf Anfragen an die WSW planten diese lange Zeit höchstens, einen Wagen in Vohwinkel als Schauobjekt abzustellen.

Bei der neuen Zugreihe wollen die WSW nun einen Prototypen im Sommer 2014 auf die Strecke schicken, der ein halbes Jahr lang u.a das neue Betriebssystem testen soll. Vor 40 bis 50 Jahren  testeten die WSW dagegen neue technische Entwicklungen an den vorhanden Wagen. Aus der Baureihe 50 wurden 2 Test GTW´s U62 (Blauer Enzian) und U65 konstruiert, beide bekamen neue Gelenke und U65 wurde zusätzlich mit neuen Fahrgestellen versehen.

Laut Aussage der WSW wäre die Umrüstung eines B72 Zuges an das neue Betriebssystem auch ohne Problem möglich. Wieso wird also nicht ein Wagen der aktuellen Flotte als erster mit dem neuen Betriebssystem versehen? Wieso riskieren die WSW lieber den Einbau eines möglicherweise fehlerhaften Betriebssystems in einen neuen Prototypen?

Die Ausrüstung eines B72 Zuges mit dem neuen Betriebssystems vor eintreffen der neuen Fahrzeugflotte hätte gleich 2 Vorteile, dass Betriebssystem wäre bei eintreffen der neuen Züge bereits auf Herz und Nieren getestet und der probeweise ausgerüstete Wagen der Baureihe 72 könnte als „rollendes Museum“ weiterverwendet werden!

Alles eine Kostenfrage, so die WSW. Einmalige Investitionskosten in einen Wagen, der diese als Museumszug um ein vielfaches kompensieren würde, sind jedoch keine nostalgischen Träumereien sondern ökonomische Vernunft. Es bleibt zu hoffen, dass die WSW in diesem Punkt noch zur Vernunft kommen werden, die nun erfolgte Ausmusterung der ersten Wagen schnell und leise lässt da jedoch schlimmes erahnen.

Mit ihm wird keiner mehr schweben, GTW 19 ist bereits Geschichte:

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