27.01.2026Uli Schmidt
Haushaltssicherung um jeden Preis? Ein Blick in den Stadtwald
Haushaltssicherung ist wichtig – und angesichts der finanziellen Lage vieler Kommunen auch notwendig. Entscheidend ist jedoch immer die Frage, wo angesetzt wird: bei der Reduzierung von Ausgaben oder bei der Erhöhung von Einnahmen. Nicht jede Maßnahme, die auf dem Papier gut aussieht, hält einer genaueren Betrachtung stand.
Ein Beispiel dafür findet sich auf Seite 97 des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) der Stadt Wuppertal. Dort wird unter der Maßnahme „Grünflächen und Forsten“ eine Einnahmeoptimierung beim Holzverkauf aufgeführt. Diese soll dem städtischen Haushalt jährlich 55.000 Euro zusätzlich einbringen.
55.000 Euro pro Jahr – das klingt zunächst nach einer ordentlichen Summe. Im Kontext des städtischen Gesamthaushalts handelt es sich jedoch um vergleichsweise geringe Beträge, also um sprichwörtliche Peanuts. Umso genauer sollte man hinschauen, wie diese Mehreinnahmen erzielt werden sollen.
Konkret heißt es im HSK:
„Vorgesehen ist, die Angaben aus dem Nachhaltigkeitskonzept umzusetzen und die Menge des Holzeinschlags jährlich um rd. 3 % zu steigern. Bezüglich der Erlöse je Festmeter in € hat sich die Abteilung 103.4 im Rahmen des kommunalen Nachhaltigkeitshaushalts Erlösziele gesetzt. Die Realisierung ist marktabhängig.“
Rechnet man diese Angaben zurück, ergibt sich ein derzeitiger Erlös von rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr aus dem Holzverkauf. Das ist bereits eine beachtliche Summe. Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem: Einnahmen dürfen niemals isoliert betrachtet werden.
Denn Bäume fällen sich nicht von selbst und transportieren sich auch nicht eigenständig auf einen Holzlagerplatz. Holzeinschlag ist personal-, maschinen- und kostenintensiv. Gerade im städtischen Wald sind die Bedingungen anspruchsvoll: Steillagen, Sicherheitsauflagen, Verkehrssicherung und kleinteilige Maßnahmen treiben die Kosten erheblich nach oben.
Hinzu kommt, dass städtische Wälder weit mehr Aufgaben erfüllen als nur Holz zu liefern. Sie dienen der Erholung der Bevölkerung, dem Klimaschutz, der Luftreinhaltung und der Biodiversität. Diese Funktionen lassen sich nicht beliebig mit einer stetig steigenden Nutzung vereinbaren.
Mehr Holzeinschlag bedeutet in der Praxis häufig:
zusätzliche Schäden an Waldwegen
höhere Instandhaltungskosten
notwendige Nachpflanzungen
ökologische Risiken, insbesondere in Buchenmischwäldern, wo stärkere Auslichtungen langfristig sehr nachteilig sein können
All diese Folgekosten tauchen im HSK jedoch nicht auf. Geplant sind feste Mehreinnahmen – unabhängig von Marktlage, Waldzustand und steigenden Aufwendungen. Das steht im deutlichen Widerspruch zur eigenen Aussage, die Realisierung sei „marktabhängig“.
Aus meiner Sicht sollten diese Mehreinnahmen daher kritisch hinterfragt werden. Eine wirklich waldnahe Betrachtung würde vermutlich zeigen, dass es ganz andere Einsparpotenziale gibt – etwa durch klügere Pflegekonzepte, langfristige Planung oder das Vermeiden von Folgeschäden.
Ob die Politik ihrer Aufgabe nachkommt und diese Punkte im Detail hinterfragt, bleibt abzuwarten. Angesichts des Umfangs des Haushaltssicherungskonzeptes mit seinen vielen Seiten habe ich daran allerdings Zweifel.
So bleibt der Eindruck einer kaufmännischen Milchmädchenrechnung: Auf dem Papier sieht es gut aus – in der Realität könnte der Stadtwald dafür einen hohen Preis zahlen.
Uli
Quelle: SessionNet | Einbringung des Haushaltssicherungskonzeptes 2026 ff.
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