Mitten auf nächtlichen Straßen – Wuppertals erste „Nightride-Critical Mass“

Wuppertal ist keine Fahrradstadt. Wuppertal hat zu steile Berge und zu wenige Fahrradwege. Aber es gibt sie, die Unbeirrbaren, die sich weder von einem Berg, noch von dem hektischen Autowahnsinn auf Wuppertals Straßen, oder von irgendwelchen Klischees schrecken lassen.

Am vergangenen Freitag trafen sich spontan 24 der Unbeirrbaren zur ersten „Nightride – Critical Mass“ – einer nächtlichen Radtour durch die Straßen der Stadt.

Vom Cinemaxx startete die Gruppe um 21:30 Uhr zur 18 km langen Rundfahrt ins dämmernde Tal. Bei besten Wetter, lauen Temperaturen und leichtem Wind ging es zunächst in gemächlichem Tempo mit treibenden Beats auf der B7 Richtung Barmen. Einer der Beteiligten hatte sich zur Freude aller, eine kleine Musikanlage auf den Rücken geschnallt. Die gesamte rechte Fahrspur wurde eingenommen. Vorbeifahrende Autofahrer reagierten zunächst irritiert auf das seltsame Phänomen, um dann zumeist in ein zustimmendes Hupkonzert zu verfallen. Stressreaktion entstanden nur dann, wenn die Gruppe Kreisverkehre auf ihrem verschlungen Weg von Elberfeld nach Barmen und zurück mehrfach umrundete.

Die Gesichter der Passanten am Straßenrand spiegelten überwiegend Erstaunen und zustimmendes Grinsen. So mancher brach in lautes Johlen aus und wäre gerne mitgefahren, hätte er nur ein Fahrrad dabei gehabt. „Guck mal die Ökos!“ lautete einer der wenigen eher unfreundlichen Kommentare. In der Luisenstrasse schließlich wurde der Trupp von lauten Beifallsbekundungen begleitet.

Auch die Wuppertaler Polizei nahm die Gruppe zur Kenntnis, ließ sie jedoch ohne jede Behinderung gewähren. Um 24:00 Uhr ging eine entspannte und vergnügliche Tour zu Ende, in der die Wuppertaler sich den Teilnehmern überwiegend als gut gelaunte und entspannte Bürger präsentierten, die offensichtlich nichts gegen die Umnutzung ihrer Straßen in Fahrradwege einzuwenden haben – zumindest nicht nach Feierabend und dann nicht, wenn ein langes Wochenende mit wunderbarem Wetter bevor steht.

1992 in San Francisco entstanden – einer Stadt mit mindestens ebenso viel Bergen wie Wuppertal – hat sich die „Critical Mass“ zu einer weltweit fahrradfahrenden Protestbewegung entwickelt, die inzwischen auch viele Städte Deutschlands erreicht hat. Die Beteiligten treffen sich, um radelnd die Straßen der Metropolen zurück zu erobern und damit für neue Mobilitätskonzepte zu demonstrieren. In Deutschland macht sich die Bewegung den § 27 der Straßenverkehrsordnung zu Nutze, wonach 15 Radfahrer einen geschlossenen Verband bilden. Dieser Verband wird als einzelnes Fahrzeug gewertet, kann eine Fahrspur für sich beanspruchen und in einem Zug auch über rot fahren, wenn der Erste die Ampel noch bei grün passiert hat. Die Verkehrsregeln werden während einer „Critical Mass“ streng beachtet. Mit bis zu 400 Teilnehmern findet in Dortmund an jedem zweiten Samstag im Monat NRW’s größte Critical Mass statt.

Alle Infos zur Critical Mass Wuppertal unter:
https://www.facebook.com/CriticalMassWuppertal

Danke an Talradler.de für den überlassenen Film. http://www.talradler.de

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