Historische Zoosäle – Wuppertal muss nicht neu erfinden, was schon einmal geplant war

Die Zukunft der historischen Zoosäle ist wieder offen. Die Stadt sucht einen Investor, das erste Verfahren brachte jedoch noch keinen Erfolg. Dabei lohnt sich ein Blick zurück - Denn für dieses Gebäude gab es bereits ein Konzept, das seine Geschichte, den Grünen Zoo Wuppertal, Naturkunde, Bildung und Tiermedizin miteinander verbunden hätte. Vielleicht wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Gedanken wieder aufzugreifen.

Foto: Claudia Otte

 

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Die Zoosäle sind kein beliebiges altes Gebäude am Rande des Zoos. Sie gehören zur Entstehungsgeschichte des Zoologischen Gartens selbst. Bereits 1879 wurde die Aktiengesellschaft „Zoologischer Garten“ gegründet. 1880 schrieb sie einen Architektenwettbewerb für das Restaurationsgebäude aus, 1881 wurden die heutigen Zoo-Gaststätten errichtet. Am 8. September desselben Jahres öffnete auch der Zoologische Garten in Elberfeld seine Tore. In der Gaststätte und im Garten fanden Veranstaltungen, Konzerte und andere Vergnügungen statt. (Wuppertal)

Die Zoosäle waren damit von Anfang an Teil des gesellschaftlichen Lebens rund um den Zoo. Und sie wurden immer bedeutender: 1898/99 erhielt das Gebäude auf der Rückseite eine große zusätzliche Halle. Seine Bedeutung reicht sogar über den Zoo hinaus. Nach Angaben der städtischen Denkmaldokumentation bildete das Gebäude einen Ausgangspunkt für die weitere städtebauliche Entwicklung des heutigen Zooviertels. Zusammen mit der Bahnstation wurde es zu einem wichtigen Bezugspunkt der späteren Straßen- und Villenbebauung. Seit dem 22. Juli 1992 steht das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz. (Wuppertal)

Gerade deshalb stellt sich heute die Frage, ob die Zoosäle wirklich wie irgendeine andere Immobilie betrachtet werden sollten.

Denn auch die Idee, dort wieder Naturwissenschaft und Bildung einziehen zu lassen, ist keineswegs neu.

Das 2008 geschlossene Fuhlrott-Museum hatte über Jahre unter Platzproblemen gelitten. Bei der Suche nach einem neuen Standort waren ausdrücklich auch die damaligen Zoogaststätten im Gespräch. Selbst kurz vor der endgültigen Schließung wurde noch über einen Umzug dorthin diskutiert. (Naturwissenschaftlicher Verein Wuppertal)

Einige Jahre später wurde aus dieser Idee sogar ein konkretes städtisches Projekt.

Unter dem Namen „Bildungs- und Kompetenzzentrum Carl Fuhlrott“ beziehungsweise „Fuhlrott-Campus“ sollten die historischen Zoosäle wiederbelebt werden. Der Rat der Stadt Wuppertal bestätigte am 22. Juni 2015 ausdrücklich einen bereits 2013 gefassten Beschluss, dieses Zentrum in den Zoosälen einzurichten. Die Verwaltung wurde beauftragt, Raumprogramm, Entwurfsplanung und Kostenberechnung für den Umbau voranzutreiben. Der Beschluss fiel im Rat ohne Änderungen. (ris.wuppertal.de)

Und das damalige Konzept war bemerkenswert.

Die Zoosäle sollten zu einem naturwissenschaftlichen Lernort werden. Vorgesehen war eine Verbindung von Zoopädagogik und Zooschule, Veterinärmedizin, Umweltbildung und Ausstellungen. Ein Aquarium beziehungsweise ein Bereich zum „Ökosystem Wupper“ sollte die heimische Natur vermitteln. Das geplante veterinärmedizinische Zentrum sollte zugleich der Weiterbildung von Tierärzten dienen. Die Öffentlichkeit sollte Einblicke in Tiermedizin und Forschung erhalten können. (ris.wuppertal.de)

Damit wäre genau jene Verbindung entstanden, die sich für diesen Standort geradezu aufdrängt: Grüner Zoo, Naturkunde, Umweltbildung, Forschung und Tiermedizin unter einem historischen Dach.

Selbst der offizielle Zooplan führte die historischen Zoosäle später noch mit dem Hinweis „geplanter Carl Fuhlrott Campus“. (Wuppertal)

Das Projekt wurde letztlich nicht verwirklicht. Heute beginnt die Suche nach einer Zukunft deshalb praktisch erneut.

2025 stellte die Stadt bei ihren Voruntersuchungen fest, dass die Zoosäle weder für Wohnungen noch für eine große Veranstaltungslocation geeignet sind. Gleichzeitig wurden ausdrücklich die Anforderungen des Grünen Zoos, der Denkmalschutz und die Bundesgartenschau 2031 berücksichtigt. (Wuppertal)

Das 2026 gestartete Investorenverfahren brachte trotzdem zunächst keinen Investor hervor. Interessenten erfüllten zwar die Eignungskriterien, benötigten für tragfähige Konzepte aber mehr Zeit und größere Gestaltungsmöglichkeiten. Als besonderes Hindernis erwies sich das vorgesehene Erbbaurecht. Hinzu kommen Denkmalschutz, die notwendige Verbindung zum Zoo, die Rolle des Gebäudes für die BUGA 2031 und die Sicherung der Tony-Cragg-Skulptur auf dem Vorplatz. Die Stadt will ihre Vorgaben deshalb überarbeiten und das Verfahren noch einmal öffnen. (Wuppertal)

Doch vielleicht sollte vor einer erneuten Investorensuche noch eine grundsätzlichere Frage gestellt werden:

Was wollen wir eigentlich mit diesem Gebäude?

Die Skulptur von Tony Cragg dürfte dabei wohl eines der kleineren Probleme sein. Die entscheidende Frage ist, ob ein wirtschaftlich verwertbares Gebäude entstehen soll – oder ein Ort, der seiner Geschichte und seinem Standort gerecht wird.

Die Zoosäle waren immer mit dem Zoo verbunden. Diese Verbindung jetzt endgültig aufzugeben, wäre kaum nachvollziehbar.

Warum also nicht einen Teil der alten Idee wieder aufnehmen?

Ein modernes Naturkundemuseum, das die Tradition des Fuhlrott-Museums fortsetzt, könnte dort ebenso seinen Platz finden wie die Zooschule, Umwelt- und Artenschutzbildung und geeignete veterinärmedizinische Einrichtungen des Grünen Zoos. Denkbar wären Ausstellungen zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt, zur Wupper, zur Evolution, zu Fossilien, Geologie, Artensterben und Artenschutz – ergänzt durch die unmittelbare Nachbarschaft eines modernen zoologischen Gartens.

Das wäre kein nostalgischer Rückblick auf ein verschwundenes Museum. Es könnte ein moderner Bildungsort werden, der gerade im Zusammenhang mit der BUGA 2031 weit über Wuppertal hinaus Aufmerksamkeit erzeugt.

Und es wäre möglicherweise auch eine Gelegenheit, einen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Mit der Schließung des Fuhlrott-Museums verlor Wuppertal 2008 sein Naturkundemuseum. Jahre später plante die Stadt selbst bereits dessen naturwissenschaftliche Idee in den Zoosälen neu zu beleben.

Vielleicht muss man deshalb gar nicht nach der vollkommen neuen Nutzung suchen.

Vielleicht liegt die beste Zukunft der Zoosäle bereits in ihrer eigenen Geschichte: Zoo, Naturkunde, Bildung und Wissenschaft. Keine Wohnungen. Keine beliebige Verwaltung. Sondern wieder ein Haus, das zum Grünen Zoo Wuppertal gehört und eine Aufgabe bekommt, die diesem außergewöhnlichen Gebäude gerecht wird. (C.O) 

Quellen: Stadt Wuppertal, Denkmalliste „Zoo-Gaststättengebäude“ Denkmaldokumentation der Zoosäle; Der Grüne Zoo Wuppertal, „Der Zoo gestern“ Geschichte des Grünen Zoos; Ratsinformationssystem Wuppertal, Grundsatzbeschluss „Fuhlrott-Campus“ 2015 Grundsatzbeschluss Fuhlrott-Campus; Strategie Wuppertal 2025, Bildungs- und Kompetenzzentrum Carl Fuhlrott (ris.wuppertal.de); Naturwissenschaftlicher Verein Wuppertal, Geschichte des Fuhlrott-Museums Geschichte des Fuhlrott-Museums; Stadt Wuppertal, Investorensuche Zoosäle 2025 und 2026. (Wuppertal)

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