04.02.2026Claudia Otte
Baumfällungen in Wuppertal – wenn „Sicherheit“ und ,,Krankheit“ zur Allzweckwaffe wird
Symbolfoto:(KI) C.OtteSelbstverständlich geht Sicherheit vor. Dieses Argument ist unschlagbar, weil es jede Diskussion beendet, bevor sie beginnt. Dass die angebliche Gefahr oft das Ergebnis jahrelanger Fehlplanung ist – zu kleiner Wurzelraum, verdichtete Böden, falsche Standorte – spielt keine Rolle mehr. Die Bäume sind instabil? Dann weg damit. Dass man sie erst in diese Lage gebracht hat, ist ein Detail, über das man elegant hinweg geht.
So entsteht der Eindruck, dass Stadtgrün in Wuppertal weniger als Schatz betrachtet wird, sondern eher als lästiger Pflegefall. Lebendige, gewachsene Strukturen sind kompliziert. Kahle Flächen sind übersichtlich. Vielleicht ist das der eigentliche Maßstab, je aufgeräumter, desto besser verwaltbar.
Spätestens bei der BUGA wird klar, wohin die Reise geht. Unter dem Banner von Zukunft, Aufwertung und Großprojekt werden intakte Naherholungsgebiete zerlegt. Was über Jahrzehnte gewachsen ist, wird umgebaut, abgeholzt, neu gedacht – auf Kosten von Natur, Rückzugsräumen und ökologischer Funktion. Kollateralschäden nennt man das dann wohl.
Besonders konsequent zeigt sich diese Haltung des Ressort Grünflächen und Forsten der Stadt beim jährlichen Rückschnitt von Büschen auf Stock. Radikal. Flächig. Wieder und wieder. Dass damit Brutplätze für Vögel auf Jahre zerstört werden, ist kein Geheimnis, sondern Fachwissen. Aber Fachwissen ist unbequem, wenn es den Arbeitsablauf stört und ,,Fachwissen“ hat der ,,Normalbürger“ sowieso nicht, ein Argument wenn man sich über diese Vorgehensweise beschwert.
Zur Absicherung dienen praktische Schlagworte. „Platanenkrebs“ zum Beispiel. Meldepflichtig, komplex, eigentlich differenziert zu behandeln – aber hervorragend geeignet als universelle Begründung, wenn größere Eingriffe gerade gut passen. Ein Wort, und die Säge läuft.
Und dann die Rhododendren im Von-der-Heydt-Park. Jahrzehnte alt, gesund, jedes Jahr ein Blütenmeer. Eine sanfte Auslichtung hätte völlig gereicht. Stattdessen: komplett auf Stock gesetzt. Totale Ordnung. Null Charme. Maximal effizient.
Natürlich wird anschließend beruhigt: Nachpflanzungen sind geplant. Irgendwann, wenn das Geld da ist, wenn der Untergrund passt, vielleicht auch gar nicht, der Bürger vergiss schnell. Junge Bäume werden dann präsentiert wie ein Trostpflaster, sehen aus wie Zahnstocher – als könnten sie ersetzen, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Nein, tun sie nicht.
Was hier passiert, ist kein bedauerlicher Einzelfall. Es ist ein auch für den Normalbürger mittlerweile ein erkennbares System.
Wuppertal wird grüne Zukunft verkauft und gleichzeitig unter Deckmäntelchen entgrünt.
Mit Verwaltungssprache, mit Gutachten, mit dem immergleichen Hinweis auf Sicherheit. Stattdessen werden Bäume in mobilen Kübeln an fragwürdigen Plätzen aufgestellt, wie arm ist das denn?
Und irgendwann steht man auf einem aufgeräumten Platz, schaut auf frisch gepflasterte, versiegelte Flächen und fragt sich, warum es sich plötzlich so leer anfühlt.
Aber keine Sorge: Es war alles geprüft. Es gab keine Alternative und ordentlich ist es jetzt auch. (C.O)
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