03.02.2026

Buntenbecker Feld: Ein alter Fehler wird neu verpackt

BUGA gGmbH schreit Alternativlos ... ich rufe zurück prüf doch erstmal bevor du das behauptest.



Wuppertal bewirbt sich mit großen Worten um die BUGA 2031: nachhaltig, klimafreundlich, vorbildlich. Doch ausgerechnet bei der Verkehrs- und Parkplatzfrage droht dieses Versprechen zur hohlen Phrase zu werden. Aktuell liegt ein Aufstellungsbeschluss in den politischen Gremien, der vorsieht, eine landwirtschaftlich genutzte Fläche am Buntenbecker Feld als temporären Großparkplatz für die BUGA vorzubereiten – mit der Perspektive einer späteren gewerblichen Nutzung.

Was dabei auffällt: Diese Fläche ist politisch alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Bereits 2019 klar abgelehnt

Schon 2019 stand das Buntenbecker Feld zur Diskussion. Damals sollte dort Gewerbe angesiedelt werden. Sowohl die Bezirksvertretung Vohwinkel als auch der Bauausschuss lehnten den Aufstellungsbeschluss ab. Ebenfalls scheiterte eine Vorkaufssatzung, mit der die Stadt ein nicht in ihrem Besitz befindliches Grundstück hätte erwerben können. Damit war die Fläche eigentlich aus der Betrachtung gefallen.

Die Gründe für die Ablehnung waren vielfältig: problematische Entwässerung, Nähe zu Wohnbebauung, schwierige verkehrliche Anbindung und nicht zuletzt die Frage, ob man im Außenbereich überhaupt weitere Flächen versiegeln sollte.

Der politische Kuhhandel von 2020

Doch Politik vergisst bekanntlich schnell. 2020 kam es zu einem neuen Vorstoß – diesmal aus einer Kooperation von CDU und Grünen. Als politischer Kompromiss wurde vereinbart, das Buntenbecker Feld erneut prüfen zu lassen. Im Gegenzug sollte eine andere Fläche, die „Kleine Höhe“, vor Bebauung geschützt werden.

Solche Deals werden selten offen benannt. Stattdessen werden sie gesichtswahrend als „Prüfauftrag“ an die Verwaltung formuliert. So auch hier. In der Ratsvorlage VO/0514/20 heißt es unter Punkt 7, die Verwaltung solle ein Konzept für eine klimagerechte Gewerbeflächenentwicklung für das Buntenbecker Feld vorlegen – analog zum SmartTec Campus Lichtscheid.

Ein Konzept, das bis heute fehlt.

Verwaltung ohne Ergebnis – Politik ohne Nachfrage

Auf eine IFG-Anfrage wurde inzwischen offiziell bestätigt:
Ein solches Konzept wurde weder erarbeitet noch vorgelegt. Begründung: fehlende Planungsreife der Fläche.

Mit anderen Worten: Fünf Jahre lang hat niemand ernsthaft nachgefragt, warum ein politisch beschlossenes Konzept nicht existiert. Weder Verwaltung noch Politik sahen offenbar Anlass, den eigenen Beschluss einzufordern.

Stattdessen taucht das Buntenbecker Feld seitdem regelmäßig in Potenzialflächenlisten auf – meist mit dem lapidaren Hinweis: „schwierig, eher nicht umsetzbar“. Eine klare politische Bewertung oder ein Abbruch der Planungen? Fehlanzeige.

BUGA 2031: Nachhaltigkeit nur auf dem Papier?

Mit der Entscheidung für die BUGA 2031 kam ein neues Narrativ hinzu. In Machbarkeitsstudien, öffentlichen Veranstaltungen und sogar im Bürgerentscheid wurde versprochen:
Die BUGA soll die nachhaltigste aller Zeiten werden.
Neue Parkplätze? Nur, wenn dafür keine Flächen versiegelt werden müssen.

Doch genau das steht nun infrage. Die BUGA gGmbH scheint selbst nicht mehr daran zu glauben, dass dieses Versprechen einzuhalten ist. Statt kreative, nachhaltige Verkehrslösungen zu entwickeln, greift man zur einfachsten – und schlechtesten – Variante: ein Großparkplatz auf der „grünen Wiese“.

Das Buntenbecker Feld sei dafür geeignet, heißt es, schließlich solle dort ja ohnehin Gewerbe entstehen. Ein bemerkenswertes Argument, wenn man bedenkt, dass es bis heute kein tragfähiges Gewerbekonzept gibt.

Ein schlechter Plan mit Ansage

Dieser Ansatz ist aus mehreren Gründen problematisch:

Er widerspricht dem Auftrag, nachhaltige BUGA-Lösungen zu entwickeln.

Er versiegelt eine bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche.

Er ignoriert bekannte Probleme bei Entwässerung, Verkehr und Klima.

Er blockiert die Fläche faktisch bis mindestens 2032 für jede ernsthafte gewerbliche Entwicklung.

Und er blendet aus, dass es in Wuppertal durchaus Brachflächen gibt, die sich für Gewerbe eignen würden – man denke nur an die „Bergische Sonne“, für die es trotz idealer Voraussetzungen bis heute keine Interessenten gibt.

Ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg zu bringen, nur um eine temporäre Parkplatzlösung abzusichern, wirkt wie ein schlechter Witz. Nur dass hier niemand lacht.

Mangelnde Transparenz als System

Besonders kritisch ist die vorliegende Beschlussvorlage der Verwaltung. Sie ist auffallend dünn und lässt wesentliche Informationen weg:

Kein Hinweis darauf, dass die Fläche bereits 2019 abgelehnt wurde.

Keine Beifügung der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange.

Keine Gutachten im Anhang.

Keine transparente Darstellung der bekannten Risiken.

So wird es den ehrenamtlichen Kommunalpolitiker*innen nicht einmal ermöglicht, sich fundiert mit dem Thema auseinanderzusetzen – selbst wenn sie es wollten.

Rechtsrisiken inklusive

Die Folgen wären gravierend:
Das BUGA-Verkehrskonzept würde ins Wanken geraten, weitere Planungen könnten angreifbar werden – und ein echter Plan B existiert bislang nicht. Stattdessen hat es bisher lediglich sinnfreie „Prüfungen“ gegeben, die zu dem erwartbaren Ergebnis kommen, dass Parkraumlösungen in den umliegenden Wohnquartieren „eher schwierig“ seien. Eine Erkenntnis, die eigentlich keiner Prüfung bedurft hätte, da sie seit Jahren bekannt ist.

Gleichzeitig liegen der Stadt konstruktive Bürger*innenanträge mit konkreten Lösungsvorschlägen vor, in denen alternative Flächen benannt werden. Diese wurden bislang nicht einmal ordnungsgemäß nach § 24 GO NRW behandelt. Eine ernsthafte politische Auseinandersetzung mit diesen Vorschlägen hat somit nie stattgefunden.

Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch: Blickt man auf den Bebauungsplan Seilbahn, ist dort der Bau eines Parkhauses mit rund 400 Stellplätzen vorgesehen. Wer nun jedoch glaubt, diese Parkplätze stünden 2031 den BUGA-Besucher*innen zur Verfügung, dürfte eine böse Überraschung erleben. Nach aktuellem Stand soll genau das ausgeschlossen sein, da eine Nutzung angeblich mit der Besucherlenkung in Konflikt stehe. Es sei zu „gefährlich“, wenn der motorisierte Individualverkehr der BUGA-Besucher durch die Menschenmengen führe, die zu Fuß, mit dem ÖPNV oder mit Shuttle-Bussen zur Seilbahn unterwegs sind.

Ein schlüssiges Verkehrskonzept lässt sich daraus kaum erkennen. Umso erstaunlicher ist, dass diese Argumentation bislang politisch nicht ernsthaft hinterfragt wurde.

So entsteht insgesamt ein künstliches Narrativ der „Alternativlosigkeit“, das der BUGA gGmbH nun gelegen kommt. Wer Alternativen weder ernsthaft prüft noch zulässt, kann anschließend leicht behaupten, es gebe keine.

Ein Hoffnungsschimmer?

Die Bezirksvertretung Vohwinkel hat sich ihrer Verantwortung bewusst gezeigt und den Aufstellungsbeschluss abgelehnt. Ob der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Bauen und Standortmarketing nachzieht, bleibt abzuwarten.

Eine Vertagung ist möglich – aber Verschieben ist nicht Aufheben. Ohne ernsthafte Aufarbeitung der bekannten Probleme droht das Verfahren bald erneut auf die Tagesordnung zu kommen. Wieder ohne neue Erkenntnisse. Wieder ohne Konzept.

Für eine Stadt, die Nachhaltigkeit und Transparenz propagiert, ist das ein Armutszeugnis.

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Quellen :

SessionNet | Bebauungsplan 1267 – westlich Bahnstraße / Buntenbeck –

Ratsvorlage VO/0514/20 „Wirtschaftsstandort Wuppertal mit Weitblick weiterentwickeln“ – FragDenStaat

B Plan 1267 Kurzbegründung – FragDenStaat

Diese Anfrage wurde Abgelehnt die nächste wurde erst nachdem die zuständige Datenschutzbeauftragte der Stadt mitgeteilt hat das dieses nicht zulässig ist! Kurzbegründung zu BPlan 1267 – FragDenStaat

 

SessionNet | Vorkaufssatzung für den Bereich „westliche Bahnstraße / Buntenbeck“ – Satzungsbeschluss  Aus der Niederschrift : 3
Städtebaulicher Rahmenplan für die gewerbliche Entwicklung der Fläche
„westliche Bahnstraße / Buntenbeck“
Vorlage: VO/0069/19
Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen vom
09.05.2019:
Die Verwaltungsdrucksache wird abgelehnt.
Abstimmungsergebnis:
Stimmenmehrheit (gegen die Fraktionen von SPD und FDP). 

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