29.03.2010

Haushaltssicherungskonzept medienprojekt Wuppertal kackt ab

Umstrittene Aktion des Medienprojekts: Filme jetzt online!

Die Video-Aktion des Wuppertaler Medienprojekts mit dem provokanten Namen "Wuppertal kackt ab" hat auch hier bei njuuz zu Diskussionen geführt. Die Filme, die jetzt vorgestellt wurden, sind oft beeindruckend, manchmal verstörend, hin und wieder ein bisschen peinlich und gelegentlich sogar ermutigend. Sehen Sie hier alle Filme.

 

Eine Frage der Moral“ lässt die Wuppertaler Politik zu Wort kommen – und dabei schlecht aussehen. Die Hiobsbotschaften von Oberbürgermeister und Stadtkämmerer kommentiert der Landesfinanzminister trocken: „Dass es einen irgendwann erwischt, wenn man auf Pump lebt, ist eine Tatsache. Die Zinsen strangulieren einen dann irgendwann.“ Die jungen Filmemacher fragten auch bei Düsseldorfer Banken nach, wer eigentlich an den horrenden Zinslasten der Stadt Wuppertal verdient. Ein Bankangestellter meint lapidar: „Wer Politik und Moral in einem Atemzug nennt, der hat’s irgendwie nicht begriffen.“

Toxiccity“ zeichnet das Bild eines apokalyptischen Wuppertals, das von den meisten Bewohnern verlassen wurde. „Die, die blieben, veränderten sich“, raunt eine düstere Stimme aus dem Off. Sie machen als infizierte Mutanten Jagd auf eine Gruppe Jugendlicher, die verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Letzte Rettung: mit dem Boot über den Fluss. Nicht alle werden es ins rettende Düsseldorf schaffen.

Auch der zweiteilige Beitrag „Wukania – Wuppertal kackt nicht ab“ wirft einen Blick in die Zukunft, aber einen deutlich optimistischeren als „Toxiccity“. Die Krise des Jahres 2010 wird als Wendepunkt zum Besseren beschrieben. Die Oberbürgermeisterin berichtet im Jahr 2030: „Wir haben uns auf uns selbst besonnen. Wir waren selbst überrascht, was unsere Stadt zu bieten hat. Die Vernetzung von Bildung und Kultur hat unsere Stadt zum Blühen gebracht“

Wie wirkt sich die städtische Haushaltskrise auf die kleinsten Wuppertaler aus? Damit beschäftigt sich der Beitrag „Wir sind Wuppertal„. Kinder beschreiben, dass sie seltener in den Zoo gehen, weil ihre Eltern sich gestiegenen Eintrittspreise nicht mehr leisten können. Ein gewisses Verständnis dafür hat ein kleiner Junge aber doch, denn sonst „müssten die den [Zoo] abbauen, und die Tiere müssten die dann wieder in die freie Natur geben“.

Der Film „Talfahrt“ will provozieren. Er beginnt mit einer nachgestellten Ausgabe der Nachrichtensendung „WDR Lokalzeit“ über die Entführung des von der Bezirksregierung nach Wuppertal entsandten Sparkommissars Holger Boschulte. In einem „Erpresservideo“ wird der sichtlich ramponierte Beamte vorgeführt und stammelt, seine Entführer verlangten ein Lösegeld von „1,8 Milliarden Euro in kleinen Scheinen“. Der Betrag entspricht den Schulden Wuppertals. Boschultes Vorgänger kamen auf tragische Weise ums Leben. Einer verunglückte, als sein Wagen in eines der vielen Wuppertaler Schlaglöcher geriet.

Super Wuppertal“ kommt als Werbeclip für ein ganz spezielles Ziel für Städtetouristen daher: „Haben auch Sie genug von eintönigen Städteurlauben? Können Sie Museen und Theaterbesuche nicht mehr ertragen? Sind Sie genervt von Opern und Städtekultur? Dann kommen Sie nach Wuppertal!“

In „Der Masterplan“ gibt es eine neue Nutzung für das Schauspielhaus: als Bordell. Den Wuppertalern, die von den Filmemachern dazu nach ihrer Meinung befragt werden, erscheint das anrüchige Geschäft durchaus plausibel, auch wenn sie es überwiegend ablehnen. Ein Bürger meint: „Passt ja gut. Kontakthof war ja ein Stück von Pina Bausch.“ Auch Plan 2, die Aufnahme von Guantanamohäftlingen, überrascht nur wenige der Befragten. Interessant für den Kämmerer wäre auch der dritte Teil des „Masterplans“: Atommüll verklappen im Beyenburger Stausee.

Wuppertal ist schön“ lässt jene sozialen Einrichtungen zu Wort kommen, die von städtischen Zuschusskürzungen in ihrer Existenz bedroht sind: Tacheles e.V., Zwischennutzungsagentur, Schauspielhaus und Rockförderpreis.

In „Die Übernahme“ wird ein inquisitorisch anmutendes Verhör von Wuppertalern gezeigt, die Rede und Antwort über ihre Nutzung kultureller Einrichtungen stehen müssen.

Eine DVD mit allen Filmen kann kostenlos beim Medienprojekt bestellt werden.

Anmelden

Aktuelle Stellenangebote:

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.