04.06.2016

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Instinktlos, aber sachlich richtig

Die Barmenia ist der neue Hauptsponsor von Bayer 04 Leverkusen. Fans und Kommentatoren können das nicht verstehen. Dabei ist es sachlich richtig, sagt Marketing-Experte Joachim Beck, wenn auch instinktlos.

WSV-Workshop 2004

WSV-Workshop 2004 ©joachimbeck

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Ein #Aufschrei geht durch Wuppertal. Die Barmenia wird neuer Hauptsponsor von Bayer Leverkusen. Der WSV geht leer aus. Fans und Kommentatoren laufen Sturm: „Bayer ist auf das Geld nicht angewiesen!“, „Alle wissen, wie gut ein Bundesligist für Wuppertal wäre.“ oder „Was haben wir von Bayer Leverkusen?“. Ich kann das persönlich gut verstehen, aus der Marketing-Sicht ergibt sich aber eine andere Perspektive.

Alle Argumente kennen Wuppertaler Unternehmen noch aus der Runge-Zeit. Damals marodierten die jeweiligen „Marketing-Leiter“ durch den Bergischen Mittelstand mit der Aufforderung, doch mal was für den WSV und den Standort zu tun. Damals suchte man keine Sponsoren, man suchte Mäzene. Ein Mäzen tut Gutes, ein Sponsor verfolgt Ziele. Und die Barmenia wird Sponsor von Bayer 04 Leverkusen.

Das Hauptmotiv für eine Sponsoring-Vereinbarung ist Image-Transfer. Und das Image eines Sportvereins ändert sich nicht durch 3 Jahre seriöse Führung und einen Aufstieg von der fünften in die vierte Liga. Selbst wenn die Auswärtsspiele des WSV irgendwann mal keine Risikospiele mehr sind und selbst wenn irgendwann keine WSV-Fans mehr vor dem Spiel durch die Innenstädte der Gegner ziehen und „Wuppertal-asozial“ skandieren, wird es noch Jahre dauern, bis der WSV als Sponsoring-Partner für potente und bundesweit aktive Unternehmen interessant wird. Gut, Bayer Leverkusen ist der wahrscheinlich langweiligste Club in der Bundesliga, das Stadion ist meist halbleer und in der Mannschaft sucht man vergeblich nach Identifikationsfiguren. Aber, Leverkusen ist seriös, zuverlässig und ohne Skandal, spielt regelmäßig in der Champions-League, ohne dass man Gefahr liefe, irgendwelche Titel zu gewinnen. Bayer 04 ist ein langer ruhiger Fluss – und damit wahrscheinlich der perfekte Partner für die Barmenia.

Dass das Ganze in dieser Form aber instinktlos war, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich hätte man vorab kommunikative Landschaftspflege betreiben können. Denn natürlich engagiert sich die Barmenia auch im Tal, ist Partner des BHC und unterstützt auch andere Sportvereine im Bergischen. Das scheint aber in der Presselandschaft und in der sportinteressierten Bevölkerung nicht angekommen zu sein.

Für den WSV und vor allem für die Fans ist der Vorgang hoffentlich ein Signal: Sponsoren wollen profitieren, der WSV muss an seinem Image arbeiten um irgendwann als Sponsoringpartner in Frage zu kommen. Es muss ja nicht gleich die „Werkself“ oder das Plastik-Image von „Die Mannschaft“ sein. Alternativ wartet man einfach auf den nächsten Mäzen – aus Velbert, St. Petersburg, Dubai oder Fuschl am See. Dann könnte nämlich alles bleiben, wie es ist. Zunächst.

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Kommentare

  1. Jens sagt:

    Wir waren mit unserem Unternehmen früher Sponsor des WSV. Dies ist mittlerweile kein Thema mehr. Es müssen erst Erfolge vorzuweisen sein. Der jetzige Aufstieg reicht da noch nicht. Gefragt sind kontinuierliche Leistung und der Aufstieg in die nächste Liga. Deshalb ist die Entscheidung der Barmenia nachvollziehbar. Zumal die Barmenia sich lokal bereits sehr engagiert, unter anderem als Hauptsponsor des BHC.

    Andere Großunternehmen in Wuppertal engagieren sich lokal überhaupt nicht. Die sollten besser an den Pranger gestellt werden, nicht die Barmenia. Was da gerade medial und durch die „Fans“ des WSV veranstaltet wird bestätigt uns in der Entscheidung, erst einmal Abstand vom WSV genommen zu haben.

  2. stefan siedner sagt:

    Tja, der WSV ist wieder da! Leider nur beim Thema Krawall. Das Pokalendspiel in Essen hat gezeigt, dass das Umfeld einfach noch nicht soweit ist. Außerdem scheint der Verein zu verkennen, dass man trotz Aufstieg nur in Liga 4 tätig ist. Als Barmenia würde ich mich auch als Ersteigest verstehen und hätte ich mich dementsprechend für B04 entschieden …

  3. stefan siedner sagt:

    Krankenkasse sponsort Pharmakonzern, ist das überhaupt ethisch vertretbar? Dass der WSV als Sponsoring-Partner komplett ungeeignet ist, steht dabei auf einem anderen Blatt, ist aber leider wahr!

  4. Franz Neider sagt:

    WSV Verantwortliche echauffieren sich auf Facebook darüber, dass die Barmenia sich in Leverkusen engagiert, aber nicht beim WSV, obwohl sie da Business Partner sind.
    Warum schafft das ein BHC? Kann es sein, dass da einfach professionell gearbeitet wird und nicht wie seit Jahren, auch zu Runge Zeiten schon, nur gejammert wird und geklagt, das würde die Stadt unattraktiv machen?

    Einfach mal ein paar Jahre in Ruhe und professionell arbeiten, dann erreicht man Akzeptanz in der Wirtschaft, neue Sponsoren und eventuell auch mal den Wirtschaftspreis…

    Die eigene Wahrnehmung ist wie seit eh und je total überzogen beim WSV. Selbst ein Dorfverein aus Sprockhövel steigt mal eben in die 4. Liga auf….

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