11.10.2013

Indien Jörg Mittelsten Scheid Kaschmir Naher Osten Nicolai-Verlag Pakistan

Zurück zu den Wurzeln

Mit einem Buch über Pakistan kehrt der Wuppertaler Unternehmer Jörg Mittelsten Scheid zu seinen wissenschaftlichen Ursprüngen zurück

Buch-Mittelsten-ScheidNachdem Jörg Mittelsten Scheid nicht mehr nur die Geschäftsführung der Vorwerk-Gruppe mit Sitz in Wuppertal, sondern auch sein Amt als Vorsitzender des Beirates aufgegeben hat (aber zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde), kann er sich wieder einer alten Leidenschaft widmen: dem Nahen Osten. Vor seiner Karriere im familieneigenen Betrieb hielt er sich ein gutes Jahr in Indien auf, um seine Dissertation über die Teilung Indiens vorzubereiten, der eigentlich eine wissenschaftliche Laufbahn folgen sollte. Doch das Familienunternehmen ging vor – wobei Mittelsten Scheid nie aufgehört hat, die Geschehnisse im Nahen Osten weiter zu verfolgen. Gebündelt hat Mittelsten Scheid seine rund 40-jährigen Erkenntnisse nun in dem Buch „Pulverfass Pakistan. Eine Gefahr für den globalen Frieden?“, das im Juni dieses Jahres im Nicolai-Verlag erschienen ist.
Mittelsten Scheid beleuchtet in seinem Buch vor allem die Schlüsselrolle des Atomstaates für die weitere Entwicklung in Mittelasien – ohne dabei die innenpolitischen Probleme des Landes sowie den Konflikt mit Indien auszublenden. Was für den Leser aber vielleicht noch wichtiger ist, ist die Beschreibung der Entstehung des Landes. Das fängt schon bei der Namensgebung an: Pakistan enthält die Namen der Provinzen, die aus (der britischen Kolonie) Indien als eigenständiges Land hervorgegangen sind, und zwar Punjab, Afghan Province, Kaschmir, Sindh und Betlutschistan.

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Islam und Kaschmir als Schlüssel für den Frieden?
Vor allem eines wird bei der Lektüre des Buchs deutlich: Pakistan beziehungsweise die Trennung von Indien 1947 kann nicht ohne den Islam betrachtet werden; aber Islam ist auch nicht gleich Islam, sondern sehr viel komplizierter und vielschichtiger. Und dabei sind Schiiten und Sunniten nur zwei Strömungen. Hinzu kommt in Pakistan die Bedeutung von Stämmen beziehungsweise einflussreichen Familien und Großgrundbesitzern.
Vereinfacht gesagt mache das zusammengenommen schon einen Teil des Pulverfasses aus. Denn die Unterschiede würden nicht nur die Frage aufwerfen, wer im Land gerade die Fäden zusammenhalte, sondern wer damit dann von der Regierung bevorzugt werde. Dabei gehe es nicht nur um die Besetzung von Regierungsposten, sondern auch um die Bereiche der Rechtsprechung. Ein Stichwort ist zum Beispiel die Scharia sowie die Strenge der Auslegung dieses religiösen Gesetzes. Noch sind Staat und Religion in Pakistan getrennt, ist die Scharia nicht weit verbreitet, betont Mittelsten Scheid in seinem Buch. Die Frage müsse deshalb lauten, ob dies so bleibt.
Das landesweite Problem der Korruption mache die Situation nicht einfacher. Und auch der Einfluss von außen – zum Beispiel von Saudi Arabien oder den Taliban-Milizen, die im Kaschmir-Konflikt als Kämpfer auftreten – trage eher zur Verschärfung der Lage bei.
Wie sich Pakistan entwickeln wird, hänge nach Angabe von Mittelsten Scheid auch davon ab, was 2014 nach dem Abzug der US-Amerikaner in Afghanistan passieren werde. Komme es dann zu noch mehr Flüchtlingen in den Nachbarstaat, würde dies die schwierige finanzielle Situation weiter belasten. Zudem könnten Söldner, die jetzt in Afghanistan kämpfen, eine neue Aufgabe im Kaschmir-Konflikt sehen, wo sie offiziell die muslimischen Glaubensbrüder gegen die Hinduisten unterstützen könnten. Deshalb erscheint dem Wuppertaler die Lösung der Kaschmir-Frage wichtiger denn je.
Bei der Teilung Indiens hatte der Fürst beziehungsweise Maharadscha von Kaschmir, ein Hindu, der aber mit harter Hand seine überwiegend muslimische Bevölkerung regierte, selbst entscheiden dürfen, welchem der beiden Staaten er sich anschließen wolle. Nach langem Zögern entschloss er sich zum Anschluss an Indien – womit der Kaschmir-Konflikt, der schon vor dieser Entscheidung schwelte, mehr oder weniger offen ausbrach. Aber: Die Lösung dieses bis heute immer wieder gewaltsam aufbrechenden Konfliktes soll aus der Region selbst kommen – und nicht von den USA, China oder Europa vorgegeben werden, so Mittelsten Scheid.

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