Das Projekt Döppersberg muss neu gedacht werden

Denkverbote und das sture Festhalten am einmal eingeschlagenen Kurs sind die falsche Reaktion auf die Kostenexplosion beim Döppersberg-Umbau.
Kommentar von njuuz-Herausgeber Hendrik Stötter.

Hendrik StötterHendrik Stötter

Diese Woche wurde die Zahl veröffentlicht: 35 Millionen Euro mehr soll der neue Döppersberg kosten. 140 Millionen statt 105 Millionen. Das scheint aber bei den Entscheidern in Politik und Verwaltung niemand zu beeindrucken, es wird geplant, den Bau unverändert fortzuführen.

Die Situation

Das Projekt Döppersberg: Ein Leuchtturmprojekt soll es sein. Ein Auftakt zu einer besseren, schöneren Stadt. Das dem Besucher den Weg nach Wuppertal weist und ihn sicher hierhin führt.

Der Preis dafür: 100 Euro sollte jeder Wuppertaler durchschnittlich bezahlen, insgesamt – inklusive Zuschüssen aus Düsseldorf – 105.000.000 Euro. Nach den neuesten Zahlen werden es mindestens 200 Euro je Wuppertaler. Nach den Zahlen von heute. Bis 2020 sind es noch sieben Jahre, in denen weitere Kostensteigerung stattfinden können und vermutlich auch werden.

Das Problem

Diese Stadt hat nicht nur kein Geld, sondern sie verfällt seit Jahren – sichtbar in Form von geschlossenen Einrichtungen wie Schwimmbädern, dem Schauspielhaus, Beratungsstellen und vielen weiteren sozialen und kulturellen Einrichtungen – aber auch unsichtbar, nämlich mit vielen Bürgen, die überschuldet sind und ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Jeder fünfte Wuppertaler ist pleite und besonders auf preiswerte soziale und kulturelle Einrichtungen angewiesen.

Stets wurde kommuniziert, dass man das Geld für den Erhalt dieser Einrichtungen, welche die Lebensqualität halten, schlicht nicht habe, und daher bedauerlicherweise das Niveau senken müsse. Der Nothaushalt ließe keinen anderen Spielraum. Bei einem Schuldenstand von 1.500.000.000 Euro oder über 4000 Euro pro Bürger ist diese Argumentation häufig schmerzhaft aber nachvollziehbar.

Die Fragen

Nur beim Döppersberg reagieren nun Einige auf eine Art und Weise, die Kopfschütteln verursacht:

– Das Projekt müsse 1:1 – wie geplant – umgesetzt werden, daran führe kein Weg vorbei!
Warum?

– Würde man etwas ändern, würde man die Fördermillionen aus Düsseldorf riskieren!
Ist das so? Ist es stattdessen besser, blind den Eigenanteil um weitere 35.000.000 Euro zu erhöhen, die wir schlicht nicht haben? Sollte man nicht die aktuellen Optionen prüfen?

– Wuppertal hat doch bereits 1.500.000.000 Schulden, da kommt es doch nicht mehr darauf an!
Soll so die Wuppertaler Finanzplanung aussehen?

– Das Geld wird doch einfach aus dem Straßenbudget genommen
Wollen wir bis 2020 keine Reparaturen von Straßen und Brücken, die bisher schon für ihren Zustand berüchtigt sind? Im April diesen Jahres hat der Kämmerer verkündet, dass man durch Umfinanzierung von Projekten 2 Millionen Euro für marode Straßen “zusammengekratzt” habe. Unter diesem Blickwinkel mag man sich eine 17-fache Summe vorstellen, die gespart werden soll.

– Wir sparen einen einstelligen Millionenbetrag, wenn wir die B7 2 Jahre sperren und leiten den Verkehr über die A46!
Die B7 ist die Pulsader des Elberfelder Innenstadtverkehrs. Diese für 2 Jahre komplett zu sperren, käme einem Verkehrsinfarkt gleich. Die Auswirkungen auf den Elberfelder Einzelhandel erlebt man gerade in abgeschwächter Form am Wall. Zudem befremdet es, dass die A40 innerhalb von 3 Monaten saniert wurde, aber ein 500m langes Teilstück B7 24 Monate Bauzeit erfordern soll.

– Dagegen zu sein ist doch auch keine Lösung!
Der Konsens dieses Projekt zu bauen, wankt, weil sich die Bedingungen stark verändert haben. In allen Bereichen des Lebens ist es normal, nochmal zu überlegen, was man tut, wenn man sich etwas Erhofftes nicht leisten kann. Dies als Anti-Haltung zu werten, ist eine verengte Wahrnehmung.

Die Perspektive

Wuppertal sollte sich die Zeit nehmen, um in Ruhe zu überlegen und Optionen zu prüfen. Der Döppersberg ist ein wichtiges Projekt, dass es verdient hat, von den Wuppertalern getragen zu werden. Das geht aber nur, wenn man ihnen wieder das Gefühl gibt, dass ihre Sorgen gehört werden und Eingang in die Planung nehmen. Es kann nicht sein, dass für dieses Projekt andere finanzielle Regeln gelten. Es wurde ausdrücklich beschlossen, dass Kostensteigerungen im Projekt aufzufangen sind. Das kann dann auch bedeuten, dass die eine oder andere Maßnahme nicht oder anders ausgeführt werden muss.

So zu tun, als könne man den Kurs nicht mehr ändern, weil das Schiff Fahrt aufgenommen hat, wäre das falsche Signal.

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Gegenposition:

Den Kritikern des Döppersbergumbaus geht es nicht um Logik, sondern darum, ihre Unzufriedenheit mit der städtischen Gesamtsituation zu äußern. Die Mehrkosten von 35 Millionen sind bei Wuppertals Milliardenminus eine Kommastelle.

>> Lesen Sie den Gastkommentar von Mike Brüggemann

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Foto: privat

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