23.05.2013

fahrrad highlight Wuppertal-Institut

Wuppertal Institut: Wuppertal kann Fahrradstadt werden

Forscher entwickelten Strategien zur Förderung des Radverkehrs unter schwierigen Rahmenbedingungen. Größtes Hindernis ist die Haushaltslage, nicht die Topografie.

Wuppertal zur Fahrradstadt machen? Wer die Topografie kennt und um die klammen Haushaltskassen der Stadt weiß, hegt große Zweifel, ob es gelingen kann. Gefördert von der Stiftung Mercator haben Forscher des Wuppertal Instituts untersucht, mit welchen Strategien sich diese schwierigen Rahmenbedingungen überwinden lassen. Ihr Bericht liegt nun vor.

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Wuppertal Fahrradstadt © Wuppertal Institut

„In vielen Interviews und in Workshops mit lokalen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft haben wir erfahren, dass der breite Wunsch besteht, dass Radverkehr intensiver gefördert wird und man auch dazu beitragen möchte“, berichtet Frederic Rudolph aus dem Wissenschaftler-Team, und ergänzt: „Tatsächlich ist das größte Hindernis für einen Ausbau des Radverkehrs die prekäre Haushaltslage der Stadt. Andere Hindernisse wie etwa die Topografie sind zwar relevant, stehen einer Fahrradstadt Wuppertal aber nicht im Wege.“

Empfehlungen der Studie: Schutzstreifen, Bekenntnis zum Rad, Förderkultur schaffen

Die Infrastruktur kann mit geringem finanziellem Aufwand fahrradfreundlich weiterentwickelt werden, wenn über Schutzstreifen dem Platzbedarf des Fahrrads im Mischverkehr aus Fahrrad, Bus und Pkw Rechnung getragen wird. Insbesondere in Kreuzungsbereichen sind solche Markierungen notwendig.

Die Stadt Wuppertal sollte ein fahrradfreundliches Klima schaffen. Die Politik sollte deshalb ein klares Bekenntnis zur Förderung des Radverkehrs abgeben. In der Umsetzung würde ein solches Bekenntnis beispielsweise beinhalten, bei Sanierungen von Straßen die Belange des Radverkehrs prioritär zu behandeln.

Außerdem sollte eine Förderkultur für den Radverkehr entwickelt werden. Angesichts der prekären Haushaltslage der Stadt sollten die Wuppertaler zukünftig zielgerichtet darauf hinarbeiten, in diesem Zusammenhang bei der Vergabe von Fördergeldern zum Zuge zu kommen und Spenden einzuwerben. Mit den so erworbenen Mitteln sollte zunächst ein geschlossenes Hauptroutennetz entstehen.

Ausgangslage schlechter als in anderen Städten

Die Entwicklung hin zu einer Fahrradstadt Wuppertal ist ein ambitioniertes Vorhaben, denn die Ausgangslage ist deutlich schlechter als in vergleichbaren Städten. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) liegt in Wuppertal bei 58 Prozent aller Wege, der des Umweltverbunds (ÖPNV, Fahrrad und zu Fuß) bei 42 Prozent. Eine Besonderheit Wuppertals jedoch sind die Verkehrsmittelanteile innerhalb des Umweltverbundes. Während der Anteil der Wege zu Fuß und mit dem ÖPNV mit etwa 15 bzw. 25,5 Prozent verhältnismäßig hoch ist, wird das Fahrrad nur für durchschnittlich 1,5 Prozent aller Wege genutzt.

Aber der Zeitpunkt, das zu ändern, ist trotz schwieriger Rahmenbedingungen günstig, resümiert der Bericht. Schließlich entwickelt sich Radfahren deutschlandweit zum Mainstream. Es wird mit einem modernen und urbanen Lebensstil verbunden. Der Eintritt von Elektrofahrrädern oder kurz: „Pedelecs“ (Pedal Electric Cycle) in den Markt erleichtert es zudem, topografische Nachteile zu überwinden.

Anteil des Radverkehrs von zehn Prozent aller Wege realistisch

Die Wissenschaftler des Wuppertal Instituts halten es deshalb für mittelfristig realistisch, dass Wuppertal einen Anteil des Radverkehrs von zehn Prozent aller Wege erreicht und dabei der Anteil der Wege von Fußgängern und Nutzern des öffentlichen Verkehrs annähernd gehalten wird. Dann würde der Anteil des Pkw auf weniger als die Hälfte aller Wege sinken. Im Vergleich mit anderen Städten wäre dies eine sehr gute Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel (Modal Split) und ein Schritt zur klimafreundlichen „low carbon mobility“.

Dafür sind die Anfänge gemacht. In Zusammenarbeit mit engagierten Akteuren in Stadtverwaltung und Bürgerschaft wurde ein innovatives Wegeleitsystem initiiert, für das die Stadt Wuppertal letzte Woche den 2. Platz beim Deutschen Fahrradpreis errang. Gekennzeichnete Schleichwege durch die Stadt zeigen steigungsarme, sichere Routen an.

>> Zum Abschlussbericht des Wuppertal Instituts

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Quelle: Stiftung Mercator GmbH / Wuppertal Institut
Foto: Wuppertal Institut

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Kommentare

  1. Rainer Frohnhoff sagt:

    Es wäre schön, wenn diese Studie die ziemlich eingerostete Förderung des Radverkehrs in Wuppertal wieder in die richtige Spur bringen würde.
    Die empfohlenen Schutz- oder Fahrradstreifen sollten zur Abwechslung einfach mal in ausreichender Breite geplant und dann auch bei der Umsetzung nicht halbiert werden.
    Wie man damit statt des zweiten dann den ersten Deutschen Fahrradpreis gewinnt, hat uns Soest gerade vorgemacht.

    Die in Ihrem Bild gezeigte „Radverkehrsanlage“ sollte gleichwohl in ihrer einzigartigen Sinnentleertheit erhalten bleiben – als Beispiel, wie man es nicht macht!
    Das Foto zeigt im Hintergrund, dass man in Wuppertal vor über 100 Jahren „was anders machte“, und mit der Schwebebahn ein sowohl innovatives wie auch zweckmäßiges Verkehrsmittel ans Gleis hängte.
    Die RVA im Vordergrund gibt eher Herrn Trapp Recht, der in der Wuppertaler Rundschau für den Slogan „Wuppertal – dat gippt keinen“ plädierte.

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