20.03.2013

anori Arne Lawrenz Eisbären highlight schimpansen Vilma Wuppertaler Zoo Zoo

Zoo 2020: „Klotzen, nicht kleckern“

Zoo-Direktor Arne Lawrenz stellte sein Konzept vor. Die Lebensbedingungen der Tiere sollen verbessert und das Zoo-Erlebnis für Besucher gesteigert werden. Bestimmte Tierarten werden verschwinden, andere erhalten mehr Raum. Die alte Zoo-Gastronomie soll zum „Carl Fuhlrott Haus“ werden.

Aktuelle Stellenangebote:

Dr. Arne Lawrenz, Jahrgang 1964, studierte Veterinärmedizin in Berlin und arbeitet seit 1998 als Tierarzt und Kurator im Zoologischen Garten Wuppertal. 2001 wurde er Stellvertreter von Zoo-Direktor Dr. Ulrich Schürer. Von 2009 bis 2010 war er Präsident der Europäischen Zootierarzt-Vereinigung und ist derzeit Präsident für Zoo- und Wildtiermedizin innerhalb der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft. Am 1. März 2013 folgte er Ulrich Schürer als Direktor des Wuppertaler Zoos nach.

Der neue Direktor kennt den Zoo in- und auswendig, wovon er bei der Erarbeitung seines Konzepts „Der grüne Zoo / Zoo 2020“ erkennbar profitierte. Die Vorschläge von Lawrenz, die er am Mittwoch vor Politik, Zoo-Verein, Wirtschaft und Presse mit großem Engagement präsentierte, bedeuten nicht weniger als eine weitgehende Änderung der bisherigen Politik.

Worum es gehen soll, machte Bruno Hensel, Vorsitzender des Zoo-Vereins, in seiner Anmoderation deutlich: Die von Lawrenz und seinem Team erarbeiteten Vorschläge sollen Tieren, Besuchern und Mitarbeitern gleichermaßen zugute kommen.

Motto: „Der grüne Zoo“

Der Zoo müsse ökologisch nachhaltiger werden, forderte Lawrenz. Dieser Gedanke und die einzigartige Parklandschaft, in der der Tiergarten liegt, führten zum Motto „Der grüne Zoo“. Drei Hauptziele stehen über dem Konzept: die Verbesserung der Tierhaltung, die Optimierung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und die Steigerung der Attraktivität. Lawrenz verspricht sich davon unter anderem die Erhöhung der Besucherzahlen von derzeit mehr als 600.000 auf 800.000 bis zum Jahr 2020 und als Folge die Erhöhung der Einnahmen. Dadurch soll der Zoo einen größeren Anteil als die bisherigen 2,4 Millionen Euro an den jährlichen Kosten von rund acht Millionen Euro selbst erwirtschaften können.

Flugshows wie hier im Münchner Tierpark Hellabrunn soll es bald auch im Wuppertaler Zoo geben.

Greifvogelschauen wie hier im Münchner Tierpark Hellabrunn soll es bald auch im Wuppertaler Zoo geben.

Für die Mitarbeiter soll das Arbeiten im Zoo durch den verstärkten Einsatz technischer Hilfsmittel und die Verbesserung der internen Kommunikation erleichtert werden. Vor allem im Bereich des Betriebshof soll es Änderungen geben. Der Erlebnischarakter soll durch eine neue, attraktive Zoogastronomie, die Schaffung von Spiel- und Erlebnisbereiche und einen besseren Besucherservice gesteigert werden. Neue Energiekonzepte, Abfallverwertung und Nachhaltigkeit sollen neue ökologische Maßstäbe setzen.

„Wir werden uns von Tierarten trennen müssen“

Dem Tierarzt Arne Lawrenz ist es ein besonderes Anliegen, die Lebensbedingungen der Tiere im Zoo zu verbessern. Und hier setzt eine der tiefgreifendsten Änderungen an. Der neue Direktor will Anlagen umstrukturieren, vergrößern, zusammenlegen und naturnah gestalten. Die unvermeidliche Konsequenz: „Wir werden uns von Tierarten trennen müssen.“ Jedoch sollen unter Umständen mehr Exemplare einer Art in größeren Gehegen gehalten werden.

Elefanten / Gastronomie

Als die aktuelle Anlage gebaut wurde, war nicht absehbar, dass einmal so viele Tiere darin leben würden. Die Elefanten sollen mehr Platz bekommen und auch die Logistik für die Tierpflege soll verbessert werden. Dazu werden Nachbarreviere verlegt und der Waldbereich bis zur Waldschänke soll den Elefanten zur Verfügung stehen. Die neue Gastronomie soll an das Elefantengehege angrenzen, so dass die Gäste von dort aus die Tiere beobachten können. „Am Abend am Wasserloch zu sitzen und die Elefanten zu sehen ist mit Sicherheit sehr attraktiv und lockt vielleicht auch Gäste zum Abendessen in den Wuppertaler Zoo.“

Die Wölfe müssen sich zukünftig mit den Bären arrangieren.

Die Wölfe müssen sich zukünftig mit den Bären arrangieren.

Raubtiere

Östlich neben dem großen Löwenrevier soll eine Gepardenanlage mit Beutesimulator entstehen. Die Schneeleoparden sollen deutlich mehr Platz bekommen; im Gegenzug werden Luchse und verschiedene Greifvögelarten abgegeben. Im Großkatzenhaus wird der Schwerpunkt auf asiatische Goldkatzen und Nebelparder gelegt, Leoparden und Schwarze Panther werden verschwinden. Das Außengehege wird vergrößert. Die Wolfsanlage wird mit dem Bärengehege kombiniert. Von dieser Maßnahme, die aus den Erlösen des ersten Zoolaufs mitfinanziert werden soll, verspricht sich Lawrenz eine starke Interaktion zwischen den Tierarten. Im neuen Kleinkatzenhaus, das der Zoo-Verein in Angriff nehmen wird, wird es ebenfalls eine Konzentration auf weniger Arten geben.

Werden im Wuppertaler Zoo künftig noch Eisbären leben. Die Frage ist für den Zoo-Direktor noch offen.

Werden im Wuppertaler Zoo künftig noch Eisbären leben? Die Frage ist für den Zoo-Direktor noch offen.

Die Eisbärin Vilma wird mittelfristig ein neues Zuhause bekommen. Lawrenz möchte ihre Tochter Anori mit einem anderen männlichen Eisbären zusammenbringen. Das gehe auf Dauer allerdings nur, wenn den Tieren adäquate Lebensbedingungen geschaffen werden können: „Hier müssen wir dann aber klotzen und nicht kleckern und eine richtig große Anlage schaffen.“ Sollte das nicht möglich sein, will er auch das Aus der Eisbärenhaltung nicht ausschließen.

Bergischer Bauernhof

„Ich will, dass man Tiere auch anfassen kann“, beschrieb Arne Lawrenz seine Idee eines Bergischen Bauernhofs, in dem heimische Nutztierarten gezüchtet und vorgestellt werden sollen. Im Gespräch sind unter anderem schwarzbunte Rinder, Geflügel und Schweine. Die Zooschule soll interaktiv mit den Tieren arbeiten.

Huftiere

Davidshirsche, Rentiere, Takine, Waldantilopen, Pekaris und Hirscheber sollen mehr Platz bekommen. Auf die Haltung von Weißlippenhirschen und Hängebauchschweinen wird künftig dagegen verzichtet. In einem Afrikapanorama sollen Zebras und Strauße sich ein Gehege teilen. Dromedare soll es bis 2020 im Wuppertaler Zoo nicht mehr geben. Im Tapirhaus werden Faultiere einziehen.

Die Schneeeulen müssen den Uhus weichen.

Die Schneeeulen müssen den Uhus weichen.

Vögel

Begehbare Vogelwiesen sollen die Tiere näher an die Besucher bringen und das Vogelhaus soll aufgehübscht werden. Die Tage der Schneeeulen im Wuppertaler Zoo könnten gezählt sein. An ihrer Stelle sollen Uhus gehalten werden. Die Weißhandgibbons, die bislang über dem großen Teich rechts vom Eingang leben, sollen abgegeben werden. Der frei werdende Platz soll in eine Sumpflandschaft umgewandelt werden, in der Flamingos, Pelikane, Schuhschnäbel und weitere Arten leben. Ein echtes Erlebnis dürften die Greifvogelschauen werden, die es künftig auf der Wiese vor der „Konzertmuschel“ geben könnte. Den Aras, die bislang unter teilweise bedenklichen Bedingungen gehalten werden, will Lawrenz eine Freiflugvoliere spendieren. Dem Platzbedarf könnte der Rosengarten zum Opfer fallen.

Die heftig kritisierte Schimpansenhaltung wird enden, sobald das alte Männchen gestorben ist.

Die heftig kritisierte Schimpansenhaltung wird enden, sobald das alte Männchen gestorben ist.

Affen

Es wird weiterhin Gorillas, Bonobos und Orang Utans zu sehen geben. Die viel kritisierte Schimpansenhaltung soll dagegen auslaufen. Sobald das alte Männchen Epulu gestorben ist, wird das Weibchen Kitoto nach Münster abgegeben. Auch im Affenhaus werden künftig deutlich weniger Spezies leben; die Haltung von Klammeraffen, Goldbauchmangaben, Bartaffen und Brillenlanguren steht zur Disposition. Im Bereich des großen Teichs ist ein begehbarer Vari-Wald geplant.

Ehemalige Zoo-Gastronomie wird zum „Carl Fuhlrott Haus“

Für Arne Lawrenz sind die „Historischen Zoosäle“ von besonderer Bedeutung. Die neu Konzeption dieses Gebäudes bezeichnet er als „Herzstück“ seiner Planungen: „Wir wollen hier ein Kompetenz- und Bildungszentrum mit dem Namen von Carl Fuhlrott gründen“. Hier sollen die Veterinärstation, das Aquarium und die Zooschule ein neues Zuhause finden. Die Veterinärmedizin soll offen und transparent sein und zum Beispiel für Schulklassen erlebbar sein. Auch die Junior-Uni hat bereits großes Interesse signalisiert. Auch die Zoopädagogik will Lawrenz „nach oben fahren“. Es ist ihm ganz wichtig, noch mehr Kinder für den Zoo zu begeistern. Auch mit dem Aquarium hat Lawrenz viel vor. Besucher, auch hier vor allem Kinder, sollen direkt in die Aquarien sehen und Fische anfassen können. Wanderausstellungen und andere Aktionen sollen das neue Carl Fuhlrott Haus zusätzlich mit Leben füllen.

Kommunikation und Marketing

Arne Lawrenz will den Zoo nicht als heile Welt inszenieren, sondern offen über Probleme sprechen. „Wir haben hier auch kranke und sterbende Tiere. Aber ich kann versprechen, dass wir das Beste tun, um das Leben der Tiere zu erhalten. Aber auch uns passiert es, dass wir das Leben der Tiere nicht immer retten können. Aber wir müssen damit aktiv umgehen und zeigen, was wir machen.“ Ein gutes Beispiel für die neue Offenheit des Wuppertaler Zoos ist für Lawrenz der Umgang mit der Salmonellenerkrankung der Elefanten vor wenigen Wochen, die auch zum Verlust eines ungeborenen Kalbes führte. Der transparente Umgang mit den Ereignissen habe dem Zoo viel Zuspruch gebracht, so Lawrenz.

Der Zoo soll künftig aktiver in Städten werben, die keinen eigenen Zoo haben, wie Düsseldorf, Essen oder Bochum. „Wo die Leute unentschlossen sind und nicht wissen, in welchen Zoo sie am Wochenende gehen sollen, da müssen wir hin!“

____________________

Fotos: Georg Sander, Barbara Scheer (Eisbären)

Anmelden

Kommentare

  1. Ich bin auch beigeistert von den Plänen. Ich selber bin sehr oft im Wuppertaler Zoo, um meine Tierfotografie zu tätigen. Ich freue mich schon auf die neuen Gehege für die Tiere. Besonders angetan hat mich die Idee, dass es im Wuppertaler Zoo bald auch Greifvogelshows gibt. Ich liebe Greifvögel, besonders die Falken die meine absoluten Lieblingstiere sind . Zur Zeit bin ich am liebsten bei den Löwen und bei den Tigern… Da sieht man es schon, dass sich viel gutes getan hatte.
    Das Gepardenkonzept gefällt mir auch sehr guuuut. Ich sehe es heute noch, wie klein das alte Gepardengehege ist… Gerade diese Tiere brauchen auch viel Auslauf. Der Beutesimulator wird auch hoffentlich dafür sorgen, dass die Geparden ihre Action zeigen können. Ich finde es allerdings sehr schade, dass der indische Leopard gehen muss… Die Panther sind ja leider schon weg. Aber diese Tiere sind auch sehr schlecht zu halten, vor allen weil sie aus tropischen Wäldern abstammen. . Aber die Luchse hätte man behalten können und für die was schaffen können, die fühlen sich im deutschen Klima wohl. Gällt mir gar nicht die Idee, dass die weg sind . Da könnte man sich ein Beispiel an den Tierpark in der Lüneburger Heide nehmen.Die Anzahl der Huftiere könnte man auch weiter reduzieren und dafür die Eisbären behalten. Ich sehe es im Zoo, dass die Huftiere nicht so viel besucht. Die meisten Leute, wie ich auch laufen uninteressiert daran vorbei. Das Seelöwengehege heute ist auch nicht das beste für die Tiere. Das kritisiere ich auch sehr! Ich finde es aber toll, dass Uhus bald einziehen! Ich liebe diese Eulenart! Die Bauernhof Idee ist super und kann für gute Nachhaltigkeit sorgen. Die Raubtiere bekämen dadurch auch sehr gutes Fleisch aus der Heimat :). Ich finde es schon toll, dass das neue gemeinsame Gehege für die Bären und Wölfe bald fertig ist. Ich kann es kaum abwarten mit meiner Kamera dort zu sein. Die Schimpansenhaltung kritisiere ich auch sehr im Zoo. Ich finde es super vom Wuppertaler Zoo, wie die darauf Stellung bezogen haben und diese Aussage ist sehr logisch und für den Schimpansen- Mann auch schöner in der Heimat zu sterben, als in einen anderen Zoo. Sehr gutes Konzept mit dennoch einigen Sachen, die ich nicht so gut finde, bestimmt andere Menschen auch nicht. Besonders die Abschaffung, der Luchse ist mal voll der Griff ins Klo. Zählen zu meinen meinen Lieblingsraubkatzen. Für die hätte man ein neues großes Gehege machen sollen. Diese Raubkatzen passen doch auch hervorragend im Tiersortiment. Im Zoo gibt es Eulen (bald UHUs ),Bären, Wölfe, warum denn nicht auch Luchse, die so ziemlich Wildlife den selben Lebensraum bevölkern, wie die anderen genannten Tiere….

  2. claudia otte sagt:

    Gefällt mir sehr gut das Konzept und man kann es schon sehen,wenn man in den Zoo geht und in die Gehege schaut. Da hat sich schon viel getan..ich bin gespannt auf unseren neuen Zoo

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.