19.05.2011

Episch sieht anders aus!

Der Ring. Ein Stück der Theater-AG des Carl-Duisberg-Gymnasiums. In verschiedenen Blogs berichten die Teilnehmer der Jungen Theaterfestivals Wuppertal, das vom 22. bis 28. Mai im Haus der Jugend Barmen stattfindet, über den Fortgang ihrer Proben, peinliche Pannen und die Herausforderung, Theater zu spielen. Text: Juri Lawrenz.

Zur Probe unseres Stücks „Der Ring“, das der großen Wagner-Oper gewidmet ist, hatten wir, also eigentlich unsere beiden Gruppenleiterinnen, beschlossen, uns unsere Kostüme anzulegen, welche aus dem alten Theaterfundus zusammengestellt wurden. Zum Theaterfundus: Dieser wurde anscheinend über Jahre hinweg langsam gefüllt, und nicht nur durch die alten Stücke, denn auch aus unserer aktuellen Gruppe landeten einige richtige Schmuckstücke dort. Und genau das war anscheinend auch in den alten Besetzungen geschehen. Nach ein paar Durchwühl-Aktionen hatten wir einige Klamotten gefunden, und die, die noch fehlten, waren schon im Voraus herangeschleppt worden, so dass wir nun alle bereit für unsere Verwandlung waren.

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Schmieriger Bösewicht
Nun ja, die Kostümideen schwebten schon längst in den Köpfen unserer Headhunter-Damen herum, deswegen ging es auch schon sofort mit der Operation bei der Figur unseres Hagens los: Die böse Rolle, deswegen einen alten schweren Rockermantel, der aber dermaßen nach Zigarettenrauch muffte, dass man beim bloßen Danebenstehen schon das große Husten bekam. Dazu bekam er ein Holzschwert (für ein echtes sind wir zu arm) mit dem direkt durch die Luft gewirbelt wurde – und das ihm daraufhin wieder abgenommen wurde. Schwarze Umrandung um die Augen, um seine düstere Seele darzustellen, die ihm einen herrlich femininen Ausdruck verlieh. Die Haare alle nach hinten geklatscht. So hatten wir unseren sehr… „bedrohlichen“ ist das falsche Wort… schmierigen Bösewicht zustande gebracht.

Sandalen für den obersten Gott
Sein Vater war danach dran, Alberich: Ein schwarzes, zu kleines Oma-Hemd, mit goldenen Blumenmuster zwängte man ihm an und hängte ihm eine Kopflampe um den Hals – schließlich ist Alberich ein selbsternannter Weiberheld und Zwerg. So hatten wir unseren noch abstoßenderen Bösewichte kreiert. Die anderen Kostüme waren weniger ausgefuchst: Siegfried erhielt eine Perücke, sah aber selten dämlich damit aus, die Rheinweiber bekamen Blümchen und Seidentücher, sahen damit trotzdem nicht hold und mild aus, die Walküren einen fahrbaren Untersatz und eine Schoner-Rüstung. Alle waren mit ihren Kostümen sehr verbunden (auf meist eher negative, aber belustigte Art), doch die beste Idee kam am Ende. Wotan, der Gottvater, der Heiligste, der Weise, der Allmächtige wurde erst einmal in ein schickes, halb geöffnetes Hawaiihemd mit Holzknöpfen gestopft, bekam dann eine passende Bermudashorts angezogen, in Sandalen mit Socken drin gestellt (die ein authentisches Loch vorweisen konnten) und eine einseitig angeklebte Sonnenbrille aufgesetzt. So stand nun unser oberster Gott unter schallendem Gelächter auf der Bühne, und es wurden erfreut Witze über dieses Outfit gerissen. Als ich mir so unseren Wotan ansah, kam mir der Verdacht, dass allein unsere Kostüme eine dermaßen große Ironie gegenüber der ernsten Geschichte darstellen, dass die Würde des Rheingoldes wohl nicht erhalten bleiben würde. Episch sieht anders aus.

Alle Aufführungstermine und weitere Informationen über das Junge Theaterfestival Wuppertal stehen auf: www.jungestheaterfestival-wtal.de

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