05.05.2011

Bergische Universität Wuppertal Schauspielhaus

Wann können wir anfangen? Über die Zukunft des Schauspielhauses!

Am 4.5. präsentierte eine Studentengruppe des Masterstudienganges Architektur der Bergischen Universität Wuppertal ihre Entwürfe für eine tragfähige Bau- und Nutzungskonzeption des Wuppertaler Schauspielhauses. Ihr Fazit: eine wirtschaftliche Nutzung ist möglich.

Vier konkurrierende Nutzungs- und Baukonzepte sind im vergangenen Semester unter der Leitung von Prof. Dr. Guido Spars von seinen Studenten entwickelt worden. Aufgabe war, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwerfen, eine grobe Struktur für den Betrieb zu entwickeln und eine Kalkulation vorzulegen. Dabei durften die Studenten den Denkmalschutz vernachlässigen. „Sonst wäre die Aufgabe zu komplex geworden“ so Prof. Dr. Spars. Die entstandene Ideenpalette ist breit gefächert: sie geht von der Nutzung des Hauses als Ort für die Kultur- und Kreativszene, bis zur Einrichtung eines Sportzentrums für Familie und Senioren.

Aktuelle Stellenangebote:

Gründerzentrum für die Kreativwirtschaft und ein Haus für die Kultur
Der Entwurf der Studenten Derya Birke, Christian Stähler, Sonja Lappenbusch kombiniert ein Gründerzentrum für die Kultur- und Kreativwirtschaft mit dem Betrieb einer Spielstätte für die Wuppertaler Bühnen.

Dabei wird das gesamte Areal rund um das Schauspielhaus bis zum Wupperufer bebaut und umgestaltet. Das Gründerzentrum wird dabei in Modulbauweise errichtet und durch Grün und Wasserflächen strukturiert. Die Module können jederzeit verändert und neuen Situationen angepasst werden. Zuschauerraum, Probebühne und Verwaltungstrakt des Schauspielhauses werden abgerissen. Der Bühnenturm ist weiterhin als Theater- und Probenraum nutzbar und wird durch angedockte Container zu einem multifunktionalen Veranstaltungsort umgebaut. Denkbar sind Kinovorführungen, Vorträge, Ausstellungen und Tagungen. Die kleine Spielstätte bleibt erhalten. Das Foyer wird zur Gastronomie. Wichtiger Bestandteil für die Wirtschaftlichkeit ist der Bau eines neuen Parkhauses auf dem Gelände des Sopp’schen Pavillons.

Die Stadt Wuppertal bleibt Eigentümerin der Liegenschaft und holt einen Investor dazu. Die Zusammenarbeit mit der W-Tec wird angestrebt. Gastronomie und Veranstaltungsbereich werden durch einen Eventmanager organisiert, der auch die Koordination mit den Wuppertaler Bühnen für den Betrieb der „Kleinen Spielstätte“ vornimmt. Das Parkhaus wird an einen professionellen Parkhausbetreiber übergeben.

Inselkultur
Sandra Skowronek, Richard Baumgartner und Bernd Wroblewski geht es um die Schaffung eines Kulturzentrums mit großer Strahlkraft nach außen. Die Nutzung für den Tanz als „Leuchtturm“ Wuppertals steht im Mittelpunkt ihrer Überlegungen, ebenso der respektvolle Umgang mit dem Gebäude. Die Ansiedlung einer Tanzmittelschule schwebt Ihnen vor. Das Nutzungskonzept sieht Räume für Musik-, Film- und Videoproduktionen, Räume für Designer und junge Kreative, sowie für Galerien und Schulungsräume für soziale Einrichtungen vor. Als weiterer Ankerpunkt wird der Sopp’sche Pavillon zu einer Gastronomie mit Bar umgebaut. Der Zuschauerraum wird – wie auch im Entwurf „Gründerzentrum“ – als überdimensioniert abgerissen. Die Zuschauertribüne verlagert sich auf die Nebenbühne. Ansonsten bleibt das Schauspielhaus in seiner dreigliedrigen Struktur erhalten.

Finanziert werden soll das Projekt über ein Public Private Partnership Modell, oder durch einen Investor und die Bürgschaft einer Stiftung. Das Betreibermodell ist viergliedrig geplant und setzt sich aus einem Eventspezialisten für Kunst, einem für Theater, einem Gastronomen und einem Verwalter zusammen.

Freizeit und N-tertainment (FUN)
Andreas Cromme und Marco Granzow haben sich zum Ziel gesetzt, mit ihrem Konzept die höchstmögliche Auslastung im Schauspielhaus zu erreichen. Sie wollen das Haus zu einem Freizeit-, Kultur- und Erlebniszentrum umrüsten. Dabei soll die äußere Erscheinung des Graupner Baus‘ weitestgehend unberührt bleiben. Das Innere wird komplett entkernt und mit unterschiedlichsten mobilen Elementen ausgestattet. In einer Mehrzweckhalle ist eine Nutzung für Sport, Schauspiel, Varieté, Kleinkunst, Lesungen und Messen vorgesehen. Als Sportarten werden Billard, Bowling, Aerobic, Yoga, Klettern und unterschiedliche Gymnastikarten für Alt und Jung angeboten. Das Schauspiel erhält Räume die bedarfsgerecht gestaltet und mit der entsprechenden Technik ausgestattet sind. Bühne, Regieraum, Fundus, Lager und Künstlergarderoben werden gebaut. Als Werkstätten für den Bühnenbau werden die des Opernhauses genutzt. Ein im Haus angesiedeltes professionelles Catering versorgt die Veranstaltungen, Restaurant und Cafeteria. Das Gebäude wird zu Strasse hin geöffnet und großzügig verglast. Ein so genanntes Profitcenter verkauft Sport- und Freizeitartikel. Der Sopp’sche Pavillon wird zum Parkhaus und für die Nutzung durch eine Tanzschule umgebaut.

Finanziert werden soll der Bau durch die Stadt, Privatinvestoren, eine Stiftung und Fördermittel. Eine FUN Vermietungs- und Verpachtungsgesellschaft übernimmt den Betrieb des Gebäudes.

Wupper Workstage
Nadine Bartsch, Andrea Marquardt und Michael Schleich konnten als 4. Team in einer mitreißenden Präsentation dem Publikum ihre Ideen besonders gut nahe bringen. Sie haben ein Konzept entwickelt, welches das Haus in Co-working Areas und Bühnenräume unterteilt. Dabei wird der Graupner Bau am stärksten verändert. Der Eingangsbereich wird für die Bedürfnisse der Co-worker umgebaut. Dabei entsteht ein zentraler Bereich mit Teeküche, Arbeitsflächen, Besprechungsräumen und Ausstellungsfläche rund um das verglaste Atrium. Auf der Dachterasse entsteht ein anspruchsvoller Aufbau, mit angeschlossener Dachlandschaft zur Ansiedlung eines Ankermieters (eine bekannte Agentur etc.). Das Zuschauerhaus wird abgerissen und in eine Naturbühne umgewandelt. Eine LED Leinwand ermöglicht große Public Viewing Events, Open Air Kino und kann als große Werbefläche angemietet werden. Der Bühnenturm wird zu einem multifunktionalen Veranstaltungsraum nach Vorbild des Theaterhaus Stuttgart umgebaut. Dort ist es gelungen durch flexible und multifunktional nutzbare Räume den Förderbedarf des Theaters auf 25% zu reduzieren. Auf dem Bühnenturm entsteht eine Lounge mit Panoramablick. Der Verwaltungsflügel wird abgebrochen. Der Pavillon wird erhalten und für die gastronomische Nutzung umgebaut. Die Außengastronomie wird erweitert. Der Parkplatz zwischen Sopp’scher Pavillon soll in einem zweiten Bauabschnitt in eine Tiefgarage verlegt werden. Der gesamte Außenraum wird umgestaltet, so dass ein Verbindung zu beiden Gebäuden und der Wupper entsteht.

Das Betreiberkonzept sieht einen institutionellen Investor vor, der die Co-Working Area und den Agenturbereich an eine Betreibergesellschaft und den Veranstaltungsbereich, den Sopp’schen Pavillon und die Lounge an einen Gastronomiebetreiber vermietet.

Fazit laut Professor Spars:
„Alle Projekte funktionieren wirtschaftlich. Die Stadt muss nur mutig sein. Es muss darum gehen, Stadtentwicklung nicht reaktiv sondern proaktiv zu betreiben. Das Schauspielhaus darf nicht zu einem Ort der Erinnerung, sondern muss zu einem Ort der Zukunftsgestaltung werden.“

Zum ersten Mal ist mit der Präsentation der vier Konzepte konstruktiv über eine Weiternutzung des Schauspielhauses nachgedacht worden. Auch wenn die Entwürfe und Vorstellungen bisher nur grob formuliert sind und an manchen Stellen gewagt und bisweilen überfrachtet scheinen – Studenten dürfen und müssen spinnen – bieten sie doch eine gute Grundlage, weiter zu denken. Und zum ersten Mal wurde nicht über Barrieren und Hemmschwellen wie den katastrophalen Allgemeinzustand des Gebäudes, den harten Denkmalschutz und die exorbitant hohen Betreiberkosten lamentiert. Das macht Mut und gibt den Impuls den Wuppertal braucht, um Bewegung in die Diskussion um das Schauspielhaus zu bringen. „Wann können wir anfangen?“ bringt ein Ausruf aus dem Publikum die Situation auf den Punkt und wird mit lautem Klatschen quittiert.

PS. Einen Aufreger am Rande der Veranstaltung produzierte der von den Studenten postulierte Schwund der Kreativszene in Wuppertal. Sie bezogen sich dabei auf eine Studie die von der BEA in Auftrag gegeben worden ist. Daraufhin wurde laut aus dem Publikum protestiert und darauf hin gewiesen, dass diese Studie nicht ernst zu nehmen sei, da die Freiberufler bei der Erhebung nicht berücksichtigt worden sind. Die aber machen nun einmal den größten Teil der Szene aus.

Link zur Studie

Link zur Diskussion um das Wuppertaler Schauspielhaus

Anmelden

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.