Ein Stein für ein Leben

In Wuppertal wurden weitere "Stolpersteine" verlegt, die an von Nazideutschen verschleppte und ermordete Menschen erinnern.

Moritz Loeb wurde 1885 in Köln geboren. Bis 1926 betrieb er einen Großhandel für Herrenhüte in Köln. Danach war er Einkäufer für Herrenartikel bei der Firma Leonhard Tietz in Elberfeld. Bereits im Juli 1935 wurde er aus rassischen Gründen genötigt, seine Stellung aufzugeben. Danach schlug er sich als Vertreter für eine Wäschefabrik durch. Im November 1938 wurde er von der Gestapo festgenommen und ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er einen Monat einsaß. Wie er die folgenden Jahre verbrachte und welchen Beruf er ausübte, ist nicht bekannt. Jedenfalls musste die Sechszimmerwohnung aufgegeben werden.

Seine spätere Frau Paula, geb. Abrahahm, kam 1894 in Neuwied zur Welt. Über ihr Leben ist wenig bekannt. Paula und Moritz hatten vier Kinder: Herbert (Jahrgang 1920), Werner (1922), Günther (1928) und Helmut (1934). Wegen einer psychischen Erkrankung kam Paula in die Nervenheilanstalt Bendorf-Sayn bei Neuwied.

Moritz Loeb und sein damals siebenjähriger Sohn Helmut wurden am 10. November 1941 vom Bahnhof Steinbeck nach Minsk in Weissrussland deportiert und dort wahrscheinlich ermordet. Paula wurde am 15. Juni 1942 ins Ghetto von Izbica in Polen verschleppt, wo sich ihre Spur verliert. Die Loebs sind drei von schätzungsweise 1.200 Wuppertalern jüdischen Glaubens, die von Nazideutschen umgebracht wurden. Die drei älteren Söhne der Loebs konnten sich durch Emigration retten .

An das Schicksal der von den Nazis ermordeten Menschen erinnert seit den 1990er Jahren das Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig. An den früheren Wohnorten der Opfer werden Messingplatten in den Boden eingelassen, auf denen die Namen sowie Geburts- und Todesdaten der Toten eingraviert sind.

Rund fünfzig „Stolpersteine“ gibt es bereits in Wuppertal. Am Mittwoch kam ein Dutzend weitere dazu. Auch vor der Adresse des früheren „Judenhauses“, der letzten Unterkunft der Loebs in der Bleichstr. 22 in Wuppertal-Elberfeld, heute Bundesallee/Ecke Morianstraße, erinnern jetzt drei „Stolpersteine“ an das Schicksal der Familie. Zum Gedenken an die ebenfalls verschleppten und ermordeten Familien Bukofzer, Gottschalk, Simon, Leyser und Horowitz wurden weitere Steine in Wuppertal verlegt.

Die Namen und Wohnorte der Opfer wurden vom Verein „Stolpersteine in Wuppertal e.V.“ recherchiert. Prof. Dr. Manfred Brusten (Foto) versucht seit 1997, den Toten ihre Identität wieder zu geben. Oft kein leichtes Unterfangen: „Die Unterlagen sind häufig widersprüchlich und viele Nachkommen der Opfer wollen nicht mehr über die Ereignisse während der Nazizeit sprechen“.

Für Hans Jürgen Vitenius, den stellvertretenden Bezirksbürgermeister Elberfelds, steht außer Frage, dass das Projekt „Stolpersteine“ Unterstützung verdient: „Die Bezirksvertretung engagiert sich finanziell und steht voll und ganz hinter dem Projekt, und zwar über alle Parteigrenzen hinweg.“ Anfängliche Bedenken von Hauseigentümern gegen die „Stolpersteine“ vor ihren Grundstücken hätten sich rasch wieder gelegt. Heute gebe es kaum noch Einwände gegen die Mahnmale.

Der Verein „Stolpersteine in Wuppertal “ ist auf Spenden und Hilfe angewiesen, berichtet Gabi Mahnert vom Vorstand. In Wuppertal wurde der Verein jetzt von der Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung (GBA) unterstützt. Die GBA hatte Teilnehmer einer Qualifizierungsmaßnahme zur die Verlegung der Stolpersteine abgestellt.

Ein Stein kostet 95 Euro. Die drei „Stolpersteine“ für die Familie Loeb wurden von Sandra Loeb und Yvonne Jones gestiftet, den Töchtern der überlebenden Söhne Werner und Günther.


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Fotos: Georg Sander

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