24.07.2015

So riecht unsere Stadt

Hätten Sie gedacht, dass eine Stadt duften kann? Frank Müller von der Traditionsparfümerie Müller in Elberfeld hat sich mit dem Thema „Wie riecht Wuppertal?“ befasst.

2015Ein Hauch Lavendel, eine flüchtige Weihrauchnote und Bergamotte: Diese Düfte sind in Wuppertal wahrnehmbar. Die dazugehörigen Orte hat der gelernte Drogist und Inhaber der Parfümerie Müller an der Herzogstraße, Frank Müller, ausfindig gemacht. Er befasst sich beruflich wie privat mit seiner Leidenschaft – Parfüms.

Welche Assoziationen verbinden wir mit bestimmten Stadtteilen oder Orten? Jeder Mensch nimmt seine Umgebung und seine Mitmenschen vom Geruch her anders wahr. Doch Müller geht es um wohlriechende Düfte. Anhand einer kleinen Station für das empfindsame Riechorgan stellt er Beispiele vor. Wie riecht die Wupper? Wasser hat bekanntlich keinen Geruch, doch „der Amazonas des Bergischen Landes riecht“, wie Frank Müller betont. Nicht nach Fisch, Industrie-Öl oder Unrat, wie man denken könnte. Mit den Parfüms Verde di Mare von Bois und Pioggia Salata von Il Profumo gewinnt man einen ersten Eindruck: Eine frische Brise, unberührte Natur, Sommerregen gepaart mit einem Hauch Salz, das an die Nordsee erinnert, das ist der Duft der Wupper, sagt Müller.

Was als Scherz im Rahmen einer Teamsitzung mit Danica Dannenberg von der Wuppertal Marketing GmbH anfing, hat schnell konkrete Formen angenommen. Nach der Kampagne „Wie schmeckt Wuppertal?“ hat Frank Müller sich überlegt, wie unsere Stadt eigentlich riecht. Ähnlich einem Weinkenner „kostet“ er die Düfte und Gerüche der Stadt, filtert sie gedanklich und bringt sie mit bekannten Parfüms und Düften in Verbindung. Die Trassen weisen Komponenten auf, die den Experten an ein bestimmtes Parfüm erinnerten. „Eine der nettesten und lebendigsten Trassen Wuppertals ist die Sambatrasse.“ Einen Eindruck ihres Geruchs bietet der Duft Fougere Royal von Houbigants. Die Kopfnote erinnert an Zitrusfrüchte und mediterrane Kräuter. Nach ein paar Minuten breitet sich eine Frische ähnlich der eines Blumenbouquets aus, das die Herznote ausmacht. Die Basisnote zum Schluss lässt an Moose und Farne denken. „Die Sambatrasse riecht grün. Die Luft kann man Trinken.“

Mit der Schwebebahn verbindet man hingegen einen metallischen Duft. Nasses Metall, Gummi, viele Menschen. In dem Parfüm Laine de Verre von Serge Lutens schwingen diese Gerüche mit. Ein Hauch Weihrauch und ein maskuliner Duft, Moschus und zitrische Aromen – eben männlich, nach Maschine, nach Arbeit riechend.

Auch der Ölberg duftet. Als ehemaliges Armenviertel hat sich der Stadtteil zu einem der lebendigsten in Wuppertal entwickelt. „Allein die vielfältigen Angebote an Gastronomie und die Bevölkerung aus allen Herren Ländern lassen erlebbare Vielfalt spüren. Wirklich Multikulti“, schwärmt Müller. Ein weiterer Duft von Serge Lutens, setzt die Vorstellung dessen frei, was wir mit dem Orient verbinden. Ein Hauch von exotischen Gewürzen, Düfte von süßem Tabak, Honig und Sandelholz, schwelenden Geheimnissen in der Luft, die man ergründen möchte. Nach zwei Stunden Testriechen haben die Nasen angesichts der Duftvielfalt dennoch nicht kapituliert. Ausgeschöpft sind seine Ideen der geruchlichen Umsetzung der Stadt noch lange nicht. Inspiration und Ideen holt Müller sich bei langen Spaziergängen „Ich möchte Orte erlebbar machen. Düfte und Parfüms sind Kunst. Sie bereichern das Leben.“

Text: Stephanie Licciardi

Der Artikel ist ein gekürzter Auszug aus der neuen Ausgabe der talwaerts, Wuppertals Wochenzeitung. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe, die immer freitags erscheint. Überall, wo es Zeitschriften gibt und unter www.talwaerts-zeitung.de

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