Politik
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… und plötzlich ist der Strom weg

24.05.2013 12:28

Das Bündnis Unsere Stadtwerke kritisiert die Mahnpraxis, insbesondere das „Kettenmahnverfahren“ der WSW Energie und Wasser AG und fordert einen Runden Tisch aller Beteiligten zur Lösung des Problems der hohen Zahl an Stromsperren in Wuppertal.

„Wer seinen Strom nicht zahlt, dem wird der Strom zu Recht abgedreht – ohne Geld gibt’s eben keine Leistung!“ Das ist ein weit verbreitetes Argument in der Diskussion um Stromsperren. Es blendet aber aus, dass die Mehrzahl der Stromsperren nicht vorsätzlich herbeigeführt wird, sondern dass sich dahinter eine Vielzahl sozialer und persönlicher Probleme verbirgt. In den meisten Fällen ist die Energiearmut verbunden mit „normaler“ Armut, z.B. dem Bezug von „Hartz IV“ oder Sozialhilfe und privater Verschuldung. Eine weit verbreitete, wenngleich wenig hilfreiche Strategie ist, angesichts erdrückender finanzieller Engpässe einfach den Kopf in den Sand zu stecken, anstatt das Problem offensiv anzugehen.

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Diese Menschen müssen von unabhängigen Beratungs- und Unterstützungsangeboten erreicht und aufgeklärt werden. Manche Probleme könnten vermieden werden, wenn die Schreiben der Energieversorger grundsätzlich verständlicher formuliert, lesbarer gestaltet und mit entsprechenden Beratungshinweisen versehen würden. Und manche Probleme werden durch restriktive Mahnverfahren und die rigide Durchführung von Energiesperren verursacht, die jegliche Verhältnismäßigkeit und soziale Verantwortung vermissen lassen.

Ein Beispiel für fehlende Kundenfreundlichkeit ist das „Kettenmahnverfahren“, das die Wuppertaler Stadtwerke durchführen. Ganz schnell kann man nämlich ohne eigenes Verschulden bei den WSW in Rückstand geraten. Das geschieht z.B. wenn das Jobcenter die Leistung verspätet auf das Konto überweist und der Dauerauftrag, mit dem die WSW-Abschlagszahlung beglichen werden soll, mangels Deckung platzt. Angenommen dieser Vorgang ist einmalig und die nachfolgenden Abschlagszahlungen werden wieder rechtzeitig und in voller Höhe abgebucht, können dennoch erhebliche Mahnkosten auflaufen. Solange ein Betrag offen, ist wird mit jedem Rechnungs- oder Mahnschreiben der WSW eine erneute Mahngebühr von 5 € fällig. Und das funktioniert so: Mit der laufenden Abschlagszahlung werden zuerst die Rückstände ausgeglichen. Das führt im aktuellen Zahlungsmonat dazu, dass ein erneuter Rückstand aufläuft, der eine neue Mahnung mit entsprechender Gebühr zu Folge hat. Und das läuft jeden Monat so weiter, solange ein Rückstand mitgeschleppt wird. Für Betroffene ist das deshalb nicht mehr nachvollziehbar, weil sie – wenn der Rückstand einmal entstanden ist – nicht mehr erkennen können, warum Mahngebühren monatlich anfallen. Sie sehen ja, dass sie ihre Anschlagszahlungen rechtzeitig zahlen und halten die Mahngebühr deshalb für einen Fehler der WSW.

Wer hier nicht sofort aktiv wird und der Sache auf den Grund geht, hat Pech gehabt. Die WSW informieren nicht verständlich über den Vorgang, sondern schicken im Folgemonat das nächste Mahnschreiben raus, die Mahngebühr wird erneut fällig usw. Je weiter der Rückstand zurückliegt, desto unverständlicher wird das Verfahren für den Kunden. Diejenigen, die mit der Darstellung und der Sprache der WSW-Abrechnungsschreiben zurechtkommen und deren Leben gerade in geordneten Bahnen verläuft, werden den Fehler bemerken und den Rückstand rasch begleichen. Doch es gibt in Wuppertal viele Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mit dieser Aufgabe schlichtweg überfordert sind, die Schreiben liegen lassen, sie vergessen oder verdrängen.

 

Ist der Mahnkreislauf einmal in Gang gekommen und setzt er sich über ein Jahr lang fort, belaufen sich allein die Mahnkosten auf mindestens 60 € (manchmal kommen mehre Mahnschreiben im Monat). Und wenn sich der ursprüngliche Rückstand auf mehr als 40 € beläuft, ist die kritische Marke überschritten. Ab einem Rückstand von 100 € können „Energiegrundversorger“, und das sind in Wuppertal die Stadtwerke, die Stromlieferung nämlich einstellen. Wurde in unserem Beispielfall mit vierwöchigem Vorlauf in einem Mahnschreiben schon einmal die Stromsperre angedroht, kann im Monat elf nach dem Zahlungsrückstand die Sperre vollzogen werden. Sie muss lediglich mindestens drei Tage zuvor angekündigt werden. Aber wer bis dahin nicht aktiv an der Problemlösung gearbeitet hat oder den Rückstand nicht sofort bei der WSW begleichen kann, steht plötzlich ohne Strom da – ohne Licht, Warmwasser, Koch- und Kühlenergie, TV-, Radio-Information, Computerkommunikation, unter Umständen Heizung usw.

Das dargestellte Mahnverfahren ist intransparent und es entstehen unverhältnismäßige Mahnkosten, die wiederum Unverständnis und Frust auslösen. Bei den Betroffenen hat diese Praxis nicht selten Ohnmacht, Hilflosigkeit und Rückzug zur Folge. Das Bündnis Unsere Stadtwerke kritisiert die Mahnpraxis, insbesondere das „Kettenmahnverfahren“ der WSW Energie und Wasser AG und fordert von dem Unternehmen im städtischen Besitz, dass es seinen Kunden gegenüber verständnis- und rücksichtsvoller auftritt und seine Geschäftspraktiken sozial verträglich gestaltet.

Wuppertal und ihre Stadtwerke halten beim Vollzug von Stromsperren bundesweit einen Spitzenplatz. Das Bündnis Unsere Stadtwerke lehnt diese unverhältnismäßige Maßnahme des Forderungseinzugs strikt ab und fordert, dringend Abhilfe zu schaffen. Als ersten Schritt schlägt es die Einrichtung eines Runden Tisches zur Verhinderung von Stromsperren vor. Neben den Stadtwerken und der Sozialverwaltung sollen auch die Verbraucherzentrale und Vertreter/innen der Einrichtungen beteiligt werden, die Sozial- und Schuldnerberatung anbieten und mit den von Energiearmut Betroffenen in Kontakt stehen. Der Runde Tisch soll konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Energiearmut und -sperren erarbeiten und Vorschläge unterbreiten wie die Kommunikation der Beteiligten untereinander verbessert werden kann.


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