Piraten gegen Bambis

Am Samstag wird in Solingen geschubst und gedrängelt. Aber weder Schlussverkauf noch Mittelaltermarkt sorgen für blaue Flecken: Beim Roller-Derby-Turnier der Pirate Brides Wuppervalley gegen die Back Breaking Bambis aus Frankfurt geht es ein bisschen ruppig zu.

The Pirate Brides Wuppervalley beim Training, mehrere Frauen mit Rollschuhen und Schutzhelmen sind in der Eissporthalle Solingen zu sehen.Roller Derby ist ein Vollkontaktsport für Frauen. Beide Teams ziehen auf Rollschuhen ihre Kreise. Zuerst startet das Pack – jeweils vier Blocker aus jedem Team. Dann gehen die Jammer an den Start, eine für jede Mannschaft. Sobald sich eine Jammerin am Pack vorbeigedrängt hat, wird sie zur Lead Jammerin und sammelt für jedes Überholen Punkte. Aber das ist nicht einfach: Die Blockerinnen können mit Schultern, Hüfte und notfalls auch dem Hintern blocken und rempeln, so die Jammerin aus der Bahn drängen.

Ins Tal gebracht hat den Roll-Sport die Trainerin der Pirate Brides: Käp’n Dodi. Kampfnahmen gehören zum Roller Derby. So finden sich im Wuppertaler Team Moshing Momo ebenso wie GeWaltraud. Manchmal hat der Kampfname aber auch einen ganz harmlosen Hintergrund wie bei Miss Millhouse aka Katharina Mühlinghaus: „Das ist der Spitzname, den mir ein Arbeitskollege verpasst hat – mein Nachname, semiprofessionell ins Englische übersetzt.“ Dabei ist jeder Roller-Derby-Kampfname individuell und kann im International Rollergirls Master Roster auf seine Einzigartigkeit überprüft werden.

Ihr seid alle Individuen!

Nach typischem Turnverein oder Sportclub sehen die Pirate Brides nicht aus: Tattoos, Piercings, Nerdbrillen und bunte Haare sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die Ursprünge von Roller Derby bei den Riot Grrrls in den Neunzigern, irgendwo zwischen Punk und Feminismus, schimmern durch. Dabei ist für Miss Millhouse weder die Einstellung noch der Look entscheidend. „Unser Sport zieht schon alternative Leute an, aber das ist kein Muss.“ Roller Derby ist für jede da. „Es ist kein typischer Mädchensport, aber man kann trotzdem seine weibliche Seite zeigen.“

Der nächste Bout, das nächste Spiel, startet morgen abend in der Eissporthalle Solingen. Als Gegnerinnen laufen die Back Breaking Bambis aus Frankfurt auf. Dass die Wuppertaler Pirate Brides in Solingen spielen und trainieren, liegt vor allem an den mangelnden Spielstätten im Tal, so Miss Millhouse: „Es wäre natürlich schön, wenn wir als Wuppertaler Verein auch eine Austragungsstätte in Wuppertal haben könnten, aber das gestaltet sich schwierig.“

Neue Rollergirls gesucht

Außer Tattoos und Kampfnamen tragen die Pirate Brides Helme, Gelenkschoner und Mundschutz. Schon in der ersten Trainingseinheit lernen sie das richtige Fallen. Beim Aufeinandertreffen von Jammerinnen und Blockerinnen wird gerempelt und geblockt. Dank der guten Vorbereitung sieht Miss Millhouse keine Gefahr: „Ich glaube nicht, dass Roller Derby gefährlicher ist als jeder andere Mannschaftssport oder jede andere Einzelsportart. Aber blaue Flecken gibt es immer.“

Von der Aussicht auf blaue Flecken sollten sich Neueinsteigerinnen also nicht abschrecken lassen. Denn die Pirate Brides haben noch Plätze im Team. Miss Millhouse: „Wenn ihr skaten wollt, wenn ihr ein bisschen Spaß habt am Rumrempeln, seid ihr herzlich willkommen.“ Vielleicht am 18. Juli zum Rookie-Tag. Aber erst einmal müssen die Piratenbräute die Bambis aus dem Weg rempeln – am 14. Juli in Solingen!

Verschwommene Schemen auf Rollschuhen rasen durch die Sporthalle.Foto: Fabian Mauruschat

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