07.02.2026

Wuppertal bleibt (wahrscheinlich) fahrradfreundlich – zumindest auf dem Papier

Gute Vorsätze gibt es immer wieder....



Haushaltssicherung. Dieses schöne Wort bedeutet bekanntlich: Jeder Euro wird dreimal umgedreht, einmal angebetet und dann doch nicht ausgegeben. Außer natürlich für Dinge, die sich gut anhören. Zum Beispiel für die Verlängerung der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS). Kostenpunkt: 31.500 Euro für sieben Jahre. Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Art Fitnessstudio-Mitgliedschaft für Kommunen handelt – mit exakt derselben Nutzungsintensität.

Denn Hand aufs Herz: Wer spürt sie eigentlich, diese AGFS, draußen in Wuppertal? Wo genau versteckt sich die vielbeschworene Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs? Zwischen Talachse, Dauerstau und zugeparkten Gehwegen muss man sie mit der Lupe suchen. Wenn das hier eine „fahrradfreundliche Stadt“ ist, dann ist jeder Januarvorsatz ein durchtrainierter Körper.

Das Prinzip ist bekannt: In der ersten Januarwoche waren wir fünfmal im Gym. Neue Schuhe, schicke Trinkflasche, Selfie vorm Spiegel. Danach: völlige Lethargie. Aber jeden Morgen stehen wir weiter vor dem Spiegel und stellen uns vor, wie gut wir aussehen könnten. Genau dieses Gefühl vermittelt die AGFS-Mitgliedschaft. Viel Potenzial, viele gute Vorsätze – und ein innerer Verwaltungsschweinehund, der zuverlässig gewinnt.

Währenddessen entfernt sich Wuppertal real immer weiter vom Ziel, den Autoverkehr zu reduzieren. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge steigt munter weiter. Das einzige wirklich wirksame Instrument gegen diesen Trend scheint bislang die Verlegung der Zulassungsstelle in die ehemalige Bahnhofsdirektion zu sein. Ein Ort, den man – Überraschung – am bequemsten mit dem Auto erreicht. Parkplätze direkt vor der Tür? Fehlanzeige.

Natürlich bräuchte man für den Termin dort eigentlich nur Fahrzeugbrief, Fahrzeugschein und Kennzeichen. Alles Dinge, die problemlos in einen Jutebeutel passen würden. ÖPNV? Fahrrad? Zu Fuß? Offenbar keine Option. Fahrradfreundliche Stadt heißt eben nicht zwingend fahrradfreundliche Infrastruktur, sondern manchmal nur ein gutes Netzwerk, kostenlose Flyer und die beruhigende Gewissheit, theoretisch Zugang zu Fördermitteln zu haben.

Bleibt also die ehrliche Frage: Was bleibt realistisch übrig von diesen guten Vorsätzen zur Nutzung der AGFS-Angebote? Ein Logo, ein Titel, ein Gefühl von „Wir könnten, wenn wir wollten“. In Zeiten der Haushaltssicherung ist das immerhin etwas. Aber vielleicht wäre es ehrlicher, die Mitgliedschaft künftig unter einer neuen Kategorie zu führen:
„Wuppertal – fahrradfreundlich im Geiste.“

 

Quelle : SessionNet | Verlängerung der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGFS)

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