„Von Kindern, Sicherheit und falschen Prioritäten“

Aus Spielstraße wird Tempo 30: Die Bezirksvertretung Oberbarmen schwächt im Bergischen Plateau den Schutz für Kinder und Familien – direkt nahe eines inklusiven Kindergartens. Warum dieser Beschluss ein falsches Signal sendet und wer dafür gestimmt hat, im Artikel.

In der Sitzung der Bezirksvertretung Oberbarmen am 14.04.2026 wurde vieles behandelt, von der Wiedereröffnung des Freibads bis hin zu Änderungen im Straßenraum. Doch ein Beschluss zeigt besonders deutlich, wo es gerade falsch läuft.

Unter TOP 6 wurde mit den Stimmen von CDU, SPD, AfD und FDP beschlossen, einen verkehrsberuhigten Bereich im Wohngebiet „Bergisches Plateau“ aufzuheben und durch eine Tempo 30 Zone zu ersetzen. Begründet wurde dies damit, den Radverkehr nicht auszubremsen und die Unfalllage zu entschärfen.

Was dabei gerne ausgeblendet wird:

Der Unterschied zwischen beiden Regelungen ist erheblich.

Ein verkehrsberuhigter Bereich, umgangssprachlich „Spielstraße“ – bedeutet:

Schrittgeschwindigkeit für Fahrzeuge, Kinder haben Vorrang, Spielen auf der Straße ist ausdrücklich erlaubt.

Eine Tempo 30 Zone dagegen erlaubt deutlich höhere Geschwindigkeiten.

Die Straße ist dann wieder primär Verkehrsraum, nicht mehr Lebensraum.

Genau dieser Unterschied ist entscheidend.

Denn hier geht es um ein Wohngebiet, das bewusst als familienfreundlich mit Spielstraßen geplant wurde. Ein Umfeld, in dem Kinder sicher spielen und aufwachsen können sollten. Genau dieser Schutz wird jetzt aufgegeben.

Besonders schwer wiegt:

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein inklusiver Kindergarten. Also ein Ort, an dem Kinder mit teilweise besonderem Schutzbedarf täglich unterwegs sind.

Und trotzdem wird der Schutzraum abgeschwächt.

Statt bestehende Regeln konsequent durchzusetzen, auch gegenüber rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern, wird der einfachere Weg gewählt: Die Regeln werden angepasst. Probleme werden nicht gelöst, sondern verlagert – zulasten derjenigen, die sich nicht selbst schützen können.

Am Ende bedeutet das:

Mehr Geschwindigkeit, mehr Verkehr und weniger Sicherheit.

Dass hier eine Mehrheit aus CDU, SPD, AfD und FDP gemeinsam diesen Weg geht, zeigt vor allem eines: Wenn es darauf ankommt, werden falsche Prioritäten gesetzt, auf Kosten von Familien und Kindern.

Das ist die falsche Politik.

Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht durch Anpassung an Regelverstöße, sondern durch klare Regeln und deren Durchsetzung. Gerade in Wohngebieten muss gelten:

Sicherheit vor Ideologie.

Autor: Lars Nähle (BSW Bezirksvertreter Oberbarmen)

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Kommentare

  1. Susanne Zweig sagt:

    Hat die Ratsgruppe verstanden, dass die Dr.-Kurt-Herberts-Straße, um die es hier geht, Teil der Nordbahntrasse ist? Die Nordbahntrasse ist die mit Abstand meistbefahrene Radwegeverbindung in Wuppertal. Man muss kein Verkehrsplaner sein, um zu erkennen, dass so eine Hauptradroute nicht gleichzeitig eine „Spielstraße“ sein kann.
    Nun reicht ein 18 Meter breiter Flächenquerschnitt eigentlich locker, um am Bergischen Plateau allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Aber die Stadt hat es stattdessen dort geschafft, einen verkehrsberuhigten Bereich mit einem Gehweg zu kombinieren.
    Ich weiß nicht, wozu man neben einem verkehrsberuhigten Bereich (= Schrittgeschwindigkeit, Fußgängervorrang) einen Gehweg braucht, und bin froh, dass ich das womöglich bald nicht länger verstehen muss.

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