Der Diek’sche Aufplöppradweg

Eine Radfahraktion über, mit und Vor der Beule.

Am Samstag (1. Juni 24) war Radweg-Aufplöppzeit am Diek zwischen Luhns- und Wittener Straße. Alte Eisenbahner kennen diesen Bereich noch als nördlichsten Teil der Bahnmeisterei und des Bahnhofs Wichlinghausen. [1] Über die Vor der Beule abknickende Straße Am Diek führte eine breite Eisenbahnbrücke.

Völlig überforderte Kraftfahrer und solche, die bereits mit einem STOP-Schild Probleme zu haben scheinen.

Es wäre ja auch zu schön gewesen, an dieser Stelle einen durchgehenden, ebenen, drei Meter breiten Radweg befahren zu können. Wie wir wissen (sollten), wurde die Brücke abgerissen – dann brauchen die Busfahrer nicht so um den linken Winkel zu kurbeln –, das ganze Bahnareal wurde als „Bergisches Plateau“ bebaut – Radfahrer dürfen sich hier auf dem Gehweg als die „anderen Fußgänger“ [2] mit theoretisch Schrittempo bewegen, E-Scooterer den Umweg über die Breslauer Straße nehmen –, und leider war bei einem Supermarkt und drei Discountern kein Platz mehr für einen Radweg östlich des Abzweigs Am Diek.

Da Amt 104 auch nach dem 15. Unfall am Diek nicht aufgewacht ist,
tagte die Unfallkommission und stellte nach dem 16. eine Frist:
„Die Radfahrer am Diek als die „anderen Fußgänger“ ist Mist.“
– Aber auch Radfahrer und Autos auf der Straße sorgen für Zwist:
Wer bei Tempo 30 nicht 50 fährt hat die nächste Ampel nicht Grün.
Ein Kraftfahrer, der Radler nicht überholt ist nicht ausreichend maskulin.

Siehe dazu auch: [3]

Es wurde also Zeit, mit einem Aufplöppradweg (Pop-up bicycle lane [4]) an dieser Stelle auf die besch…eidene Situation der Radfahrer aufmerksam zu machen. Der Verkehr vom Diek wurde kurzerhand über die sonst gesperrte Weiherstraße umgeleitet und die Strecke Am Diek/Vor der Beule zur Einbahnstraße westwärts erklärt. So ein Aufplöppradweg hätte wohl in den Gärten unseres Oberbürgermeisters und Verkehrsdetzernenten eine viel breitere Wirkung, denn da sitzen die richtigen Ansprechpartner/-gegner. (Im Büro „kricht“ man Herrn OB ja nicht.)

Die Aktion offenbarte mit ihrem Zweirichtungsradweg ein grundsätzliches Problem: Die Unfallgefahr wird vom Gehweg auf den Radweg verlagert. Nicht wenige Kraftfahrer, die vom Edeka auf die Straße fahren, haben nicht nur mit dem STOP-Schild ihre Probleme. Vielmehr sind einige darunter, die völlig hilflos mit der Tatsache überfordert sind, daß sie an der Ausfahrt neben dem normalen Verkehr auch noch Radverkehr aus beiden Richtungen beachten müssen. Und so stehen diese dann trotz mehrfachem Gucken, Gasgeben und Bremsen quer auf dem Geh- und Radweg, vgl. Foto oben. Der Mensch im Mittelpunkt – und damit allen im Wege: Das STOP-Schild steht auf dem Parkplatz, nicht auf der Straße.

Eine andere Sorte Kraftfahrer verwechselt die Haltelinie offenbar mit einer Startlinie. Sonst könnten nicht zwei Fahrzeuge gleichzeitig „noch schnell“ vor Eintreffen der (hier) vorrangigen Radfahrer ausfahren, vgl. Foto unten. Die dritte Schüssel links im Bild bzw. dessen Fahrzeugführer ignoriert das STOP-Zeichen dann mal direkt.

Ein STOP-Schild ist für manche Kraftfahrer eine unverbindliche Empfehlung.

Entweder gehört da ein Blitzer hin, der die Halt- und Tempoverstöße kontrolliert. Oder die einzelnen Fahrspuren werden – bis auf Zufahrten und Kreuzungen – mit Betonleitwänden dichtgemacht, um das Zwangsüberholen zu verhindern. Sonst liegt nachher noch ein toter Radler auf der Fahrbahn. Die Geisterräder wurden ja im Vorfeld schon mal aufgepinselt.

Quellen und Verweise

[1] http://www.bahnen-wuppertal.de/html/bahnhof-wichlinghausen.html

[2] Ein Gehweg ist ein Gehweg für Fußgänger. Ein Gehweg mit „Radfahrer frei“ heißt lediglich, daß Radfahrer den Gehweg benutzen dürfen, aber „angemessen“ fahren und auf Fußgänger Rücksicht nehmen müssen. „Angemessen“ definiert die sog. herrschende Meinung (h.M.) inklusive der oberen Gerichte als „maximal 15 km/h“. Weil der Gehweg am Bergischen Plateau gleich noch in beiden Richtungen für Radfahrer freigegeben ist, kann man unter vernünftiger Berücksichtigung von § 1 StVO selbst die 15 km/h gar nicht fahren.
Ein durchschnittlicher Radfahrer, der auch schalten kann, fährt etwa 25 km/h. Wenn dann der Gehweg die einzige Möglichkeit für Radfahrer ist, zur Fortsetzung der Nordbahntrasse an der Wittener Straße 1300 Meter weiter zu kommen, ist dies ein besch…eidener Zustand.

[3] https://www.njuuz.de/home/politik/nordbahntrassenluecke-am-diekvor-der-beule-ghostbikes-statt-sicherer-fahrbahn/

[4] Popp-Ab-Radweg
https://de.wikipedia.org/wiki/Pop-up-Radweg

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Kommentare

  1. N. Bernhardt sagt:

    Der ausfahrende Verkehr sieht deshalb an der Haltlinie nichts, weil die Verwaltung das so angeordnet hat. Könnte man glatt auf die Idee kommen, das sei so beabsichtigt und die Unfallkommission müßte erst konkrete Vorgaben machen.

    Aber selbst an unserem „Man sieht nichts“-Vorzeigebeispiel – der Ausfahrt City-Arkaden (Kipdorf) – lehnt zuvorderst Amt 104 Vorschläge jeder Art mit selten dämlichen „Begründungen“ ab,
    – Verkehrsspiegel seien keine Verkehrszeichen, was sie auch nie sein sollten (VO/0091/21) oder
    – das sei genau so und nicht anders im Bebauungsplan festgesetzt worden (Drs. finde ich gerade nicht, daher aus der Erinnerung).

    Die Betonleitwände (Bordsteinreihe, Baustellenbaken, Leitschwellen-/borde usw.) sollen keinen Radweg, sondern die Fahrspuren abtrennen, um das Überholen zu unterbinden. Es sollte nur was stabileres sein als am Hardtufer, wo man ganz einfach den Gehweg mit zum Überholen nutzen kann.

    1. Susanne Zweig sagt:

      Das Überholen von Radfahrern ist in Deutschland ein Menschenrecht. Sowas klappt auch auf baulich begrenzten Fahrbahnen. Selbst schon auf 3 Meter Breite erlebt. Außenspiegel an Lenkerende. Muss ich nicht regelmäßig haben.

  2. Susanne Zweig sagt:

    Der Pop-Up-Radweg am Diek ist als Demo eine gute Sache. Er macht deutlich, dass die Lücke in der Nordbahntrasse noch nicht geschlossen ist.
    Als Protected Bike Lane mit Betonleitwänden wäre er Mist. Straßen sind dazu da, Verkehr zu ermöglichen, nicht zu verhindern. Betonwände würden das freie Überqueren oder das spontane Abbiegen zur anderen Straßenseite erschweren und am Ende wären „die Radfahrer“ daran schuld.
    Der Ansatz, unter Tempo 30 den Trassen-Radverkehr ganz normal auf die Straße zu holen, ist schon besser. Die Verkehrsbehörde hat ja weder Kosten noch Mühen gescheut und schon zwei Tempo-30-Schilder aufgestellt. Für jede Fahrtrichtung eines! Wenn sie noch etwas spart, reicht es bis 2025 womöglich noch für die Schilder „Achtung Radverkehr!“, „Verkehrsführung geändert“, ein paar Pflasterstreifen, eine Anpassung der Ampelphase und (wenn’s nicht anders geht) einen Blitzer wie an der Linderhauser Straße.
    Auf der Nordbahntrasse gibt es vor jeder Zufahrt die blöden Warn-Pflasterstreifen, die die Stadt auf Förderkosten gegen den Widerstand von Skatern, Rollstuhlfahrern und Wuppertalbewegung eingebaut hat. Am Diek wären sie vielleicht nützlich.
    Aber eine Verkehrsbehörde, die den Trassen-Radverkehr ab Bf. Wichlinghausen ostwärts mit Gehwegen „bekämpft“, wird für ihr Radverkehrsverständnis wohl noch viel gesellschaftlichen Druck brauchen.

  3. Michael sagt:

    und wenn er nicht quer auf Gehweg und Straße steht, sieht er nix. Trotzdem ist die ganze Regelung dort einfach nur Mist

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