„Vergesst uns nicht!“

Mit Friedensgebeten und Kundgebungen wird in Wuppertal an den zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine (24.02.) erinnert.

Mit Friedensgebeten und Kundgebungen wird in ganz Deutschland an den zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine erinnert. In Wuppertal findet am Freitag (23.02.) eine Mahnwache in Barmen statt. In Ronsdorf laden die christlichen Gemeinden am Samstag (24.02.) zum Friedensgebet ein.

Kurz vor dem zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine macht sich Ernüchterung breit: Der Krieg ist nicht vorbei. Im Gegenteil. Zehntausende Menschen wurden getötet, Millionen sind auf der Flucht und viele Menschen im Land benötigen dringend humanitäre Hilfe. Die Stadt ruft gemeinsam mit der Solidargemeinschaft Wuppertal alle Wuppertalerinnen dazu auf, am Freitag (23.02.) von 17 bis 18 Uhr vor dem Rathaus auf dem Johannes-Rau-Platz in Barmen ihre Solidarität mit der Ukraine zu bekunden.

„Vergesst uns nicht. Betet für uns“, lautet der Appell ukrainischer Kirchen an die Gemeinden in Deutschland. Ihn hat der Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes (GAW), Pfarrer Enno Haaks, von einer Pfarrkonferenz in Odessa mitgebracht und dazu aufgefordert, das dort entstandene Friedensgebet (s. weiter unten) am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine in möglichst vielen Kirchen zu beten.

„Die Zeilen, die in Odessa entstanden sind, beschreiben die Not und Erschöpfung der Menschen in der Ukraine sehr eindrücklich, drücken aber auch ihre Zuversicht und Hoffnung auf Frieden aus“, sagt Pfarrerin Friedrike Slupina-Beck. „Wir sollten es in den Kirchen Deutschlands und Europas sprechen, um unsere Verbundenheit und Solidarität zu zeigen.“

Ein Band des Gebets knüpfen

In Wuppertal-Ronsdorf steht es am Samstag (24.02.) im Mittelpunkt des ökumenischen Friedensgebetes, zu dem die vier christlichen Gemeinden des Stadtteils um 12 Uhr in die Lutherkirche (Bandwirkerstraße 15) einladen.

Schon direkt nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor zwei Jahren gab es in Ronsdorf das erste Friedensgebet – in einer rappelvollen Kirche, wie sich die Pfarrerin erinnert. Im vergangenen Jahr war die Beteiligung deutlich geringer. Nun hofft sie darauf, dass sich diesmal wieder mehr Menschen dazu bewegen lassen, „ein Band des Gebets für die Ukraine“ zu knüpfen.

Konfirmanden aus Ronsdorf unterstützen das Ukraine-Projekt „Konfi-Gabe“

In die Fürbitten des Friedensgebets schließt Pfarrerin Slupina-Beck besonders die Kinder und Jugendlichen des Landes ein. Sie sind auch in ihrem Konfirmandenunterricht Thema. Am Beispiel des 13-jährigen Maté aus der Westukraine werde konkret, was Krieg für die junge Generation bedeute, sagt sie. Für das Projekt „Konfi-Gabe“ des GAW hat der Junge seine Geschichte erzählt.

„Das Schlimmste am Krieg ist die Angst“

Mit seiner Mutter und dem älteren Bruder lebt er in der ländlich geprägten Region Transkarpatien. Sein Vater ist vor einem Jahr gestorben. Die Familie hat ohnehin wenig Geld. Doch nun sind Nahrungsmittel und Energie extrem teuer geworden. Das Schlimmste am Krieg sei die Angst, meint Maté. „Meine größte Angst ist es, dass mein Bruder in die Armee muss und ich ihn auch noch verliere.“

Die Reformierte Kirche unterstützt die Einwohner der Region mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten. Außerdem stellt sie Kindern wie Maté Schulmaterial für ein Schuljahr zur Verfügung. Für dieses Projekt ruft das Gustav-Adolf-Werk im Jahr 2024 zu Spenden auf – und die Ronsdorfer Konfirmandengruppe möchte sich unbedingt beteiligen. Für einige gehört dazu auch das Gebet. Sie wollen am Samstag in der Lutherkirche dabei sein.

Text: Sabine Damaschke
Fotos: Canva/Slupina-Beck

Friedensgebet aus der Ukraine

Gott der Hoffnung, barmherziger Vater,
wir erheben unsere Herzen zu Dir!
Inmitten der Dunkelheit des Krieges sehen wir das Licht Deines Königreichs,
mitten in der Verzweiflung erfahren wir das Geheimnis der ewigen Hoffnung,
inmitten der brutalen Realität des Krieges entdecken wir die Tiefen des Glaubens.

Unser liebevoller Vater, zu Dir rufen wir heute.
Nach zwei Jahren zermürbendem Krieg,
der täglich Zerstörung und Tod bringt,
sind wir müde geworden.
Die Stimme unseres Schreies erklingt leiser, aber zuversichtlicher:
Wir wissen, dass Du uns hörst.

Wir sehen Dich, den Unsichtbaren, mit den geistlichen Augen,
wir hören die Stimme Deines Geistes, die ohne Worte in unseren Herzen spricht,
wir erkennen Dein Antlitz in der Barmherzigkeit und Liebe Deiner Kinder.
Gott, unser Glaube ist nicht verloren – er ist tiefer geworden.

Herr unserer Erlösung!
Jetzt fühlen wir die Ewigkeit näher als zuvor,
weil sie sich öffnet inmitten von Schmerz, Ruinen und Tod.
Ihre Wurzeln reichen immer mehr in die Realität Deines Königreichs hinein.

Barmherziger Vater, unsere Hoffnung!
Heute stehen wir vor mehr Ungewissheit als vor einem Jahr.
Im Winter vor einem Jahr gab es in der Ukraine kein elektrisches Licht,
aber Menschen erwarteten, dass das Licht der Befreiung kurz bevorsteht.
Der Nebel der Unsicherheit ist dichter geworden,
aber unsere Hoffnung wird durch den Heiligen Geist ungeahnt gestärkt.
Wir glauben, dass der Tag Deiner Wiederkunft kommen wird,
der Tag der Befreiung und des gerechten Lohns,
der Tag, an dem die Sünde verschwinden wird und die Macht der Ungerechtigkeit für immer ihr Ende nehmen wird,
an dem die Lippen, die Lügen reden, für immer zum Schweigen gebracht werden.

Unser Gott, erbarme dich der Ukraine!
Angst begleitet das Leben der Menschen,
viele Menschen sind gestorben, Familien wurden auseinandergerissen.
Tröste alle, die Angehörige verloren haben, die Witwen und elternlosen Kinder,
rette die zerstörten Städte und Dörfer durch Deine Gnade,
lass Menschen wieder zurückkehren können in ihre Heimat,
führe die Familien zusammen.

Lindere die Wut und den Schmerz der Leidenden,
gib den Regierenden Einsicht und Weisheit
und schenke den verwundeten Körpern und gebrochenen Herzen echte Hoffnung auf Leben.
Gott, schenke Frieden!
Segne deine Kirche.
Dein ewiges Königreich komme!
Komm, Herr Jesus!

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