Ostern hier und anderswo

Von Gründonnerstag bis Ostermontag feiern die evangelischen Gemeinden mit zahlreichen Gottesdiensten das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Vikar Daniel Njikeu stellt einen Vergleich zu seiner Heimat Kamerun an.

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Von Gründonnerstag bis Ostermontag feiern die evangelischen Gemeinden mit zahlreichen Gottesdiensten das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Vikar Daniel Njikeu stellt einen Vergleich zu seiner Heimat Kamerun an.

In den Feiern zur Osternacht zwischen Nacht und Tag denken Christinnen und Christen an den Weg Jesu vom Tod zurück ins Leben. Sie erinnern daran, dass Jesus drei Tage nach seinem Tod am Kreuz wieder auferstanden ist.

Zahlreiche Wuppertaler Gemeinden laden zu liturgischen Osternächten ein, teilweise auch gemeinsam mit den katholischen Gemeinden. Sie zünden Osterkerzen an, veranstalten Osterfrühstücke und eine Eiersuche für die Kinder. Alle Gottesdienste rund um Ostern gibt es in unserem Gottesdienstkalender und auf den Webseiten unserer Gemeinden.

Wo gibt es Hase und Ei in der Bibel?

Als Leiter der Internationalen Evangelischen Gemeinschaft (IEG) und Vikar der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld feiert Daniel Njikeu das deutsche Osterfest gerne mit. Doch so manches ist dem Theologen aus Kamerun fremd. Das betrifft vor allem den Kommerz rund um Ostern mit Schokohasen, bunten Eiern und Deko-Hühnern, die überall in den Geschäften ausgestellt sind.

„Als ich mein erstes Osterfest in Deutschland erlebte, dachte ich tatsächlich, es handele sich dabei um besonders christliche Unternehmen, die ihren Glauben sichtbar machen wollten“, erzählt Daniel Njikeu im Gemarker Gemeindebrief. Besonders irritierend seien Hase und Ei für ihn gewesen. „Ich fragte mich ernsthaft, ob ich einen Teil der Bibel übersehen hatte, in dem der Hase oder das Ei eine Rolle spielen. Dass der Hahn im Evangelium vorkommt, wusste ich – aber von eierlegenden Hühnern war mir nichts bekannt.“

Daniel Njikeu ist vor 16 Jahren als Maschinenbaustudent nach Deutschland gekommen und hat noch Theologie studiert. Heute arbeitet er als Vikar in der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld und leitet die IEG.

Die symbolische Bedeutung der Tiere, die für neues Leben, Hoffnung und Neubeginn stehen, kannte Daniel Njikeu nicht. Auch die Ostereiersuche mit Kindern war völlig neu für ihn, aber eine deutsche Tradition, die er schnell liebgewann: „Wenn ich sehe, wie manche Kinder voller Energie suchen und andere schnell entmutigt sind, erkenne ich darin unsere eigene Lebenserfahrung wieder. Ostern erinnert mich daran, dass Geduld und Ausdauer sich lohnen – und dass das wahre „Osterei“ für mich Christus selbst ist: der Schatz, der Leben schenkt.“

Weniger Konsum, mehr Gemeinschaft

In Kamerun, wo etwa 60 Prozent der Bevölkerung Christinnen und Christen sind, steht das Osterfest laut Njikeu deutlich weniger im Zeichen des Konsums, sondern der Gemeinschaft. In vielen Gemeinden gibt es Gebetszeiten, Bibelarbeiten und geistliche Einkehrtage. Der Gründonnerstag werde oft mit einem Abendmahlsgottesdienst gefeiert, bei dem das Teilen eine zentrale Rolle spiele, erzählt der Theologe. Am Karsamstag finden große Chorkonzerte statt, zu denen die Kirchen weit geöffnet sind.

„Der Ostersonntag ist bei uns ein echter Festtag. Viele Christinnen und Christen tragen weiße Kleidung als Zeichen der Reinheit und des Neuanfangs. Es ist auch der Tag, an dem besonders viele Taufen stattfinden.“ Kinder gestalten laut Njikeu Gedichte, kleine Theaterstücke oder Lieder und werden dafür mit Süßigkeiten belohnt. In den Familien werde reichlich gekocht – und das Essen nicht nur untereinander, sondern auch mit nicht-christlichen Nachbarn geteilt.

Egal, ob in Deutschland oder in Kamerun: Ostern sei das Herz des christlichen Glaubens, betont Daniel Njikeu. Es werde zwar unterschiedlich gefeiert, aber die Botschaft bleibe dieselbe: „Leben siegt über den Tod. Hoffnung überwindet die Dunkelheit. Liebe ist stärker als Angst.“

Text: Sabine Damaschke
Fotos: Fundus Medien, Damaschke

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